Göttingen

Universitätsmedizin Göttingen testet mit vier anderen Fakultäten bundesweit neue Prüfungen

Im Hintergrund ist verschwommen ein junger Mann mit Brille zu sehen, der an einem Tisch sitzt, ihm gegenüber eine Frau mit dunklen Haaren und Brille, die ein Tablet mit Prüfungsdaten in der Hand hält
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Medizinerausbildung: OSCE-Pilotprüfung an der Göttinger Uni-Klinik.

Die Medizinerausbildung in Deutschland verändert sich. Dazu zählen auch neue Prüfungen, die die Kompetenz der angehenden Ärzte hinsichtlich des Gesprächs mit Patienten testen sollen.

Göttingen – Massenweise Lernstoff ins Kurzzeitgedächtnis pauken, dieses Wissen in Fragebögen oder Klausuren beweisen: So sah lange in Phasen das Medizinstudium aus und es war irgendwie fern der Arzt-Patienten-Realität.

Noch heute wird im Abschlussexamen 80 Prozent Wissen abgefragt. Das wird sich ändern: Die neue Generation soll sich durch eine „multiple“ Arztpersönlichkeit auszeichnen.

Die ist medizinisch wie wissenschaftlich kompetent, setzt das in die Praxis um und kann mit Patienten verständlich kommunizieren. Die Medizinerausbildung in Deutschland ist im Umbruch, es wird an einer neuen Approbationsordnung geschraubt. Dazu gehören auch neuartige Prüfungen.

UMG Göttingen testet neues Prüfungsmodell für Mediziner: Fünf Fakultäten bundesweit

Die sind jetzt mit Studierenden an der Universitätsmedizin Göttingen getestet worden. Die UMG ist eine von fünf Medizinfakultäten bundesweit, die die neuen Prüfungen entwickeln haben und im eigenen Studentischen Trainingszentrum Ärztliche Praxis und Simulation (STÄPS) anwenden.

Die Prüfungen haben einen anderen Schwerpunkt: die Interaktion von Team und Patient. Denn bei den künftigen Staatsexamina liegt der Fokus auf der gemeinsamen klinischen Entscheidung mit dem Patienten. „Wir wollen prüfen, was die Absolventen im Berufsalltag vom ersten Tag an wirklich erwartet“, sagt Dr. Iris Demmer, ärztliche Leiterin des STÄPS.

Dr. Iris Demmer: Leiterin des Studentischen Trainingszentrums Ärztliche Praxis und Simulation (STÄPS) in Göttingen

UMG Göttingen testet neues Prüfungsmodell für Mediziner: zielgerichtetes, empathisches Gespräch

Dass zielgerichtete, empathische Gespräche „der“ Schlüssel für Ärzte beim Kennenlernen der Patienten, bei Anamnese, Diagnose, Behandlung und Nachbesprechung sind, ist kein Geheimnis. Nun wird diesen Kompetenzen auch in Prüfungssituationen Rechnung getragen. Das wiederum mündet im STÄPS in einer „Parcoursprüfung“ mit zehn Stationen, wo Patienten einbezogen werden.

Der Prüfling spricht mit dem Patienten, untersucht und berät ihn. Er rutscht so in die Position eines Hausarztes. So werde nicht „über“, sondern „mit“ dem Patienten gesprochen. Vorteil auch: Der „Arzt“ kann im Gespräch erfahren, ob der Patient alles verstanden hat, ob er sich gut aufgehoben fühlt.

„Er kann auch den Umgang mit Fehlern lernen“, so Demmer. Die Studierenden hätten am Studium-Ende viel gelernt. Es gehe „nun darum, das Wissen gut in den Umgang mit den Patienten zu integrieren, sich auf ihre Bedürfnisse einzustellen und mit ihnen eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.“

UMG Göttingen testet neues Prüfungsmodell für Mediziner: Fakultätsintern bereits seit Jahren eingesetzt

Herausfordernd ist diese Art der Prüfung für die Prüfenden, wie Thabea Beyer aus der Klinik für Augenheilkunde sagt. „Als Prüferin musste ich mich auf die Gesprächssituation konzentrieren, mit der die Studenten bewertet werden.“ Die Schulung vorher sowie Checklisten helfen, die Prüfungsleistung fair zu bewerten.

Ganz neu ist die Parcoursprüfung an der UMG nicht, denn dort wurde sie laut Studiendekan Prof. Lorenz Trümper seit Jahren fakultätsintern eingesetzt. „Wir prüfen so, ob die Göttinger Studierenden reif fürs Praktische Jahr sind.“

Iris Demmer sagt: „Werden die Absolventen bezüglich ihrer Aufgaben als Arzt am Patienten geprüft, dann erhöht das letztlich die Sicherheit für Patienten und für die Ärzte als Berufsanfänger.“ (Thomas Kopietz)

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