Aktuelles Projekt

Universitätsmedizin Göttingen: Patientenstudie für Herzkranke

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Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen koordiniert die deutschlandweite Studie.

Können speziell geschulte Pflegekräfte den Krankheitsverlauf psychisch belasteter Herzpatienten nachhaltig verbessern?

Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist weltweit eine der häufigsten Herzerkrankungen. Etwa sechs Millionen Menschen sind allein in Deutschland von der Durchblutungsstörung des Herzen betroffen. Trotzdem erhalten viele Betroffene keine ausreichende Nachbehandlung. Damit sich das ändert, startet nun unter Leitung des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) nun eine multizentrische Studie.

Diese will die Behandlung psychisch belasteter Herzpatienten untersuchen. Dabei sollen speziell geschulte Pflegekräfte den Krankheitsverlauf verbessern, teilte die UMG mit. „Sollte sich die Wirksamkeit des Behandlungsansatzes wie erwartet belegen lassen, könnte dieser mit geringen Anpassungen auch auf andere chronische Krankheitsbilder übertragen werden“, sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzenrums der UMG.

Die TEACH-Studie umfasst eine teambasierte Behandlung für die Patienten während der Früherkennung der Herzkrankheit. Dabei handelt es sich um eine zufällig-kontrollierte Untersuchung.

Speziell geschulte Pflegekräfte sollen bei der Behandlung assistieren und die Patienten unterstützen. Dafür werden sie in einer mehrtägigen Schulung ausgebildet. Zusammen mit Hausärzten und Kardiologen sollen beeinflussende Stressbelastungen und Verhaltensweisen der Patienten für den Krankheitsverlauf herausgefunden werden. Selbsthilfepotentiale sowie herzgesundes Verhalten im Alltag können zudem durch die Pflegekraft gefördert werden. Das Verhalten der Patienten und der Fortschritt der Behandlung werden über einen Zeitraum von zwölf Monaten begleitet und dokumentiert.

Ein Expertenteam, bestehend aus einem Kardiologen, einer Psychologin und einem Facharzt für Psychosomatische Medizin und Physiotherapie, kontrolliert den Krankheitsverlauf. Gemeinsam werden individuelle Anpassungen vorgenommen. Zudem werden alle Behandlungsschritte in einer elektronischen Patientendatenbank dokumentiert.

Damit Studienteilnehmer weitere Hilfestellungen erhalten, können sie eine Projekt-Webseite mit Informationen und einen moderierten Chatroom nutzen. Aber auch individualisierte Erinnerungs-SMS sollen die Patienten bei ihrem Gesundheitsverhalten zwischen den Gesprächstermienen unterstützen. „Unsere Erwartung ist, dass sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Patienten in der Gruppe mit der speziellen Behandlungsassistenz nach zwölf Monaten im Vergleich zu der Gruppe mit der üblichen Routinebehandlung deutlich verbessert“, sagt Prof, Dr. Herrmann-Lingen. Dies werde anhand eines speziellen Fragebogens gemessen. „Zudem erwarten wir ein geringeres Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen sowie die langfristige und nachhaltige Verbesserung des Gesundheitszustandes“, so Herrmann-Lingen weiter.  smm

Der Hintergrund der Studie

440 psychisch belastete KHK-Patienten mit unzureichend kontrollierten Risikofaktoren sollen für die Untersuchung gewonnen werden. Ab Spätsommer 2020 erfolgt dann die Auswahl der Patienten in sechs Universitätskliniken in Deutschland. Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der UMG und Mitglied des Vorstands des Herzzentrums Göttingen, leitet die Studie. Es werden zwei Patientengruppen miteinander verglichen. Dabei erhält die eine Gruppe die übliche Standardbehandlung und die andere zusätzlich eine teambasierte Behandlung einer speziell geschulten Pflegekraft. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Vorhaben für eine vierjährige Laufzeit mit insgesamt 2,37 Millionen Euro.

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