Einbruchserie

Vater und Sohn auf Beutezügen: Haftstrafen für zwei Göttinger

Göttingen/Paderborn. Mit einer ganzen Serie von Wohnungseinbrüchen haben sich Vater und Sohn aus Göttingen ganz gewaltig in die Bredouille gebracht. Sie wurden vom Landgericht Paderborn zu Haftstrafen von 25 beziehungseise 45 Monaten verurteilt.

Dass sie nicht noch länger hinter Gitter müssen, haben sie ihren umfassenden Geständnissen und der Identifizierung eines Mittäters zu verdanken.

Wie berichtet, war in Paderborn vor vier Wochen der Prozess gegen die beiden 49 und 33 Jahre alten Göttinger – Vater und Sohn – eröffnet worden. Insgesamt zehn Einbrüche im November und Dezember 2016 sowie im Januar 2017 wurden den beiden Roma zu Last gelegt - vornehmlich im Raum Paderborn und in Nordhessen. Das Muster war stets das gleiche wie in Lichtenau im Paderborner Land, wo sie am 29. November in das Haus einer 61-jährigen Lehrerin eingedrungen waren. Dort hatten die Täter den Abdruck einer Schuhsohle hinterlassen, der die Paderborner Kripo auf etlichen Umwegen zu den beiden Männern führte. Sie wurden im April festgenommen und saßen seither in Untersuchungshaft. Ein Teil der ursprünglich ermittelten 23 Taten fand keinen Eingang in die Anklageschrift.

Zahlreiche Vorstrafen

Die Kammer wertete die Aufklärungshilfe der Angeklagten gemäß ihres bei einer Verständigung mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung erzielten Angebots strafmildernd. Der 33-Jährige muss wegen gemeinschaftlichen schweren Einbruchdiebstahls für drei Jahre und neun Monate hinter Gitter, wobei auch seine zahlreichen Vorstrafen eine Rolle spielen: Beim Amtsgericht Göttingen war der Familienvater mit vier Kindern seit seiner Jugend ein und aus gegangen und hatte allein dort neun Verurteilungen kassiert, die Masse wegen Eigentumsdelikten.

Pflege der Tochter

Sein Vater kommt mit einer Haftstrafe von 25 Monaten davon: Er hatte zumeist als Fahrer der Bande agiert. Den Haftbefehl gegen ihn hob das Gericht auf: Der 49-Jährige hatte in seinem letzten Wort deutlich gemacht, dass er seine nach einem Unfall schwerst behinderte Tochter seit 14 Jahren pflege und diese Aufgabe für seine Ehefrau alleine kaum zu bewältigen sei. Überhaupt habe er sich auf die Einbrüche nur eingelassen, um Geld für die Behandlung der jungen Frau durch einen österreichischen Hirnspezialisten zusammenzubekommen.

Von Ulrich Pfaff

Umfassendes Geständnis: Angeklagte packten vor Gericht aus

Beide Angeklagte nutzten die Chance, die ihnen die Strafkammer des Landgerichts Paderborn bot: Strafnachlass bei Geständnis und Hinweisen zu den noch nicht identifizierten Mittätern.

Diese lieferten sie nach dem zweiten Verhandlungstag bei weiteren Vernehmungen durch die Paderborner Ermittler – die so einen ominösen Dritten im Bunde identifizieren konnten. Dieser Mann, ebenfalls zur Volksgruppe der Roma gehörend, soll nach Angaben der beiden Einbrecher eigentlich der Initiator der Taten und Kopf der Bande gewesen sein.

„Wäre der nicht in meinem Leben aufgetaucht“, sagte der 33-Jährige reumütig, „wäre das alles nicht passiert.“ Allerdings ist es der Polizei bisher nicht gelungen, den dritten Mann zu fassen - er könnte ins Ausland geflohen sein.

Dass der 33-Jährige „ausgepackt“ habe, werde ihm positiv zwar vom Gericht, aber nicht von seinem Umfeld angerechnet werden, betonte sein Verteidiger: „Er wird in der Gruppe der Roma in Zukunft als Zinker dastehen.“ (bf)

Rubriklistenbild: © dpa

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