Verwaltungsgericht Göttingen

Kein Anspruch auf Magisterprüfung: Göttinger Langzeitstudentin scheitert vor Gericht

Sieg vor dem Verwaltungsgericht: Die Georg-August-Universität Göttingen durfte die Magisterstudiengänge schließen. Geklagt hatte eine Studentin, die nach 32 Semestern auf eine weitere Verlängerung pochte.
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Sieg vor dem Verwaltungsgericht: Die Georg-August-Universität Göttingen durfte die Magisterstudiengänge schließen. Geklagt hatte eine Studentin, die nach 32 Semestern auf eine weitere Verlängerung pochte.

Göttingen. Langzeitstudenten haben laut dem Verwaltungsgericht keinen Anspruch darauf, mehr als neun Jahre nach Schließung der Magisterstudiengänge noch ihre Prüfung abzulegen.

Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden und die Klage einer Studentin der Universität Göttingen abgewiesen, die Ende März 2016 die Zulassung zur Magisterprüfung beantragt hatte.

Die Hochschule hatte dies abgelehnt, weil am Tag der Antragstellung die Frist endete, bis zu der alle Prüfungen abgeschlossen sein mussten. Die Studentin, die sich im 32. Fachsemester des Hauptfachs Mittlere und Neuere Geschichte befand, wollte eine weitere Verlängerung einklagen. 

Nach Ansicht des Gerichts ist die Universität jedoch nicht dazu verpflichtet, in einem auslaufenden Studiengang so lange Prüfungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, bis auch der letzte Student die Abschlussprüfung ablegen konnte.

Uni Göttingen hat frühzeitig informiert

Die Uni Göttingen hatte im Zuge der Umstellung des Studiensystems auf Bachelor- und Masterabschlüsse die Magisterstudiengänge der Philosophischen Fakultät zum Wintersemester 2006/2007 geschlossen. Nach der neuen Prüfungsordnung sollten Studenten ihre Magisterprüfung bis zum Sommersemester 2011 ablegen können. In Härtefällen sei eine Verlängerung um ein weiteres Jahr möglich. Die Fristen wurden danach noch mehrfach verlängert. 

Im November 2015 informierte die Uni die Studentin darüber, dass sie bis zum 31. März 2016 alle Prüfungen einschließlich der Magisterarbeit und Wiederholungsprüfungen abgelegt haben müsse. Eine weitere Verlängerung sei nicht möglich. Exakt am Stichtag beantragte die Studentin per E-Mail die Zulassung zur Magisterprüfung. Sie begründete das damit, dass ihr aufgrund einer chronisch depressiven Stimmung ein ordnungsgemäßes Studium nicht möglich gewesen sei.

Keine Bedenken gegen Stichtagsregelung

Sie habe nebenher arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Außerdem sei sie Opfer einer Straftat geworden, der Tod der Mutter habe zu einer weiteren Belastung geführt. Die Universität habe die Pflicht, Studierenden die Beendigung des Studiums zu ermöglichen.

Das Gericht hatte weder gegen die Schließung des Studienganges, noch gegen die Stichtagsregelung rechtliche Bedenken. Mit der Entscheidung, die bisherigen Studiengänge mittel- bis langfristig auslaufen zu lassen, sollten die Ressourcen der Hochschulen geschont und die mit öffentlichen Mitteln geschaffenen Ausbildungskapazitäten effizient und zugunsten der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge verwendet werden.

Studentin hatte genug Zeit für Abschluss

Die Klägerin habe nach dem Schließungsbeschluss 19 Semester Zeit gehabt, ihr Studium abzuschließen.

Die Studentin hatte argumentiert, dass sie die Kapazitäten der Universität nur geringfügig in Anspruch nehme, weil sie bereits alle Voraussetzungen für die Prüfungszulassung erfüllt habe. Das Gericht verwies darauf, dass auch das Ablegen der Prüfung selbst Kapazitäten beanspruche, welche die Universität nicht für einen unüberschaubaren Zeitraum vorhalten könne. Eine Berufung ließ das Gericht nicht zu.

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