Beste Therapien für Krebspatienten

Uni-Kliniken in Göttingen und Hannover bilden ein Zentrum und hoffen auf die Krebshilfe

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Krebsspezialist aus Göttingen: Prof. Dr. Volker Ellenrieder.

Es gibt viel zu tun: 50 000 Menschen erkranken allein in Niedersachsen jährlich neu an Krebs. Der Krebsforschung und der Versorgung in der Krebsmedizin einen Schub geben, das packen die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) gemeinsam an.

Die Kliniken, die lange in Konkurrenz zueinander agierten, haben ein gemeinsames Comprehensive Cancer Center Niedersachsen (CCC-N) gegründet. Sie hoffen darauf, nun das zu werden, was sie bisher allein nicht geschafft haben: ein Krebsspitzenzentrum, gefördert von der Deutschen Krebshilfe. Wird der Antrag genehmigt, wäre in der Mitte Deutschlands und im zweitgrößten Flächenland eine große Lücke im Netzwerk onkologischer Spitzenzentren der Krebshilfe geschlossen.

Bereits gegründet wurde im Herbst 2019 das CCC-N. Es hat klar umrissene Ziele im Sinne vieler krebskranker Menschen: „Unsere Vision ist, dass wir onkologische Spitzenmedizin nach aktuellstem Wissenstand unseren Patienten anbieten können“ , sagt Prof. Volker Ellenrieder, Direktor des UMG-Krebszentrums (G-CCC) und Sprecher des neuen CCC-N. Ganz wichtig im Projekt CCC-N wird laut Volker Ellenrieder sein, die Impulse ausgehend von den beiden Uni-Kliniken in Forschung und Behandlung schnell in die Breite, also auch in die Regionen, zu den Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten zu bringen. „Das ist ein besonderer Reiz der Konstruktion CCC-N. „Krebspatienten in Niedersachsen sollen die beste Therapie bekommen – und nach Möglichkeit eine individualisierte, das heißt, auf ihren Tumor speziell abgestimmte Behandlung, erfahren. Das ist die Idee, das ist unsere Aufgabe.“

Wissen wächst schnell

Ein Beispiel für die Zusammenarbeit: Experten aus verschiedenen Medizindisziplinen beider Standorte besprechen in Tumorboards die Ergebnisse der molekularen Tumordiagnostik – mit besagtem Ziel, eine auf den Patienten abgestimmte Therapieempfehlung auszusprechen. Diese personalisierte Krebstherapie könnte für viele Patienten künftig eine zum Teil erheblich bessere Prognose im Kampf gegen die heimtückische, oft tödlich verlaufende Krankheit bringen.

Die Erkenntnisse über Ursachen und Verlauf von Tumorerkrankungen wachsen rasch, auch das Wissen darüber, dass sich Tumore, wie beim Lungenkrebs, oft in genetische Untergruppen aufteilen. Therapien schlagen so unterschiedlich an. Auch die Prognosen sind oft unterschiedlich. „Die molekulare Diagnostik gibt Aufschluss über kleinste Strukturen der Tumore. Molekulare Marker sagen uns, wie ein Tumor gestrickt ist. Da sind wir bei einigen Tumoren sehr weit, bei anderen Krebserkrankungen jedoch noch am Anfang“ sagt Ellenrieder.

Ärzte einbeziehen

Durch das CCC-N sollen auch Impulse in der Datenverfügbarkeit für Ärzte bezüglich Krebserkrankungen und Tumoren in einem diesbezüglich (noch) rückständigen Deutschland gesetzt werden. Beide Uni-Kliniken sind in dem vom Bund geförderten Medizininformatik-Konsortium HiGHmed vertreten, das die standortübergreifende Datenverfügbarkeit beschleunigen will. Denn der Zugriff auf aktuellste Forschungsergebnisse und Tumorspezifika sowie deren Behandlungsmöglichkeiten sei extrem wichtig im Hinblick auf den Therapieerfolg, betont Ellenrieder, der auf einem schwierigen Tumorgebiet, dem Bauchspeichelkarzinom, wissenschaftlich unterwegs ist. „Ergebnisse der Behandlung fließen direkt in den Wissenspool des CCC-N zurück – das ist unheimlich spannend und wichtig.“

Ziel Spitzenzentrum

Wie das CCC-N funktioniert wird laut Ellenrieder in hohem Maße vom Datenmanagement abhängen. Wichtige Daten sollen auch in einem Netz mit niedergelassenen Ärzten und Kliniken gesammelt werden. Dass dieses neue Wissen und die Konzepte auch tatsächlich schneller ans Patientenbett kommen, dafür arbeitet Volker Ellenrieder seit vielen Jahren. Jetzt sieht er bessere Chancen dafür – über das CCC-N.

Der Aufbau eines Onkologischen Spitzenzentrums der Deutschen Krebshilfe würde einen weiteren Schub geben. Eigentlich wäre die Genehmigung des Antrages durch die Krebshilfe fällig. Doch Corona beeinflusst auch diese Entscheidung, die sich nun verzögert.

Dass MHH und UMG die Zeiten des Wettstreits um Fördertöpfe in der Krebsmedizin und -forschung hinter sich lassen, ihre unterschiedlichen Schwerpunkte und Kompetenzen in einen Wissenstopf werfen und gemeinsam die Versorgung von Krebspatienten in Niedersachsen vorantreiben wollen, freut auch die Landesregierung. Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) sieht es als Pflicht des Landes an, eine „optimale Versorgung und Prävention für Patienten aufzubauen“. Sein Wissenschaftsministerium schiebt das CCC-N zunächst mit einer Million Euro an, eine weitere Unterstützung scheint möglich.

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