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Polizist auf der Flucht angefahren: Autodieb muss für dreieinhalb Jahre in Haft

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Von: Heidi Niemann

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Ein Autodieb flüchtet mit Tempo 230 vor der Polizei, fährt einen Polizisten an und verletzt ihn schwer. Nun muss der 27-Jährige für dreieinhalb Jahre in Haft.

Göttingen/Osterode – In dem seit Mitte Juli laufenden Prozess gegen vier mutmaßliche Autodiebe hat das Landgericht Göttingen jetzt das Urteil verkündet. Die mit Abstand höchste Strafe von dreieinhalb Jahren Haft erhielt ein 27-jähriger Mann aus Polen.

Dieser war im Januar mit einem gestohlenen Audi Q5, der kurz zuvor im Osteroder Ortsteil Förste entwendet worden war, bei einer Polizeikontrolle an der Autobahnanschlussstelle Seesen auf einen Beamten zugefahren. Der Polizist wurde dabei so erheblich verletzt, dass er danach drei Monate lang dienstunfähig war. Der 27-Jährige war anschließend mit bis zu 230 km/h weitergerast, bis er nach längerer Verfolgung festgenommen wurde.

Landgericht Göttingen: Autodieb muss nach Urteil für dreieinhalb Jahre in Haft

Ein Audi Q5: Ein hochwertiges Fahrzeug dieses Typs war in Förste entwendet worden. Jetzt wurden die vier Diebe verurteilt. Symbolbild: Uli Deck/dpa
Ein Audi Q5: Ein hochwertiges Fahrzeug dieses Typs war in Förste entwendet worden. Jetzt wurden die vier Diebe verurteilt. (Symbolbild) © Uli Deck

Nach Ansicht der Kammer hat sich der vorbestrafte 27-Jährige, der schon mehr als vier Jahre in Polen in Haft gesessen hat, des gemeinschaftlichen Diebstahls in Tateinheit mit weiteren Delikten schuldig gemacht.

Der Vorsitzende Richter Matthias Koller zählte eine ganze Liste von Straftatbeständen auf: Vorsätzlicher gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Fahren ohne Fahrerlaubnis, gefährliche Körperverletzung, tätlicher Angriff und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, unerlaubtes Kraftfahrzeugrennen, Sachbeschädigung, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort.

Ursprünglich war der 27-Jährige auch wegen versuchten Mordes angeklagt gewesen. Nach Ansicht des Gerichts hat der Angeklagte jedoch nicht mit Tötungsvorsatz gehandelt, als er auf den Polizisten zufuhr. Deshalb wurde dieser Vorwurf fallengelassen.

Drei weitere Angeklagte wegen gemeinschaftlichen Diebstahls verurteilt

Die anderen drei Angeklagten wurden wegen gemeinschaftlichen Diebstahls verurteilt. Ein ebenfalls bereits einschlägig vorbestrafter 22-jähriger Mann aus Polen erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Ein 35-jähriger ukrainischer Staatsangehöriger erhielt eine 14-monatige Freiheitsstrafe, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Beim vierten Angeklagten, einem 21-Jährigen aus Polen, setzte das Gericht die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe zur Bewährung aus. Der ursprüngliche Tatvorwurf des Bandendiebstahls hat sich nach Ansicht des Gerichts nicht bestätigt.

Die Angeklagten seien für die Tat mit Arbeitshandys und verschiedenen Geräten ausgestattet worden, mit denen sich Autos „knacken“ lassen, die mit einem Keyless-Go-Schließsystem ausgestattet sind. Solche Autoschlüssel verfügen über einen Transponder, der permanent ein Funksignal aussendet.

Sobald das Signal eine bestimmte Stärke hat, nimmt der Empfänger an, dass sich der Autoschlüssel in der Nähe befindet. Fasst man nun an den Türgriff, schließt sich der Wagen automatisch auf, und man kann den Motor starten. Professionelle Autodiebe machen sich eine Schwachstelle dieses Systems zunutze.

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