Fall Redtube

Verbraucherschützer warnen vor Trittbrettfahrern bei Porno-Abmahnungen

Abmahnungen wegen Porno-Filmen im Internet: Die Verbraucherzentrale Göttingen hat wegen des aktuellen Redtube-Falls alle Hände voll zu tun. Foto: dpa

Göttingen. Während noch immer heiß diskutiert wird über die Abmahnungen der Rechtsanwälte Urmann + Collegen zum direkten Anschauen – Streaming – von Porno-Filmen – im Internet über Redtube, tauchen Trittbrettfahrer auf.

Sie verschicken unter dem Namen und Logo der genannten Anwälte Spam-Mails, mit denen sie abkassieren wollen, wie die Verbraucherzentrale Göttingen warnt. Zur Beratung kamen auch viele Betroffene der Abmahnungen.

In den E-Mails der Trittbrettfahrer wird den Empfängern eine klare Beschreibung des angeblichen Porno-Streaming-Vergehens geschildert. Dann folgt die Kostenaufstellung und Forderung. Die genaueren Infos seien einer angehängten Zip-Datei zu entnehmen, ebenso Kontakt und Konto-Daten.

Diese Zip-Dateien sollten aber auf keinen Fall geöffnet werden, rät die Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Göttingen, Kathrin Körber. Sie enthalten in aller Regel

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Computer-Schadprogramme. Ebenso sollten die Forderungen nicht bezahlt werden. Körber: „Offizielle Abmahnungen werden nur postalisch zugeschickt, nicht per E-Mail.“ Auffällig bei den E-Mail-Fälschungen ist, dass die Daten und Uhrzeiten der in der Mail genannten, angeblichen Vergehen teilweise in der Zukunft liegen. Auch die Mail-Absender-Adressen sind keine offiziellen E-Mail-Adressen.

Bezüglich der „echten“ Abmahnungen, die von Urmann + Collegen verschickt werden, hatte sich die Verbraucherzentrale klar positioniert und Betroffenen empfohlen, die beigefügte Unterlassungserklärung nicht zu unterschreiben und sich unbedingt beraten lassen. Betroffene sollten versuchen, eine Fristverlängerung zu erwirken, da die Zeiträume für ein Reagieren sehr kurz bemessen sind. Außerdem sollten Streaming-Nutzer den geforderten Betrag laut Verbraucherzentrale nicht zahlen (wir berichteten).

Sie müssten dann auch nicht fürchten, dass Mitarbeiter von Inkasso-Unternehmen vor der Tür stehen, um das Geld einzutreiben: „Das denken manche der betroffenen Verbraucher.“

In der Göttinger Beratungsstelle haben sich seit dem Verschicken „Massen von Menschen, die von Abmahnungen betroffen waren, gemeldet“, wie Körber sagt. Dabei sei alles vertreten, von Jung bis Alt mit unterschiedlichen Berufen, Menschen, die sich Pornofilme im Internet anschauen und solche, die gar nicht wissen, was Streaming ist. Darunter seien alte Frauen, die nie einen solchen Film angesehen hätten, so Körber. „Offensichtlich sind Internet-Nutzer über Umwege auf die Seiten umgeleitet worden, haben sich nicht selbst per Klick dorthin bewegt“, vermutet die Expertin. Wie das geschieht, könne sie aber auch nicht sagen.

Vorwürfe

Den Betroffenen wird vorgeworfen auf der Website von Redtube Pornofilme, wie „Glamour Snow Girls“ und „Amanda’s secrets“ gestreamt, also sofort online angeschaut zu haben. Sie sollten dafür 250 Euro zahlen und eine Unterlassungserklärung abgeben. (tko)

Von Thomas Kopietz

www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de

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