Abschiedsfeier in der Göttinger Lokhalle

GWG-Geschäftsführerin Ursula Haufe geht zielstrebig in den Ruhestand

Worte des Dankes zum Abschied: Ursula Haufe am Redner-Podest in der Lokhalle bei ihrem Abschied von der GWG.
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Worte des Dankes zum Abschied vom Berufsleben: Ursula Haufe leitete neun Jahre die GWG Göttingen und nahm in der Lokhalle ihren Abschied.

Abschied mit Verzögerung: Ursula Haufe wollte die GWG in der Pandemie nicht alleine lassen und schied statt Mitte 2020 nun im November 2021 aus.

Göttingen – Eigentlich wollte Ursula Haufe ihren Abschied als Geschäftsführerin der Gesellschaft Wirtschaftsförderung Stadtentwicklung Göttingen (GWG) eher „im kleinen Rahmen“ feiern, wie sie vor Wochen plante. Gebucht war die Alte Mensa der Universität. Am Freitag aber gab es doch noch ein echtes „Heimspiel“ für Haufe – in der Lokhalle, die von der GWG betrieben wird.

Grund war aber auch die vierte Corona-Pandemiewelle, die bereits dafür gesorgt hatte, dass Haufe ihren Ende Juli 2020 auslaufenden Vertrag mit der Stadt Göttingen in dieser schwierigen Zeit zunächst bis Januar 2021 und schließlich bis Ende November 2021 verlängert hat.

Nun also die Verabschiedung der 66-Jährigen in der Lokhalle, auf deren beeindruckende Fassade Haufe tagtäglich während ihrer gut neun Jahre währenden Tätigkeit als GWG-Chefin geblickt hat.

Es ist viel passiert unter ihrer Geschäftsführung, sie hat die GWG in wirtschaftlich sicheres Fahrwasser geleitet, aber sie hat vor allem auch gestaltet, nach vorne entwickelt und gerne gebaut. All das strichen mehrere Redner am Freitag heraus. Vorneweg die neue Oberbürgermeisterin Petra Broistedt, die Haufe per Abschiedsrede aber kein Zeugnis ausstellen und ebenso wenig in Fettnäpfchen treten wollte.

So war es kein Zeugnis der selbst ernannten „Oberbürgermeisterin in Ausbildung“ in Form von Schulnoten, aber doch eine Beurteilung großer Leistungen, was Broistedt verbal überreichte: Haufe habe klare Ziele vor Augen, wisse, wie man sie erreiche: „Sie weicht nicht zurück und ist durchsetzungsstark.“ Das führe zu Konflikten, „die sie schonungslos anspricht“, schilderte Broistedt: „Du warst manchmal auch echt unbequem.“ Nicht einfach, so sind nun mal zielstrebige Menschen, für die es keine Probleme, sondern nur Lösungen gibt.

Einige der von Broistedt genannten Attribute Haufes wiederholte auch Uwe Andag Standortleiter der Evotech AG, deren Wachstum im „Science Park“ nahe des Autobahnzubringers in Steinen und Beinen die GWG-Chefin maßgeblich gefördert und ermöglicht hat. Das habe die extrem positive Haufe mit „beispielhafter Intensität umgesetzt“, so Andag. Das Wachsen des von der GWG initiierten Science-Parks jedenfalls wird Haufe sicher auch im Unruhestand – den ihr übrigens mehrere Redner wünschten – beobachten.

Vorbeischauen wird die scheidende GWG-Chefin wohl auch hin und wieder auf den Zietenterrassen. Dort hat sich die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst – kurz HAWK – gemausert. Wie sehr die Person Ursula Haufe mit der Entwicklung der HAWK in Göttingen korrespondiert, zeigte der Vize-Präsident der Hochschule auf: Prof. Wolfgang Viöl. Bereits vor 20 Jahren sei über die n-transfer GmbH mit Haufe vieles strategisch auf den Weg gebracht worden, so die „Technologietransformation und der Innovationstransfer“ aus der Grundlagenforschung in die Anwendung, zum Produkt, wie Viöl schilderte.

Ein Forschungsbau machte so das „weltweit erste zugelassene medizinische Gerät der Plasmatechnik“ möglich. Ursula Haufe kümmerte sich um die HAWK und für diese um Lizenzverhandlungen, Bauprojekte und Kontakte. „Es war eine außerordentlich fruchtbare Zusammenarbeit“, auch über Unterbrechungen hinweg, bilanzierte Viöl, der auch fragte und antwortete: „Was wäre ohne Frau Haufe gewesen? Ich weiß es nicht. Vielleicht viel weniger.“ Zügig sei es mit Haufe bei Projekten vorangegangen.

Als Kind habe sie gelernt „die Ernte vor dem Regen einzubringen“, schilderte die Frau des Tages in ihrer Rede. In Göttingen habe es sie stets angetrieben, „aus dem hier vorhandenen Wissen, Geld und Wertschöpfung zu generieren“, wie sie in einer Rede sagte, die auch vom Dank an viele, vor allem die GWG-Mitarbeitenden für Leistung und Vertrauen geprägt war. „Die Wertschätzung heute habe ich nicht allein verdient.“

Bezogen auf ihre erwähnte Unnachgiebigkeit und Konfliktbereitschaft zeigte sich Haufe ehrlich und direkt: „Wenn ich gelegentlich hart und fordernd eingegriffen habe, war das immer der Sache geschuldet, nicht persönlich. Erschien das zu hart, dann tut es mir leid.“ In der Mitarbeiterschaft der GWG bleibt somit auch hängen, dass sich Ursula Haufe kein X für ein U vormachen ließ und gerne Steine aus dem Weg räumte, wie manche sagten.

Steine aus dem Weg räumen muss auch Dr. Marie Luisa Allemeyer mit ihrem Team der Uni-Kustodie – sie stellte das Leuchtturmprojekt „Forum Wissen“ vor. Dann leitete die Moderatorin, DT-Schauspielerin Annette Strube, über zum Nachfolger, dem künftigen Geschäftsführer der GWG, Jens Düwel (56). Und der zeigte sich angetan von den vielen anerkennenden Worten für Ursula Haufe: „Mir war klar, dass die Fußstapfen groß sind, heute sind sie noch um Meter gewachsen“, sagte er.

Zwei musikalische Wünsche frei hatte die GWG-Geschäftsführerin a.D., wie die Bezeichnung topaktuell auf die Leinwand hinter dem Rednerpult projiziert wurde. Und Ursula Haufe wählte „You took advantage of me“ von Ella Fitzgerald und schließlich, als Kind der Mond-Missionen-Ära, „Fly me to the Moon“ von Frank Sinatra. Dargeboten wurden die Stücke von Wojtech Bolimowski (Geige) und Gregor Kilian (Piano).

Die Gefeierte selbst verabschiedet sich standesgemäß für einen Menschen, der auch Beziehungen zum Ruhrgebiet hat: „Ein herzliches Glückauf!“ (Thomas Kopietz)

Geschenke: Zum Abschied gab es für die Geschäftsführerin der GWG, Ursula Haufe (links), von Oberbürgermeisterin Petra Broistedt ein Bild.
Die Ehemalige und der Neue: Wechsel in der Göttinger GWG-Geschäftsführung von der verabschiedeten Ursula Haufe zum Neuen Jens Düwel.

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