Zweifel an hygienischen Voraussetzungen

Verbände üben scharfe Kritik an der Schul-Wiedereröffnung

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In den Abschlussklassen in Niedersachsen soll der Unterricht wieder am 27. April beginnen.

Göttingen/Hannover – Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) legte jetzt in der Corona-Krise Pläne vor, wie der Unterricht in den Schulen wieder hochgefahren werden soll. Dazu gibt es zahlreiche kritische Reaktionen.

Ein zentraler Punkt ist der verbindliche Start des „Lernens zu Hause“ am 22. April für alle Schüler. Der Landesschülerrat macht dazu deutlich, dass dafür dringend flächendeckend die technischen Voraussetzungen geschaffen werden müssen. „Eine Benotung des digitalen Lernens sieht der Landesschülerrat aber weiterhin kritisch. Die Erfahrungen zeigen, dass gerade das Vermitteln neuer Konzepte und Methoden digital wesentlich schlechter funktioniert als im normalen Schulalltag im direkten Gegenüber“, heißt es von der Vertretung der Niedersächsischen Schüler. Aus Sicht des Landesschülerrates kann digitaler den echten Unterricht nicht ersetzen, sondern höchstens die Folgen des Ausfalls mildern.

Dem Landesverband Niedersachsen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erscheint es problematisch, dass innerhalb der kurzen Zeit die hygienischen Voraussetzungen werden können. „Auch die räumlichen und personellen Kapazitäten dürften in vielen Schulen schnell erschöpft sein, wenn neben den halben Klassen die Zahl der Notbetreuungsgruppen steigt. Hier rächen sich insgesamt die mangelnden Investitionen der Vergangenheit“, sagt die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth. Die GEW fordert weiterhin, den Gesundheitsschutz angesichts der Corona-Epidemie über Prüfungen und Noten zu stellen.

Der Philologenverband Niedersachsen macht deutlich: „So sehr ein schrittweiser Ausstieg aus den Schutzmaßnahmen zu begrüßen ist, so gerne wir alle die vielen ungeklärten Fragen beantwortet hätten und zur Normalität zurückkehren möchten, so gefährlich erscheint dennoch eine vorschnelle Lockerung.“

Kritik kommt auch vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL): „Die zum Schutz von allen in der wiedereröffneten Schule notwendigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen lassen sich beim besten Willen in dieser kurzen Zeit kaum verwirklichen“, heißt es mit Blick auf den geplanten Unterrichtstart am 27. April in den Abschlussklassen.

Der VNL berichtet von Schulen, die „in den Klassenzimmern gar keine Waschbecken mehr“ haben. „Von warmen Wasser selbst auf Toiletten können die meisten Schulen nur träumen. Der sanitäre Zustand lässt ebenfalls oftmals zu wünschen übrig, so schnell kann kein Schulträger in Niedersachsen die sanitären Anlagen sanieren oder ergänzen.“

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