Verkehr teilweise lahmgelegt

Verdi-Streik in Südniedersachsen: 900 demonstrierten in Göttingen

Niesen

Göttingen. Etwa 900 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Südniedersachsen sind dem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Mittwoch gefolgt und haben einen Tag vor der dritten Tarifrunde in Potsdam für eine angemessene Erhöhung ihrer Entlohnung demonstriert.

Die Streikenden, die bei ihrem Zug durch Göttingen zeitweise den Verkehr lahm legten, kamen unter anderem aus Stadtverwaltungen und Bauhöfen sowie den kommunalen Ver- und Entsorgern aus Göttingen, Northeim, Einbeck, Hann. Münden und Osterode, aber auch Mitarbeiter von Kindertagesstätten und Sparkassen legten die Arbeit für einen Tag nieder.

„In den ersten beiden Verhandlungsrunden haben die Arbeitgeber zwar drei Prozent für zwei Jahre angeboten, durch den späteren Beginn der Erhöhungen bedeutet dies jedoch nur eine reale Erhöhung von lediglich 0,6 Prozent für 2016 und 1,2 Prozent für 2017. Das ist definitiv zu wenig“, sagte Lothar Richter als Sprecher des Verdi-Bezirks Süd-Ost-Niedersachsen auf der Kundgebung auf dem Göttinger Bahnhofsvorplatz.

Als Speerspitze des Streiks bezeichnete Richter die Göttinger Verkehrsbetriebe. „Heute ist nicht ein Bus in Göttingen gefahren.“

Niesen

Vertrauensmann Karl-Heinz Bode sagte, vor den Verkehrsbetrieben habe es seit 3.30 Uhr morgens eine Streikwache gegeben. Der Ausstand solle bis zum Ende der letzten Schicht nach Mitternacht andauern. Etwa 85 Prozent der Belegschaft hätten sich am Warnstreik beteiligt. Der Betriebsratsvorsitzende der Verkehrsbetriebe, Carsten Syring, beklagte, dass die Arbeitsbelastung der Busfahrer so hoch sei, dass sie im Schnitt nach 21 Jahren am Steuer nicht mehr in der Lage seien, ihren Beruf auszuüben. Er bedauerte, dass die Fahrgäste bei dem Warnstreik die Leidtragenden seien. „Bei einem vernünftigen Angebot der Arbeitgeber, wäre der Streik nicht nötig.“

Christa Bauer-Schmidt von der Gemeindeverwaltung Rosdorf kritisierte, dass immer weniger Personal immer mehr Aufgaben „wuppen müssten“. Außerdem übte sie scharfe Kritik an den vielen befristeten Arbeitsverträgen und der fehlenden Übernahme von Auszubildenden im öffentlichen Dienst. „Der Fachkräftemangel ist hausgemacht.“

Düster sieht die Personallage aus Sicht von Verdi bei den Stadtwerken Göttingen aus. Gewerkschafter Thomas Meise unterstrich, dass die Stadtwerke keine Bewerbungen mehr erhielten, „weil das Geld nicht stimmt“. Die Personalratsvorsitzende der Stadtverwaltung Göttingen, Sabine Banaschak, unterstrich mit dem Verdi-Chor die Forderung nach einer angemessenen Erhöhung der Bezüge in Form eines Liedes.

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