INTERVIEW zum Literaturherbst

Unternehmer und Autor Roßmann über die Rettung der Erde: „Nur mit Vertrauen zueinander“

Porträt von Unternehmer und Autor Dirk Roßmann
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Unternehmer mit klarem Blick: Dirk Roßmann, Gründer der Drogerie-Kette Rossmann hat sich aus der Geschäftsführung zurückgezogen und schreibt nun mit Unterstützung Romane wie „Der Zorn des Oktopus“.

Unternehmer und Autor Dirk Roßmann stellt beim Göttinger Literaturherbst seinen zweiten Roman „Der Zorn des Oktopus“ am Samstag, 30. Oktober, in Duderstadt vor.

Göttingen – Dirk Roßmann hat das Familienunternehmen von der Drogerie zur milliardenschweren Kette gemacht. Jetzt hat er sich aus der Geschäftsführung zurückgezogen und schreibt – auch mit Hilfe anderer Autoren – Romane. Wir haben mit Roßmann gesprochen – auch über Südniedersachsen und Hannover 96 gesprochen.

Herr Roßmann, warum haben Sie sich „schon“ aus der Geschäftsführung zurückgezogen - auch in einer Zeit, die große Aufgaben und Herausforderungen für viele, auch für Unternehmer bereithält?
Uns geht es wirtschaftlich wirklich gut und wir haben eine starke Gemeinschaft bei ROSSMANN. Außerdem habe ich mich ja nicht plötzlich und unerwartet aus der Geschäftsführung zurückgezogen – das war Teil eines Prozesses, einer fließenden Übergabe der Unternehmensverantwortung an meine Söhne.
Welche Rolle spielte dabei die Schriftstellerei und wie lange hegten Sie generell den Plan, Bücher und Texte fernab der geschäftlichen Korrespondenz schreiben zu wollen?
Nach dem großen Erfolg meiner Biografie, habe ich die Begeisterung fürs Schreiben entdeckt. Hinzu kam, dass sich mir im Dezember 2019 die Handlung meines ersten Romans in der Zeit frühmorgens zwischen Wachsein und Träumen regelrecht aufgedrängt hat. Ich habe den Drang verspürt, das zu Papier bringen zu müssen.
Hat sie die Kritik an „Der neunte Arm des Oktopus“ getroffen? So lästerte die Süddeutsche gar mit einem Wortungetüm, Sie hätten den „Milliardärs-Dreigroschenweltrettungsroman“ als Genre erfunden.
Aber die Süddeutsche hat auch von einem „Weckruf an die mächtigsten Politiker der Erde“ geschrieben, das habe ich als Zustimmung aufgefasst! Wichtig ist doch vor allem eins: Mein Roman hat für Aufmerksamkeit gesorgt, mein Thriller hat Menschen erreicht.
Der Roman-Erstling ist auch ein Science-Fiction mit Realbezug – und die Fortsetzung?
Ebenfalls! „Der Zorn des Oktopus“ spielt in den Jahren zwischen 2026 und 2029 die Klimakatastrophe ist da, und die Menschheit kämpft ums Überleben. Daher erweitert sich die Klima-Allianz - bisher bestehend aus den USA, China und Russland – nun von einer G3 zu einer G8, das ist der politisch entscheidende Hintergrund der Handlung. Lesen können Sie den „Zorn“ aber auch, ohne den „neunten Arm“ zu kennen.
Was glauben Sie, wie kann die Menschheit sich und den Planeten retten – wie können wir den Weltfrieden in Zeiten der zu erwartenden Migration in der Klimakrise sichern? Worauf wird es ankommen?
Globales Handeln ist in diesem Jahrzehnt dringend notwendig und das geht nur durch Vertrauen zueinander! Meine zentralen Themen sind: Abrüstung, deutliche CO2-Reduktion und das Bremsen des rasanten Weltbevölkerungswachstums.
Sie lesen in Südniedersachsen beim Literaturherbst – was verbinden Sie mit der Region, Göttingen und Duderstadt?
Mit Göttingen verbinde ich eine besondere Begegnung: Vor etwa zwei Jahren wurden Martin Kind und ich von Thomas Oppermann eingeladen, mit ihm Göttingen zu erkunden. Wir waren in der Basketball-Arena, haben uns das Uni-Gelände angeschaut und das Haus, in dem er und Stephan Weil als Studenten gewohnt haben. Thomas Oppermann und sein Göttingen waren mir an diesem Tag sehr nah – ich weine nicht häufig, aber als ich vom plötzlichen Tod Thomas Oppermanns, der jetzt ein Jahr her ist, hörte, kamen mir spontan die Tränen.
Werden Sie auch weiter mal spontan in Rossmann-Filialen vorbeischauen – dafür sind sie ja bekannt?
Bestimmt, es macht mir immer noch große Freude, einen Laden zu besuchen und mich mit unseren Mitarbeitern zu unterhalten – dieser direkte Austausch war für mich immer schon wichtig, besonders, als ich noch aktiv ins Tagesgeschäft eingebunden war.
Zu ihrem Engagement für Hannover 96 – bleibt es dabei? Und was braucht 96 in naher Zukunft?
Was der Verein braucht? Tore!
Trio in Göttingen: Der vor einem Jahr plötzlich verstorbene Thomas Oppermann lud Dirk Roßmann (rechts) im Juni 2019 ein, zeigte ihm und Martin Kind auch die Statue des großen, kleinen Christoph Lichtenberg. Ein Besuch, der Rossmann beeindruckte, wie er im Interview sagt.

ZUR PERSON

Dirk Roßmann (75), geboren in Hannover. Nach dem Hauptschulabschluss folgte eine Berufsausbildung zum Drogisten. Ab 1962 arbeitete er zunächst in der elterlichen Drogerie. 1972 gründete er die erste Selbstbedienung-Drogerie in Deutschland und gilt daher als Erfinder und „Pionier des Drogeriemarktes. Er gründete die inhabergeführten Drogeriemarktkette „Rossmann“ mit Sitz in Burgwedel bei Hannover. Diese ist aktuell die zweitgrößte Drogeriemarktkette in Deutschland mit rund 2:200 Filialen und mehr als 33:000 Mitarbeitern.

Zum 30. September 2021 hat Dirk Roßmann, der einen offenen, freundlichen Umgang zu Mitarbeitern pflegt, die Geschäftsführung an Sohn Raoul abgegeben, ist aber weiter im Beirat tätig und über eine GmbH an der Kette zu 60 Prozent beteiligt. Sein Vermögen wird auf etwa 2,7 Milliarden Euro geschätzt. Dirk Roßmann forderte die Einführung einer Reichensteuer, engagiert sich sozial, kulturell und für den Klimaschutz sowie für Hannover 96. Er ist seit 1982 in zweiter Ehe mit Alice-Schardt-Roßmann verheiratet und Vater von zwei Söhnen aus zwei Ehen.

Literaturherbst

Samstag, 30. Oktober, Ballhaus Duderstadt, 19 Uhr: Dirk Roßmann, „Der Zorn des Oktopus“, mit Moderatorin Martina Kothe (NDR) und Andrea Strube. Karten: VVK 15/12 Euro, AK 16/13 Euro. literaturherbst.com

Thomas Kopietz

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