Prozess vor Landgericht

Verhängnisvolle Alkoholfahrt erneut vor Gericht: Staatsanwaltschaft nahm Berufung zurück

Ortsschild am Ortsausgang von Kerstlingerode in Richtung Bischhausen
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Der Unfallort: Er ist ganz dicht hinter dem Ortsausgang von Kerstlingerode in Richtung Bischhausen zu finden.

Weil er in betrunkenem Zustand ein Baby totgefahren hat, erhielt ein 27-Jähriger eine Bewährungsstrafe. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, nahm diese jedoch wieder zurück.

Göttingen/Kerstlingerode – Wegen einer verhängnisvollen Alkoholfahrt hat sich am Montag, 17. Mai, ein 27 Jahre alter Autofahrer zum zweiten Mal vor Gericht verantworten müssen.

Der 27-Jährige hatte im Juli 2019 in betrunkenem Zustand ein sechs Wochen altes Baby und einen Hund totgefahren. Ein Jahr später hatte das Amtsgericht Göttingen den Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung und Straßenverkehrsgefährdung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Gegen dieses Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, so dass der Fall nun in zweiter Instanz vor dem Landgericht verhandelt wurde. Ergebnis: Die Staatsanwaltschaft nahm ihre Berufung zurück, damit bleibt es bei dem erstinstanzlichen Urteil.

Prozess um Alkoholfahrt: 1,2 Promille

Der verhängnisvolle Unfall ereignete sich vor knapp zwei Jahren auf der Landesstraße zwischen Kerstlingerode und Bischhausen. Der Angeklagte hatte sich an jenem Abend, obwohl er bereits zwölf Flaschen Bier getrunken hatte, ans Steuer eines Pkw gesetzt, um ins Nachbardorf zu fahren.

Ein späterer Alkoholtest ergab einen Wert von mehr als 1,2 Promille. Das Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass er nicht nur betrunken, sondern auch abgelenkt gewesen war, weil er statt auf die Straße auf sein Smartphone schaute.

Der Pkw kollidierte frontal mit dem Kinderwagen. Das sechs Wochen alte Baby erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und verstarb am folgenden Tag im Göttinger Uni-Klinikum.

Prozess um Alkoholfahrt: Eltern noch immer traumatisiert

Die 37-jährige Mutter des bei dem Unfall getöteten Babys schilderte, wie sehr sie und ihr Mann immer noch traumatisiert sind. Auch wenn inzwischen eine weitere Tochter geboren wurde, litten sie massiv unter dem Verlust des Kindes.

Beide Eltern waren psychisch so beeinträchtigt gewesen, dass sie ihren Beruf als Krankenpfleger beziehungsweise Krankenschwester nicht mehr ausüben konnten. Da sie inzwischen kein Krankengeld mehr bekämen, arbeite ihr Mann seit kurzem wieder in Vollzeit, sagte die Mutter.

Prozess um Alkoholfahrt: Erstes Urteil nach allgemeiner Rechtsprechung angemessen

Dies belaste ihn aber so stark, dass er „für den Rest des Tages nicht mehr zu gebrauchen“ sei. Ob sie selbst jemals wieder als Krankenschwester werde arbeiten können, sei nicht absehbar.

Der Staatsanwalt verwies darauf, dass ein lebenslanger Schatten auf der betroffenen Familie ruhe. Der Angeklagte habe „durch schwerstes vermeidbares Fehlverhalten ein riesiges Unglück ausgelöst.“ Da nach allgemeiner Rechtsprechung in ähnlichen Fällen eine Bewährungsstrafe verhängt werde, sei das erstinstanzliche Urteil jedoch angemessen. (Heidi Niemann)

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