Verein Kunst: Mindestlohn und Sparpaket sind Gefahr für die Kulturszene

Junges Theater in Göttingen (JT): Das Haus in der Hospitalstraße benötigt auch Zuschüsse. Foto: Kopietz

Göttingen. Der Verein sieht große finanzielle Probleme auf die Göttinger Kultureinrichtungen zukommen. Grund sind effektiv geringere Zuschüsse von Seiten der Stadt und höhere Kosten durch den Mindestlohn.

Die Zuschüsse, die die Stadt an die Kultureinrichtungen gibt, werden aufgrund der Auflagen des Entschuldungshilfeprogramm (EHP) nicht mehr steigen. Das hat Folgen: „Durch den Wegfall der jährlichen, ohnehin moderaten Steigerungsraten, ist die Finanzlage der Einrichtungen angespannt“, sagt Wilfried Arnold, Vorstandsmitglied im Verein Kunst. Steigende Personal- und Sachkosten könnten so kaum aufgefangen werden.

Zweites Problem: Wenn ab dem 1. Januar 2015 der gesetzliche Mindestlohn für Praktikanten und Honorarkräfte gezahlt werden muss, steigen die Kosten weiter. Arnold wertet den Mindestlohn grundsätzlich als begrüßenswert, die Folgen aber seien drastisch: „Wenn jetzt der Mindestlohn kommt, dann stehen viele Einrichtungen vor sehr großen Problemen.“

„Es ist bitter, dass bisher zum Teil Löhne unterhalb des Mindestlohns gezahlt werden mussten“, meint Arnold, Das drücke die Realität und die bisher schon sehr schlechte Finanzlage der Göttinger Kultur aus.

Die Kulturschaffenden seien in einer Zwangslage: Einerseits wolle selbst, dass in der Kultur Löhne gezahlt würden, die auskömmliche Lebensumstände erlauben und nicht zur Altersarmut führen würden, andererseits lasse die dramatische Finanzlage dies kaum zu, so Arnold.

Der Verein Kunst fordert daher Politik und Verwaltung auf, die Spielräume zu nutzen, die das EHP bietet. „Wenn absehbar ist, dass im Bereich der Begrenzung der freiwilligen Leistungen verfügbare Mittel vorhanden sind, dann muss dies genutzt werden.“

Angesichts eines städtischen Haushalt von 416 Millionen Euro im Jahr ginge es um Summen von etwa 50 000 Euro für die Kultur und Einrichtungen in den Bereichen Soziales und Sport, die von derselben Problematik betroffen sind.

Am Ende müsse es auch darum gehen, dass die Kultur in die Lage versetzt werden muss, den Mindestlohn und auskömmliche Löhne zu zahlen ohne die Kulturangebote einzuschränken, fordert der Verein Kunst. (tko)

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