Oberlandesgericht Linz

Unlautere Abwerbung von Mitarbeitern? Neues Urteil im Göttinger Firmenstreit

Außenwerbung der beiden Firmen Sycor und Arineo.
+
Die beiden Göttinger IT-Dienstleister Sycor und Arineo streiten seit Jahren gerichtlich.

In den seit mehreren Jahren anhängigen Rechtsstreitigkeiten zwischen den Göttinger IT-Dienstleistungsunternehmen Sycor und Arineo hat es jetzt eine weitere Gerichtsentscheidung gegeben.

Göttingen – Während kürzlich ein anderes bis zum Bundesgerichtshof geführtes Verfahren zugunsten von Arineo-Geschäftsführer Marko Weinrich und zuungunsten der Sycor GmbH ausging, fiel ein weiteres Urteil in einem in Österreich geführten Zivilverfahren differenzierter aus. Das Oberlandesgericht Linz (OLG) wies auf der einen Seite die Berufung der Sycor Austria GmbH gegen ein Urteil des Landgerichts Wels vom Juni 2021 zurück.

Sycor hatte dort unter anderem wegen angeblich unlauterer Abwerbung von Kunden durch Arineo geklagt, dieser Klagepunkt wurde jedoch abgewiesen. In einem anderen Punkt war die Sycor-Klage dagegen erfolgreich: Das OLG Linz verpflichtete Arineo dazu, es zu unterlassen, österreichische Sycor-Mitarbeiter auf unlautere Weise abzuwerben. Außerdem stellte das Gericht fest, dass Arineo für sämtliche Schäden hafte, die Sycor Austria aus der unlauteren Abwerbung entstehen.

Die beiden streitenden Parteien kommentierten das OLG-Urteil unterschiedlich. Sycor-Geschäftsführer Rüdiger Krumes erklärte, das Berufungsgericht habe damit bestätigt, dass es „einen systematischen Abwerbungsplan für Mitarbeiter und Kunden der Sycor-Gruppe“ gegeben habe und dieser „von einer Gruppe ehemaliger Sycor-Führungskräfte gesteuert“ worden sei.

Das Oberlandesgericht habe festgehalten, dass der wesentliche Schaden, den Sycor Austria durch das wettbewerbswidrige Vorgehen von Arineo erlitten habe, in der Abwerbung der Mitarbeiter zu sehen sei. Der österreichische Sycor-Ableger hatte seine Klage im Juli 2019 eingereicht.

Arineo verweist hingegen darauf, dass das Oberlandesgericht ein unlauteres Abwerben von Kunden „in aller Deutlichkeit verneint“ und in der Folge auch etwaige Schadensersatzansprüche der Sycor Austria GmbH zurückgewiesen habe. „Das ist die positive Seite dieses Urteils“, erklärte Martin Schweicher, Geschäftsführer der Arineo Austria GmbH.

Der Ursprung des Streits liegt mehrere Jahre zurück. Als 2017 bekannt wurde, dass die damalige Ottobock Holding ihr Tochterunternehmen Sycor verkaufen wollte, entwickelten einige Sycor-Mitarbeiter ein eigenes Konzept. Sie wollten eine „Employee Owned Company“– ein mitarbeitergeführtes Unternehmen – gründen und als Belegschaft die Firma kaufen. Das Vorhaben stieß allerdings bei Ottobock-Chef Hans Georg Näder auf Ablehnung.

Vor dem Landgericht ist aktuell noch ein weiteres Verfahren anhängig. Die Näder Beteiligungs GmbH, zu der Sycor gehört, hat die Firma Arineo und Geschäftsführer Marko Weinrich auf Schadensersatz von mindestens 23,8 Millionen Euro verklagt. (Heidi Niemann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.