Unisex-Toiletten sind im Kommen

Am Göttinger Hainberg-Gymnasium gibt es jetzt Schultoiletten für alle Geschlechter

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Unisex-Toilette im Göttinger Hainberg-Gymnasium: Schulleiter Georg Bartelt und Sandra Wolf, Vertrauenslehrkraft am HG stehen an der Tür einer von zwei All-Gender-Toiletten im Schulgebäude.

Schulen und Hochschulen in Bremen sind das Vorbild: Am Göttinger Hainberg-Gymnasium gibt es jetzt WC-Anlagen, die geschlechtsneutral sind.

Seit diesem Schuljahr hat das HG zwei Unisex-Toiletten, die auch geeignet sind für Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen. „Es gab keine große Diskussion darüber“, sagte Schulleiter Georg Bartelt. „Wir haben die alten Männlein-Weiblein-Symbole überklebt.“ Jetzt steht nur noch schlicht „Toilette“ auf den Türen der Räume.

Eine Schülerin des Gymnasiums, die im Landesschülerrat sitzt, hatte die Unisex-Toiletten angeregt. Schulleiter Bartelt war während seiner Studienzeit mit einem Kommilitonen befreundet, der sich unwohl mit seinem Geschlecht gefühlt hatte.

„Vielleicht war ich deshalb sofort offen dafür“, sagte der 61-Jährige. Die Toiletten für alle einzurichten sei kein großer Aufwand gewesen. Bewirkt hätten sie dagegen viel: Zwei Jugendliche hätten sich inzwischen getraut, sich zu ihrer Transsexualität zu bekennen - wie bei dieser Demo in Kassel.

Reaktionen auf Unisex-Toiletten bisher positiv

Auch die Grünen in Bremen haben bisher nur gute Erfahrungen mit ihren Toiletten mit beziehungsweise ohne Urinal gesammelt, die es seit dem Umzug in die neue Parteizentrale im vergangenen März gibt. Die Mitarbeiter hätten darüber vorher sehr kontrovers diskutiert, sagte Søren Brand.

Doch jetzt seien die Reaktionen auf die Unisex-Klos durchweg positiv. „Diese sollen nicht nur Menschen ansprechen, die sich nicht als Frau oder Mann fühlen. Sie sind auch praktikabel - um Schlangen vor einer bestimmten Toilette zu vermeiden.“

Die niedersächsische Landesregierung befürwortet Unisex-Toiletten in öffentlichen Gebäuden. „Toiletten nur für Frauen oder Männer diskriminieren trans- und intergeschlechtliche Menschen“, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) im Frühjahr auf eine Anfrage aus der FDP-Fraktion. Diese baurechtlich vorzuschreiben sei nicht geplant.

Unisex-Toiletten sind keine Pflicht

Weder in Niedersachsen noch in Bremen gibt es eine Vorgabe für Schulen, dass diese geschlechtsneutrale Toiletten einrichten müssen. Dies sei Angelegenheit der Schulträger, heißt es aus dem Kultusministerium in Hannover.

Die Hochschulen und Universitäten sind seit jeher Vorreiter, was Geschlechterfragen betrifft. Toiletten für alle haben auch die Universitäten Göttingen, Lüneburg und Bremen sowie die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim-Holzminden-Göttingen.

Die German Toilet Organization steht solchen Vorstößen gespalten gegenüber. Es sei es gut, wenn Unisex-Toiletten Diskriminierung verhinderten. „Gleichzeitig wollen wir aber zu bedenken geben, dass Unisex-Toiletten wiederum von anderen als Einschränkung wahrgenommen werden können, solange nicht auch geschlechtergetrennte Toiletten vorhanden sind“, sagte Sprecher Johannes Rück. In vielen Kulturen würden gemischte Klos die Sitten oder religiöse Regeln verletzen.

(Mit dpa)

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