Sinnesstörungen heilen helfen

Universitätsmedizin Göttingen bekommt neun Millionen für die Erforschung der Sinne

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Fantastische Nano-Welt: Die Sinnes- und Nervenzellen im menschlichen Ohr – dargestellt durch Fluoreszenzmikroskopie.

Göttingen. Gute Nachricht für den Forschungsstandort: Der Sonderforschungsbereich 889 Sensorik unter Sprecherfunktion der Universitätsmedizin (UMG) erhält für vier Jahre mehr als neun Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Dazu Fragen und Antworten.

? Warum gibt es weiter Geld für den SFB?

!Grund ist laut DFG „eine als hervorragend begutachtete wissenschaftliche Leistung in der ersten und zweiten Förderperiode seit 2011“, wie die UMG mitteilt.

?Was ist das Besondere an dem SFB?

Sprecher Sonderforschungsbereich: Prof. Tobias Moser.

!Im Sonderforschungsbereich Sensorik geht es um das bessere Verstehen der Sinne Sehen, Hören, Riechen und Tasten – aber auch von Störungen mit oft schlimmen Auswirkungen für die Betroffenen. Sprecher des Sonderforschungsbereichs ist Prof. Dr. Tobias Moser, Direktor des Instituts für Auditorische Neurowissenschaften UMG. „Wir wollen die sensorische Verarbeitung und deren Störungen übergreifend verstehen.“

?Wer ist in Göttingen an der SFB-Arbeit beteiligt.?

!Beteiligt sind zahlreiche Spieler am Göttingen Campus. Das Projekt ist ambitioniert und weit vernetzt: Wissenschaftler aus 21 Arbeitsgruppen aus den verschiedenen Bereichen der Neurowissenschaften am Standort Göttingen arbeiten in 19 Projekten zusammen. Beteiligt sind Forscher aus fünf Kliniken und Instituten der UMG, aus dem Europäischen Neurowissenschaftlichen Institut (ENI-G), den Fakultäten für Biologie und Psychologie sowie für Physik der Uni Göttingen, aus dem Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin und dem MPI für Dynamik und Selbstorganisation sowie dem Deutschen Primatenzentrum (DPZ).

?Worum geht es in der Forschung?

!Vorwiegend um das Verstehen der Verarbeitung sensorischer Informationen. Sie ist die Basis unserer Interaktion mit der Außenwelt. Die normale Verarbeitung von Sinnesreizen wie mit Bildern, Tönen oder Gerüchen erfordert von Sinneszellen und sensorischen Nervenzellen erstaunliche Leistungen. Dazu nutzen sie hochspezialisierte Signalmaschinerien, die für die Verarbeitung des jeweiligen Sinnesreizes optimiert sind. Sensorische Defizite bedingen eine schwere Belastung für Betroffene und haben große sozioökonomische Bedeutung. Bei Fehlfunktionen kommt es etwa zu Sinnesbeeinträchtigungen wie Sehstörung oder Schwerhörigkeit. Allein von Hörstörungen sind aktuell in Deutschland rund 14 Millionen Menschen betroffen, und die Tendenz ist steigend.

?Helfen die vielen beteiligten Forschungsfelder bei der Aufgabe?

!Unbedingt, denn nur so können die grundlegenden und komplexen zellulären Mechanismen untersucht werden. In interdisziplinärer Zusammenarbeit erforschen die SFB-Wissenschaftler die Umwandlung sensorischer Reize in neuronale Signale, synaptische Übertragung, neuronale Plastizität und die Funktion neuronaler Netzwerke – von der Ebene der Proteinkomplexe bis zum Verhalten des Organismus. Auch mathematische Modelle helfen dabei.

?Wie geht die Forschung vonstatten?

!Tierversuche sind dabei unerlässlich und werden stattfinden: In der Forschung an Modellorganismen wie Fliegen, Nagern und Primaten vergleichen die SFB-Forscher Hören, Sehen, Geruchs- und Tastsinn. So entschlüsseln sie gemeinsame Prinzipien sensorischer Systeme und spezialisierte Mechanismen.

?Welches weitere Ziel hat die Forschung?

!Die Wissenschaftler wollen auch neue Behandlungs-Ansätze entwickeln, um schwere Sinnesstörungen zu beheben. So wurden in der vergangenen Förderperiode optogenetische Ansätze zur Wiederherstellung von Sehen und Hören vorangebracht und von der Gruppe um UMG-Forscherin Dr. Ellen Reisinger ein gentherapeutisches Verfahren zur Behandlung von Taubheit erfolgreich am Mausmodell erprobt (wir berichteten).

?Gibt es weitere Erfolge zu verzeichnen?

!Erfolge kann der SFB 889 auch bei seinen Bemühungen um die Chancengleichheit und die Nachwuchsförderung verzeichnen. War in der ersten Förderperiode Prof. Dr. Siegrid Löwel von der biologischen Fakultät die einzige im SFB tätige Professorin, sind nun mit Prof. Dr. Carolin Wichmann und der designierten Heisenberg-Professorin Dr. Nicola Strenzke weitere Frauen mit Leitungsfunktion dabei. (tko)

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