Verein zwischen ausländischen Studenten und deutschen Familien

Stammtisch: Einmal im Monat treffen sich Gastfreunde und Studierende am Stammtisch zum lockeren Gedankenaustausch. Manchmal kochen Studierende ein Essen aus ihrer Heimat oder berichten über das Leben dort. Foto: Schmidt-Hagemeyer

Göttingen. An den Hochschulen ist internationaler Austausch rund um den Globus längst Normalität. 3350 Studierende aus aller Welt sind aktuell an der Uni Göttingen eingeschrieben.

Viele möchten nicht nur studieren, sondern auch die deutsche Kultur kennenlernen. Doch das ist nicht so einfach. Oft bleibt die Deutschlanderfahrung auf Hörsaal, Mensa und Studentenwohnheim beschränkt. Dies zu ändern, ist Ziel des Vereins „Göttinger Gastfreunde“. In zweieinhalb Jahren habe man rund 400 Studierende an Gastfreunde aus Göttingen und Umgebung vermittelt, berichtet Vereinsvorsitzende Daniela Ramb. Trotzdem gibt es eine Warteliste und so sucht der Verein ständig nach Verstärkung durch Göttinger und Einwohner der Region.

Die meisten Studierenden, die Kontakt suchen, kommen aus fernen Ländern, eher selten aus Europa. Neben vielen Asiaten aus China, Thailand, Japan oder Nepal nutzen zum Beispiel Iraner, Russen und Ukrainer die Gelegenheit Deutsche kennenzulernen.

Einmal im Monat treffen sich einige Gastfreunde und Studenten zum Stammtisch. Beim jüngsten Treffen waren auch bereits ausgebildete Ärzte dabei. „Ich lerne Deutsch, um als Ärztin arbeiten zu können“, erzählt eine junge Ukrainerin. „Wichtig ist mir, die Mentalität der Deutschen zu verstehen“, erklärt sie. Eine junge Sozialwissenschaftlerin beschreibt, wie schwer es ist, junge Deutsche im normalen Alltag kennenzulernen.

Auf Seiten der Gastfreunde kennt man das Gefühl. Eine Frau, die selbst früher im Ausland war, erinnert sich, dass man sich in einem anderen Land zwischendurch einsam fühlt. „Da ist es schön, einen Ansprechpartner zu haben.“ Bereits viel Erfahrung mit internationalen Studenten hat eine Familie aus dem Eichsfeld, die zum Beispiel schon Zeit mit Koreanern und Brasilianern verbrachte. „Ganz wunderbar“, lautet das Urteil, auch wenn die Studenten oft wenig Zeit hätten.

Einig sind sich alle, dass gemeinsames Essen beim Kennenlernen hilft. „Zu Linsen mit Spätzle kamen nicht zwei, sondern zehn Studenten“, erzählt eine Gastfreundin. Für eine Koreanerin war der für sie gebackene Geburtstagskuchen etwas ganz Besonderes.

Wie eng die Kontakte werden und wie häufig man etwas unternimmt, bestimmen die Beteiligten jeweils für sich. Dazu kommen Angebote des Vereins, wie gemeinsame Theaterbesuche, Ostereiersuche oder Pizzabacken.

Für einen Stammtisch-Abend planen zwei Iranerinnen gerade einen Bericht über ihr Heimatland. „Sie wollen auch persisch kochen. Das wird bestimmt spannend“, sagt Vorsitzende Ramb. Gastfreund oder Gastfamilie zu sein bedeutet eben nicht nur Studenten aus aller Welt Deutschland nahe zu bringen. Man bekommt auch selbst Einblick in andere Kulturen und zwar ohne reisen zu müssen. (zsh/nh)

www.goettinger-gastfreunde.de

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