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Urteil des Landgerichts Göttingen: Fünf Jahre Haft für Betrugsserie

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Von: Heidi Niemann

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Betrug mit Fahrkarten im Fernverkehr: Nach Überzeugung des Gerichts ist durch einen 52-Jährigen ein Schaden von mehr als 9000 Euro entstanden.
Betrug mit Fahrkarten im Fernverkehr: Nach Überzeugung des Gerichts ist durch einen 52-Jährigen ein Schaden von mehr als 9000 Euro entstanden. (Symbolbild) © Frank Leonhardt/dpa

Für eine Betrugsserie gibt es für einen 52-Jährigen eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren – so das Urteil des Landgerichts Göttingen.

Göttingen – 21 Monate lang hat das Landgericht Göttingen gegen einen bereits wegen zahlloser Betrügereien vorbestraften Angeklagten verhandelt. Jetzt hat der 52-Jährige bei seinem üppigen Vorstrafenregister das zweite Dutzend „vollgemacht“: Die Kammer verurteilte den Angeklagten wegen Betruges in 64 Fällen sowie diversen Diebstählen, vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Gericht: Vielzahl von Betrügereien

Nach Überzeugung des Gerichts hat der Angeklagte über einen Zeitraum von mehreren Jahren eine Vielzahl von Betrügereien begangen. Zu den Geschädigten gehörten unter anderem die Deutsche Bahn sowie mehrere Hotels in Göttingen und Umgebung. Dort hatte er sich im Sommer 2020 als angeblicher Geschäftsmann eingemietet und sich dann aus dem Staub gemacht, ohne die Übernachtungskosten zu zahlen. Stattdessen nahm er mehrere Flachbildfernseher aus den Zimmern mit.

Schon zum Prozessbeginn im Frühjahr 2021 hatte sich abgezeichnet, dass sich das Verfahren in die Länge ziehen würde. Es kam immer wieder zu Verzögerungen, und dies setzte sich bis zum Schluss fort: Am Tag der Urteilsverkündung fehlte der Angeklagte.

52-Jährige fehlte unentschuldigt

Das Gericht stellte nach Überprüfung des von ihm übermittelten Attests indes fest, dass der 52-Jährige unentschuldigt der Verhandlung ferngeblieben sei. In diesem Fall kann ein Urteil auch in Abwesenheit des Angeklagten verkündet werden.

Die Polizei hatte den 52-Jährigen im August 2020 festgenommen, als dieser mit einem BMW 316i mit luxemburgischen Kennzeichen in Göttingen unterwegs war. In dem Fahrzeug befanden sich unter anderem mehrere Zimmerschlüssel, diverse Hotel-Handtücher, drei 500-Euro-Scheine, ein luxemburgischer Führerschein, ein angeblicher Ausweis eines israelischen Secret Service sowie auf unterschiedliche Namen ausgestellte ec-Karten. Insgesamt hat der Angeklagte nach Überzeugung des Gerichts bei seinen Einmietebetrügereien und Diebstählen einen Schaden von knapp 4000 Euro verursacht. Der Vorsitzende Richter Matthias Koller wies darauf hin, dass der 52-Jährige bereits 23 Vorstrafen aufweise und schon viel Zeit in Haft gesessen habe. Der Angeklagte sei ein „Hangtäter“ mit einem „eingeschliffenen Verhalten“.

Urteil ist noch nicht rechtskräftig

Die meisten Betrügereien gingen zu Lasten der Deutschen Bahn. Dem noch nicht rechtskräftigen Urteil zufolge soll er in 49 Fällen mit Hilfe von Kreditkarten in Fernverkehrszügen Fahrkarten im Offline-Verfahren gekauft haben. Insgesamt sei dadurch ein Schaden von mehr als 9000 Euro entstanden.

Landgericht: Auch Frauen wurden betrogen

Außerdem habe der Angeklagte mehrere Frauen um erhebliche Geldbeträge betrogen. Das Gericht entsprach mit seinem Urteil im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten dagegen eine niedrigere Freiheitsstrafe von höchstens dreieinhalb Jahren gefordert. (Heidi Niemann)

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