Göttinger Forscher entdecken Urzeit-Eis auf Zwergplaneten Ceres

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Fantastisches Foto aus dem Asteroidengürtel: Der Zwerg-Planet Ceres von der NASA-Weltraumsonde Dawn aus gesehen. Das Kamerasystem an Bord wird von Göttinger Forschern betreut. Zu sehen sind Salzablagerungen und verdampfendes Eis am Kraterrand.

Göttingen. Die NASA-Raumsonde Dawn sucht in den Weiten unseres Sonnensystems, wo es uraltes Eis auf Planeten und Asteroiden gibt. Dank des von Göttinger Forschern betreuten Kamerasystems sind durch Aufnahmen des Zwergplaneten Ceres bahnbrechende Ergebnisse bekannt geworden.

Gefrorenes Wasser, also Eis, konnte seit der Geburtsstunde unseres Sonnensystems vor etwa 4,5 Milliarden Jahren nicht nur – wie bisher angenommen – in entlegenen Regionen überdauern, sondern auch im vergleichsweise nahen Asteroidengürtel.

Das beweisen die Fotos der Sonde Dawn vom Zwergplaneten Ceres – sie sind spektakulär: Auf der Oberfläche sind weiße Flecken zu sehen. Deren Rätsel ist gelöst – dank der Mitarbeit der Forscher vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen, die das Kamerasystem an Bord von Dawn betreuen. Die Sonde sucht im Asteroidengürtel zwischen den Umlaufbahnen der Planeten Mars und Jupiter, wo unzählige große und kleine Brocken umherfliegen. Ceres ist der größte „Bewohner“ des Asteroidengürtels und hat einen Durchmesser von etwa 950 Kilometern. Er ist übersäht mit hellen Flecken. Die Forscher fragten sich nach den ersten Fotos: Ist es Eis? Sind es doch nur Salze?

Die nie zuvor gesehenen und Mittwoch erstmalig in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichten Aufnahmen zeigen, dass über dem Occator-Krater auf Ceres bei Sonneneinstrahlung ein dünner Nebel liegt. Der Nebel deutet darauf hin, dass sich nahe der Oberfläche gefrorenes Wasser befindet, das durch Öffnungen aufsteigt.

„Wir sehen aktuell wahrscheinlich Überreste eines Verdunstungsprozesses, der an verschiedenen Stellen unterschiedlich weit fortgeschritten ist“, erklärt Andreas Nathues vom MPS in Göttingen, der wissenschaftliche Leiter des Kamera-Teams und Erstautor der Studie.

Anhand der Reflektion der hellen Flecken sind Rückschlüsse auf die Stoffe auf Ceres möglich. Aufnahmen mit Farbfiltern deuten darauf hin, dass dort auch hydrierte Magnesiumsulfate zu finden sind, erklärt Zweitautor Martin Hoffmann. Solche Mineralsalze kommen auch auf der Erde vor, oft am Rande von Salzsseen.

Am Occator-Krater ist der zentrale Fleck im innersten Teil deutlich heller als andere. Für die Forscher ein Beweis – neben dem Nebelschleier – dass dort Wasser langsam ausdünstet und verdampft.

Hinweise auf gefrorenes Wasser auf Ceres gab es schon seit Jahren. Forscher entdeckten Anfang 2014 mit dem Weltraumteleskop Herschel Wasserdampf. Dawn erlaubt nun genauere Blicke auf Ceres und den Untergrund: Dort scheint sich eine Mischung aus Eis und Salzen zu lagern, sagen die MPS-Forscher. Eine Sensation.

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