1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Sartorius im Höhenflug: Pharma-Unternehmen aus Göttingen voll auf Kurs

Erstellt:

Von: Thomas Kopietz

Kommentare

Riesenprojekt: Sartorius baut die Produktionsstätten, wie in Göttingen massiv aus, stellt bei der Energieversorgung um und geht von starkem Jahresergebnis 2022 aus.
Riesenprojekt: Sartorius baut die Produktionsstätten, wie in Göttingen massiv aus, stellt bei der Energieversorgung um und geht von starkem Jahresergebnis 2022 aus. © Stefan Ramfpel

Das niedersächsische Pharma-Unternehmen Sartorius präsentiert gute Geschäftszahlen für das erste Quartal 2022. Das Jahresziel soll erreicht werden.

Göttingen – Trotz schwieriger politischer Weltlage, Inflation und teils drastisch gestiegener Rohstoff- sowie Energiepreise: Die Sartorius AG hält an ihrem Jahresziel 2022 fest. Gestützt wird der Optimismus von starken Geschäftszahlen im ersten Quartal dieses Jahres, die das Unternehmen am Donnerstagmorgen bekannt gab und die Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg kommentierte. Er sprach aber auch von gewachsenen Unsicherheiten für das Jahr 2022.

Sartorius AG
Branche:Pharmazulieferer (Bioprozess- und Labortechnologie)
Gründung:1870
Hauptsitz:Göttingen
Leitung:Joachim Kreuzburg (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter:10.637 (2020)
Umsatz:2,336 Mrd. Euro (2020)

Zunächst das Positive: Der Konzernumsatz kletterte um 25,4 Prozent (Jahresprognose: 15 bis 19 Prozent) auf 1,025 Milliarden Euro. Der operative Gewinn kletterte um 32,4 Prozent auf 349 Millionen Euro. Den Konzern-Nettogewinn im ersten Quartal beziffert Sartorius auf 167 Millionen Euro – das sind 37,5 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Die operative Gewinn-Marge EBITDA lag bei 34,1 Prozent (Prognose 34 Prozent).

Die Sartorius AG mit Standorten in Göttingen und Guxhagen legt im ersten Quartal 2022 zu

Pro Stamm-Aktie beträgt der bereinigte Gewinn 2,44 (Vorjahreszeitraum 1,77), pro Vorzugsaktie 2,45 Euro (1,78). Das Geschäft entwickelte sich im ersten Quartal in beiden Sparten kräftig: Die Sparte Bioprocess Solutions – sie bietet auch Technologien für die Herstellung von Biopharmazeutika und Impfstoffen an – legte beim Umsatz wechselkursbereinigt um 29,2 Prozent (Prognose 2022: 17 bis 21 Prozent) auf 815 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu.

Aus dem Zukauf von zwei Unternehmen im Januar und Februar resultieren zwei Prozent dieses Wachstums. Der Auftragseingang summierte sich auf 890 Millionen Euro, gab aber um 9,8 Prozent auf 890 Millionen Euro nach. Das war vor einem außergewöhnlich hohen Vorjahresquartalswert aber durchaus erwartet worden, wie Joachim Kreuzburg in Stellungnahmen bereits mehrfach angedeutet hatte, denn viele der Sartorius-Kunden hatten aufgrund der unsicheren Corona-Lage und der hohen Impfstoff-Nachfrage zeitlich früher und größere Mengen bestellt als üblich.

Sartorius Sparte Lab Products & Services verzeichnet Umsatzplus

Die Sparte Lab Products & Services, die Technologien für Life-Science-Forschung und Pharmalabore liefert, verzeichnete im ersten Quartal 2022 ein Umsatzplus, wechselkursbereinigt, von 12,4 Prozent (Prognose 2022: 6 bis 10 Prozent) auf 210 Millionen Euro. Ein Prozent davon kam aus Unternehmenszukäufen. Die Sparte meldete ein Auftragseingangsplus von 15,2 Prozent auf 223 Millionen Euro. Wie Kreuzburg betonte, entwickelte sich in der Lab-Sparte die Bio-Analytik besonders stark.

Guter Dinge: Sartorius-Chef Dr. Joachim Kreuzburg.
Guter Dinge: Sartorius-Chef Dr. Joachim Kreuzburg. © Sartorius

Erhöhen wird Sartorius das Jahresziel trotz über Erwarten guter erster Quartalszahlen aber nicht. Denn: Noch profitiert Sartorius von einer erhöhten Nachfrage aufgrund Corona in einer zudem sehr dynamisch wachsenden Bio-Pharma- und Life-Science-Branche. Und dann sind da noch die auch vom Krieg in der Ukraine ausgelösten Unsicherheiten: So wird Sartorius Kosten aus Inflation sowie gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten auch an die Kunden weitergeben müssen.

Corona-Pandemie, Lieferkettenprobleme, Ukraine-Konflikt: Produkte werden teurer

Sprich: Produkte werden teurer. Man wolle das aber wie stets im direkten Kontakt mit den Kunden regeln. Am Beheben von in der Pandemie samt Lockdowns zu Tage tretenden Lieferkettenproblemen habe Sartorius bereits seit 2020 verstärkt gearbeitet. Man sehe sich gut aufgestellt. Verzögerungen bei Lieferungen von Zulieferern aber gestand Kreuzburg ein. Das gelte für chemische Vorprodukte wie Kunststoffe. Seine Botschaft ist aber: „Die Produktion läuft.“

Wir sind auf Kurs.

Dr. Joachim Kreuzburg, Vorstandschef Sartorius AG

Läuft, heißt es auch bei Großbauprojekten am Stammsitz in Göttingen in Niedersachsen und im nordhessischen Guxhagen, wo Produktionskapazitäten deutlich aufgestockt werden. „Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan, wir sind auf Kurs“, sagte Kreuzburg. Auch das eine gute Nachricht in Zeiten, da selbst in Baumärkten bestimmte Produkte zeitweise knapp sind.

Gravierende Einschnitte auf den drei maßgeblichen Märkten Amerika, Europa und Asien/Pazifik erwartet der Vorstandsvorsitzende aufgrund der kritischen Weltlage derzeit nicht, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung sagte. Bei der für die Produktion wichtigen Energieversorgung will Sartorius in Göttingen zügig auf doppelte Brenner setzen, die von Gas auf Öl umgestellt werden können. (Thomas Kopietz)

Anfang des Jahres hatte Sartorius nach dem Kauf von Novasep höhere Umsatz-Erwartungen für 2022 formuliert. Ende März 2022 hatte Sartorius bei der virtuellen Hauptversammlung betont, verstärkt auf Nachhaltigkeit zu setzen.

Auch interessant

Kommentare