Unmut im Rat der Stadt Göttingen

Sanierung der Göttinger Stadthalle wird stetig teurer

Ein Kran steht vor einem großen verhangenen Gebäude, im Vordergrund mehrere Herren in Warnwesten.
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Stadthalle am Albaniplatz. Die Halle ist mit Planen verhangen, wird saniert. Jetzt soll das Projekt noch einmal deutlich teurer werden.

Erneute Kostensteigerung bei der Sanierung der Göttinger Stadthalle: Die Maßnahmen in und am Gebäude fallen 3,8 Millionen Euro höher aus als bisher erwartet.

Göttingen – Hinzu kommen Mehrkosten von 2,2 Millionen Euro im unmittelbaren Umfeld des Gebäudes. Die Betonteile sind in einem schlechteren Zustand als es Kernbohrungen an verschiedenen Stellen der Halle im Vorfeld erwarten ließen, teilt die Verwaltung mit.

Im Bereich der Attika gibt es erhebliche Schäden. Die Tragfähigkeit des Foyer-Daches ist vermindert. Der Baugrund im Bereich der Südterrasse ist zudem stärker als angenommen mit Schadstoffen belastet. Das treibt die Entsorgungskosten in die Höhe.

SPD: Problem wäre auch bei Neubau aufgetreten

Die Mehrkosten beziffert die Verwaltung auf 2,6 Millionen Euro. Der Generalplaner empfiehlt, einen Sicherheitspuffer von 1,2 Millionen Euro einzubauen. Einsparungen von 600 000 Euro gab es dagegen bei den bisher erfolgten Auftragsvergaben. So erhöhen sich die Kosten am Ende von 29,5 Millionen Euro auf 33,3 Millionen Euro.

Hinzu kommen aber noch 2,15 Millionen Euro zusätzliche Kosten bei den Außenanlagen, wo 500 000 Euro vorgesehen waren. Die Steigerungen werden vor allem durch die Sanierung der Kanäle verursacht. Das Geld will die Stadt nun „zum großen Teil“ dem Eigenbetrieb Stadthalle zuordnen.

Grund für den „erheblichen“ Kostenanstieg seien „keine Zusatzwünsche oder Fehlplanungen“, betont SPD-Fraktionschef Tom Wedrins. Das Problem mit den Altlasten im Untergrund wäre auch bei einem Neubau aufgetreten. Die Gründe für die seit 2018 laufende Sanierung blieben richtig.

Empörung bei den Grünen – CDU sieht sich bestätigt

Die Grünen, ohne deren Stimmen die SPD die Sanierung im Rat nicht hätte durchsetzen können, sind dagegen verärgert – vor allem über die Kostensteigerung im Außenbereich.

„Unfassbar“, so der grüne Fraktionsvorsitzende Rolf Becker, sei es, dass die Verwaltung sich jahrelang nicht um eine „realistische Kostenschätzung“ bemüht hätte. Er fühlt sich getäuscht.

Die Grünen hätten seinerzeit die Idee eines Neubaus verworfen, weil es ihnen um die „preiswerteste Lösung“ gegangen sei. Dabei hätte ein Neubau etwa neben der Lokhalle viel Verkehr aus der Innenstadt herausgehalten.

Die Christdemokraten sehen sich in ihren jahrelangen Warnungen bestätigt, dass die Stadt die Kosten – anfangs war von 19,5 Millionen Euro die Rede gewesen – „immer viel zu niedrig angesetzt hat“, sagt Hans Otto Arnold, der Vorsitzende des Bauausschusses.

Meinungen bei den Parteien fallen unterschiedlich aus

Zudem fehlten noch die Kostenansätze für das Parkhaus und die Umgestaltung des angrenzenden Albaniplatzes. Ein Abriss des 1964 eröffneten Gebäudes mit Neubau wäre „nicht nur sinnvoller, sondern auch kostengünstiger gewesen“, meint der CDU-Fraktionsvorsitzende Olaf Feuerstein.

Von einem „Desaster“ und „zerstörten Vertrauen“ in die Verwaltung spricht Ratsfrau Felicitas Oldenburg (FDP). „Das Ding ist gelaufen“, meint Ratsherr Rolf Ralle (Linke) resigniert. Für einen Anbau an die Lokhalle habe es seinerzeit „leider“ keine Mehrheit gegeben.

Die Kostensteigerungen seien „kein Super-Drama“, findet Ratsherr Francisco Welter-Schultes (Piraten). Skeptisch mache ihn aber, dass die Verwaltung immer nur in Richtung Sanierung geprüft habe.

Oberbürgermeister: „Die Kostensteigerung ist ärgerlich“

Stadtoberhaupt: Rolf-Georg Köhler.

„Ärgerlich“ – mit diesem Wort fasst Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler kurz und bündig seine Meinung zu der deutlichen Kostensteigerung für die Sanierung der Stadthalle zusammen. „Ein Oberbürgermeister wird nie erfreut darüber sein, wenn es zu nicht kalkulierten höheren Kosten kommt.“

Gleichwohl sei aber vor allem bei Sanierungen von Altbeständen nicht auszuschließen, dass solche Dinge bei den Arbeiten entdeckt werden – wie im Sanierungsfall Stadthalle in den Fundamente. Dass diese teilweise nicht über die angenommene Tragfähigkeit verfügen, habe niemand gewusst.

Die Verwaltung, besonders in Person des damaligen Bauzernenten Thomas Dienberg, hatte als einen Pluspunkt im heftigen Streit um einen Neubau oder die Altbausanierung angeführt, dass man die Produktion von einer erheblichen Menge Beton einsparen könnte, wenn die alten Fundamente bei einer Sanierung wiederverwendet werden könnten.

Die Diskussion um eine Umkehr zu einem Neubau ist nun aber nicht mehr zu führen, wie der Oberbürgermeister sagt – auch nicht aus Kostengesichtspunkten. Denn ein Abriss wurde ebenfalls viel Geld verschlingen. Zudem sind der Großteil der Aufträge für Arbeiten vergeben. Die Verträge seien gültig.

Planung bei Albaniplatz noch auf dem Prüfstand

Das sieht bei der Gestaltung des Umfeldes der Stadthalle und des Albaniplatzes anders aus. Zwar gibt es Beschlüsse des Stadtrates, die aber nicht in Stein gemeißelt sind.

So sagt Köhler: Die Außengestaltung stünde weiter auf dem Prüfstand. Auch die Planung um das Schaffen und Bewirtschaften von Parkplätzen, die auf dem Albaniplatz wegfallen sollen. So prüfe man auch den Parkplatz südlich der Stadthalle, wie Köhler sagt. Aber dort Parkplätze zu bauen, sei schwierig, da der Platz von Wohnhäusern umgeben ist.

Grundsätzlich fragt sich Köhler zur Entdeckung von Altlasten, ob „man nicht vorher etwas davon hätte feststellen können?“

Die von Gegnern und Kritikern der Sanierung, vor allem aus der CDU-Fraktion, genannten Kosten für einen Neubau stellt grundsätzlich in Frage, auch weil keine Detailplanungen Grundlage dafür gewesen seien. Und er sagt auch: „Der Ort und die Sanierung der Stadthalle sind richtig.“ (Michael Caspar, Thomas Kopietz)

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