Neue Erkenntnisse

Universitätsmedizin Göttingen geht auf Distanz zum SS-Mann und Ex-Professor Bauer

Göttingen – Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) distanziert sich von ihrem ehemaligen Neurologie-Professor Helmut Bauer, der, nach neueren Erkenntnissen von Wissenschaftlern, seit 1941 freiwilliges Mitglied der Waffen-SS gewesen war. Bauer war 2008 gestorben.

Der Fakultätsrat nahm am Montag Bezug auf den Fall. Das Engagement Bauers für eine von der nationalsozialistischen Ideologie besonders geprägte verbrecherische Organisation sehe man als „unvereinbar mit einer ehrenden Würdigung an“ – wie für die Vergabe des Bauer-Preises an. Es sei erwiesen, dass Bauer als Waffen-SS-Mann, Hauptsturmführer und Mitglied des Sonderkommandos Künsberg hinter den Einsatzkommandos und in „unmittelbarer Nähe zu den Verbrechen der SS“ am Vernichtungskrieg beteiligt war.

 „Er hätte um die Lage der polnischen, russischen und jüdischen Menschen wissen müssen, die systematisch in Ghettos zusammengetrieben, ermordet und deportiert wurden“, heißt es. Das Kommando Künsberg hatte in Frankreich, Griechenland, Italien und vor allem an der Ostfront zu Russland auch kulturelle Schätze aus Museen, Archiven, Einrichtungen und Wohnungen geplündert.

In den Lebensläufen von Helmut Bauer, die dem Fakultätsrat vorlägen, hätten sich zu diesen Abschnitten der Vita „keine präzisen Angaben“ gefunden, heißt es in der Stellungnahme. Aber: Bereits 1997 habe es eine erste Veröffentlichung mit einem knappen Hinweis auf eine SS-Mitgliedschaft des Mediziners gegeben.

Die Fakultät hat nun beschlossen, den seit 2004 vergebenen „Helmut-Bauer-Nachwuchspreis für Multiple Sklerose-Forschung“ (Preisgeld: 10 000 Euro) nicht mehr zu verleihen. Die bisherigen Preisträger würden über diesen Schritt informiert. Ihnen werde freigestellt, ihren Preis in „Nachwuchspreis für Multiple-Sklerose Forschung Göttingen“ umzubenennen.

Bei der Würdigung von Persönlichkeiten in herausragenden Funktionen und Ämtern liege als Kriterium neben deren bedeutenden ärztlichen Qualifikationen auch deren die moralische Integrität im Sinne des Genfer Gelöbnisses und der Deklaration von Helsinki zugrunde, heißt es aus dem Fakultätsrat.

Bauer war auch Dekan der Medizinischen Fakultät und bis zum Ausscheiden 1980 Leiter der Abteilung Neurologie gewesen. Seine herausragenden Leistungen bei der Erforschung von MS sei unbestritten.

Rubriklistenbild: © Thomas Kopietz/archiv

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