Krankenhausbarometer und UMG-Finanzlage

Universitätsmedizin Göttingen: Ohne Bund und Land kein Geld auf dem Konto

Finster ist die finanzielle Situation der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) noch nicht, aber auch nicht rosarot. Die Verantwortlichen fordern von Berlin eine Neustrukturierung der Finanzierung für Uni-Kliniken. Hier wurde die Fassade des Hauptgebäudes im November 2020 zum Welt-Pankreastag beleuchtet.
+
Finster ist die finanzielle Situation der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) noch nicht, aber auch nicht rosarot. Die Verantwortlichen fordern von Berlin eine Neustrukturierung der Finanzierung für Uni-Kliniken. Hier wurde die Fassade des Hauptgebäudes im November 2020 zum Welt-Pankreastag beleuchtet.

Den deutschen Krankenhäusern geht es finanziell so schlecht wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Wesentliche Ursache dafür ist die geringe Auslastung der Häuser im Jahr 2021. Das geht aus dem neuen Krankenhaus-Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts hervor (DKI).

Hannover/Göttingen – Davon nicht ausgenommen sind die Krankenhäuser in der Region, wie die Universitätsmedizin Göttingen (UMG), die als Maximalversorger extrem viele Schwerkranke – auch Covid-Patienten – aufnehmen musste, die andere Krankenhäuser nicht mehr behandelten.

Die Universitätsmedizin Göttingen verzeichnet „auch für das Jahr 2021 erhebliche Belegungs- und Erlöseinbrüche sowie deutlich coronabedingte Mehraufwendungen im Personal- und Sachkostenbereich“, fasst denn auch der Vorstand Jens Finke zusammen. Der Verantwortliche für den Bereich Wirtschaftsführung und Administration nennt als eine Ursache auch die aufwändige Versorgung von Corona-Patienten sowie einen gleichzeitigen Rückgang bei den Belegungszahlen „in Verbindung mit einer umfassenden Prozessreorganisation zum Schutz vor Coronaeintragungen“.

Auch mussten „elektive“ Eingriffe, also geplante Operationen, verschoben und zudem Betten für die Versorgung von Covid-19-Patienten frei gehalten werden, wie Finke schildert. „Ein weiterer Grund ist der Mangel an Pflegefachkräften, auch weil Pflegekräfte aus normalstationären Bereichen in die Intensivpflege zur Versorgung von Corona-Patienten abgezogen werden mussten“, so Finke.

Nach Jahren mit einer schwarzen Null schreibt die UMG nun wieder rote Zahlen – wie „alle Universitätskliniken in Deutschland“, sagt der Vorstand Krankenvorgung Prof. Dr. Lorenz Trümper.

Jens Finke wird noch deutlicher: „Ohne die Ausgleichszahlungen vom Bund und die Unterstützung durch das Land Niedersachsen würde die Verlustentwicklung an der UMG deutlich im zweistelligen Millionenbereich liegen.“

Finanzexperte Finke stellt aber auch fest, dass die bundesweiten Ausgleichszahlungen unzureichend sind. „Sie decken die Aufwendungen für die hochintensive Versorgung gerade der schwerstkranken Corona-Patienten einem Uni-Klinikum wie der UMG in keiner Weise ab.“ Das zeige auch das Krankenhausbarometer deutlich auf.

Jens Finke, Vorstand Wirtschaftsführung

Weiterer Grund für die wirtschaftliche Situation sei die angespannte Pandemiesituation über inzwischen fast zwei Jahre hinweg. Eine Folge: Beim Pflegepersonal verzeichne man einen hohen Krankenstand und vereinzelte Kündigungen. „Der notwendige Personalbedarf könne aktuell nicht aufgefangen werden und trage zur Belastung, auch der wirtschaftlichen Lage, bei.“

Finke erwartet aufgrund der Pandemie auch für 2022 weitere hohe wirtschaftliche Belastungen. „Die Fortführung der Ausgleichszahlungen vom Bund bleiben unerlässlich und müssen überdies hinaus einer sachgerechten Korrektur für die Krankenhäuser der Maximalversorgung unterzogen werden“, stellt Jens Finke klar. Nur so könnten die negativen Coronaeffekte für die UMG insgesamt abgefedert werden.

Dass die UMG, wie andere Uni-Kliniken in Deutschland, am Tropf von Land und Bund hängt, verdeutlicht Lorenz Trümper: „Die Bilanzen aller deutschen Uni-Kliniken sind katastrophal – das heißt, hier sind nicht nur einzelne Unis wirtschaftlich schlecht aufgestellt, sondern es liegt ein systematischer Fehler in der Finanzierung der Hochleistungskliniken vor. Wenn das Land Niedersachsen nichts zuschießen würde, wäre die UMG zahlungsunfähig gewesen, dafür haben wir den Ministerien gedankt, die uns auch durch eine Kreditdeckung unterstützen“, sagt Trümper. „Es ist kein Geheimnis, dass die UMG kein Geld auf dem Konto hat.“

Andere Krankenhäuser aber hätten das durchaus, vor allem jene, die privatwirtschaftlich geführt werden. Diese könnten sich auf ertragreiche Bereiche konzentrieren. Sie hätten sich auch über die Bettenfreihaltepauschale in den Corona-Wellen gute Zahlen verschafft.

Prof. Lorenz Trümper, Vorstand Krankenversorgung

Trümper stört es denn auch, dass jene Kliniken heute Corona-Patienten in Richtung der Maximalversorger und Uni-Kliniken abgeben. „Die Behandlung von Covid-Patienten ist aufwändig und teuer, und im DRG System bis jetzt gar nicht richtig abgebildet.“ So fördert Trümper: „Wir brauchen, wie in anderen Bundesländern, eine Direktive zur fairen Verteilung der Patienten auf alle Krankenhäuser.“ Auch eine grundsätzliches Neudenken der Finanzierung sei laut Trümper unumgänglich.

Eine Einschätzung mit der der Mediziner und Vorstand Krankenversorgung, Trümper, auf einer Linie mit dem Vorstand Wirtschaftsförderung, Finke, liegt. Das hilft allein der UMG aber nicht nicht weiter. (Thomas Kopietz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.