46-Jähriger steht vor Gericht

Untreue-Anklage gegen ehemaligen Rathaus-Mitarbeiter in Göttingen

Wieder soll ein ehemaliger Rathaus-Bediensteter Geld für private Zwecke veruntreut haben – aus dem Fachbereich Soziales. Zusehen ist das Neue Rathaus mit der Straße davor.
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Anklage gegen Mitarbeiter: Wieder soll ein ehemaliger Rathaus-Bediensteter Geld für private Zwecke veruntreut haben – er arbeitete im Fachbereich Soziales.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat einen früheren Mitarbeiter des Fachbereichs Soziales wegen gewerbsmäßiger Untreue vor dem Schöffengericht angeklagt.

Göttingen - Insgesamt würden dem 45-Jährigen 28 Taten vorgeworfen, teilte Behördensprecher Andreas Buick mit. Laut Anklage soll er mehr als 70 000 Euro veruntreut haben.

Die Stadtverwaltung hatte nach Bekanntwerden des neuen Untreuefalls im Juni 2020 mitgeteilt, dass man den Mitarbeiter sofort freigestellt und den Vorfall zur Anzeige gebracht habe. Der Mitarbeiter habe die Taten gestanden, ein Schuldanerkenntnis beurkundet und einen Auflösungsvertrag unterschrieben, erklärte damals Verwaltungssprecher Dominik Kimyon.

Das neue Strafverfahren behandelt bereits den dritten Untreuefall im Fachbereich Soziales innerhalb weniger Jahre. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der 45-Jährige dort für Auszahlungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zuständig gewesen sein. Für Barauszahlungen gibt es ein Chip-System: Der zuständige Verwaltungsmitarbeiter lädt nach einer entsprechenden Freigabe im internen Computersystem eine Chipkarte mit dem Auszahlungsbeitrag auf.

Mit der Chipkarte können sich die Bezugsberechtigten dann die entsprechende Leistung an einem Geldautomaten im Foyer des Neuen Rathauses in bar auszahlen lassen.

Damit dabei alles mit rechten Dingen zugeht, ist ein Vier-Augen-Prinzip vorgeschrieben. Um eine solche Chipkarte aufladen zu können, musste der Mitarbeiter zunächst die jeweilige Auszahlung von Kollegen abzeichnen und die Karte freischalten lassen. Dabei wurde jedoch offenbar nie geprüft, ob überhaupt die Voraussetzungen für eine entsprechende Auszahlung vorlagen.

Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge soll sich der Mitarbeiter zwischen Juli 2018 und April 2020 regelmäßig mit einer aufgeladenen Chipkarte selbst an dem Geldautomaten bedient und Beträge zwischen 1389 und 4000 Euro abgehoben haben. Damit dies nicht auffiel, sei er zumeist am nächsten Tag gegen 5.30 Uhr zum Geldautomaten gegangen, wenn noch kein Betrieb im Neuen Rathaus herrschte, sagte Buick.

Erst nach fast zwei Jahren fiel Bediensteten bei einer Kontrolle der Zahlungsjournale die ungewöhnliche Uhrzeit der Auszahlungen auf. Daraufhin habe man dann die Aufnahmen der im Foyer installierten Überwachungskamera ausgewertet. (Heidi Niemann)

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