Marode Stadthalle

Verein Kunst: Kulturschaffende müssen Verzögern von Stadt und Politik ausbaden

Marode und seit Jahren im Schwebezustand: Die Stadthalle am Albani-Platz muss saniert – Kosten etwa 20 Millionen Euro – oder neugebaut werden. Verwaltung und Politik tun sich seit Jahren mit einer Entscheidung schwer. Jetzt drängt die Zeit, denn die Betriebserlaubnis läuft aus Brandschutz- und Sicherheitsgründen nur bis 2018. Foto: Kopietz

Göttingen. Quo Vadis „Kachelofen“? Abriss und Neubau oder Grundsanierung? Das ist die Frage im Fall Stadthalle. Eine Entscheidung darüber könnte im Rat am 12. Mai fallen.

Zuvor machen besorgte, ja mittlerweile entsetzte Kulturschaffende in Göttingen noch einmal ihrem Ärger Luft und Druck auf die Entscheider: Der Verein „Kunst“ (Kultur unterstützt Stadt Göttingen) fordert „endlich Entscheidungen zur Stadthallensanierung“ sowie eine Prüfung von Alternativlösungen. Die Sanierung sei von Verwaltung und Politik in Göttingen immer wieder vertagt, und verzögert worden. „Die Folgeprobleme wurden verdrängt“, schreibt der Vorstand von „Kunst“. Auch seien Alternativlösungen wie ein Neubau an gleicher Stelle nie zu Ende gedacht worden. Ergebnis: Die Kultureinrichtungen und Hallennutzer stehen vor einem unlösbaren Dilemma, da die Stadthalle wegen Brandschutz- und Sicherheitsbestimmungen 2018 stillgelegt werden müsse.

All das hätten Verwaltung und Politik gewusst. „Ausbaden müssen dies nun das Göttinger Symphonie Orchester (GSO), aber auch die GWG.

Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen fürchten schon jetzt um den Ablauf ihres großen Jubiläums: 2020 feiert man das 100-jährige Bestehen und das Programm ist schon in Vorbereitung. Was aber, wenn die Stadthalle nicht zur Verfügung steht? Geschäftsführer Tobias Wolff hofft deshalb auf eine schnelle Entscheidung und darauf, dass die Bauarbeiten bald beginnen können. Bei dem Gedanken an die Unwägbarkeit einer Altbau-Sanierung und dem Blick auf das Händel-Festspiele-Jubiläum aber bekommt Wolff grundsätzlich "ein ungutes Gefühl", wie er kürzlich in einem HNA-Gespräch sagte.

Der Verein Kunst wird nun einen Dringlichkeitsantrag zum Thema Stadthallen-Zukunft in der Ausschusssitzung am Donnerstag einbringen.

Teile der Göttinger SPD fordern nun eine Komplettbetrachtung des Falles Stadthalle, also auch des Umfeldes: „Die anstehende Gebäude-Sanierung muss durch eine Neugestaltung des Umfeldes ergänzt werden“, sagt Lars Gargulla, stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Göttingen-Ost.

Schon beim Bau hätten Korrekturen der Planungen zu fortdauernden Mängeln geführt, wie dem Parkplatzproblem. „Jetzt besteht eine einmalige Chance, diese Mängel zu beheben“, sagt Gargulla. Er fordert einen „begrenzten Wettbewerb“ zur Ideensuche. „Die Neugestaltung des östlichen Zugangs zur Kernstadt und die vorhandene Substanz lohnt diesen Aufwand.“

Während also die Verantwortlichen weiter nach einer Entscheidung suchen und diskutieren, öffnet die Stadt jetzt die Halle für Interessierte, damit diese hinter die Kulissen und auf die Unzulänglichkeiten schauen dürfen: Am Sonntag, 7. Mai, besteht auf Einladung von Stadtverwaltung und städtischem Betreiber, der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung (GWG), von 11 bis 14 Uhr die Möglichkeit, die Stadthalle zu begutachten. Neben einem Info-Tisch, an dem die Fachverwaltung der Stadt Göttingen Auskunft gibt und Fragen beantwortet, starten alle halbe Stunde Führungen hinter die Kulissen für bis zu zehn Personen. Dafür ist eine Anmeldung nötig: E-Mail an stadt@goettingen.de oder telefonisch unter 0551/400-2321 notwendig. Für die Veranstaltung wird eine Kinderbetreuung organisiert. (tko)

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