Ehrung und Ausstellung

Verleger Gerhard Steidl aus Göttingen bekommt Gutenberg-Preis

Verleger Gerhard Steidl aus Göttingen
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Drucker mit Lieblingsbuchstabe Q: Gerhard Steidl in der Bibliothek seines Verlagshaus in Göttingen. Am Samstag erhielt er den Gutenberg-Preis 2020.

Eigentlich steht Gerhard Steidl, Verleger, Drucker, Buchmacher gar nicht gerne im Rampenlicht und Vordergrund Nur wenn es sein muss. So wie in Mainz, wenn er – wieder einmal – eine Auszeichnung erhält, diesmal eine, die ihm wirklich etwas bedeuten dürfte: den Gutenberg-Preis 2020.

Göttingen/Mainz – Verliehen wird er von dem Verein Gutenberg-Gesellschaft Mainz. Dazu gibt es eine Pop-Up-Ausstellung – aber ohne Vernissage, die in Corona-Zeiten ausfallen muss. Sie ist ab Samstag, und bis einschließlich 29. November im Gutenberg-Museum zu sehen. Sie dreht sich um einen Favoriten des Druckers: „Mein Lieblingsbuchstabe ist das Q. Gerhard Steidl“, so der Titel.

In Mainz ist man voller Vorfreude, wie der Präsident der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft und Oberbürgermeister Michael Ebling sagt. Nach dem Kulturmanager Prof. Klaus-Dieter Lehmann 2016 und dem Literaten, Lektor und Übersetzer Alberto Manguel 2018 erhalte nun mit Gerhard Steidl ein international bekannter Buchdrucker und Verleger den Gutenberg-Preis. Er stelle an seine Arbeit höchste Ansprüche, „um im perfekten Zusammenklang aller Aspekte seines Könnens bibliophile Gesamtkunstwerke zu schaffen, die das künstlerische Erbe Johannes Gutenbergs auf besonders eindrucksvolle Weise lebendig halten“. Diese stets ambitionierte Arbeit wird in der Ausstellung deutlich, wo es um das Geheimnis von Schrift und Schriftkultur geht. Ihre ganze Schönheit zeigen Buchstaben noch immer am besten in gedruckten Büchern oder Plakaten. Hier herrschen Formenreichtum und Vielfalt, die auf elektronischen Lesegeräten mit ihren standardisierten und vorinstallierten Schriften nicht zu haben ist.

Viele Schriften entstanden aus ökonomischen Gründen. Auftraggeber für neue Schriftschnitte waren oft Drucker, Buch- und Zeitungsverleger. Das „Q“ jedoch als seltener Buchstabe scheint sich allen ökonomischen Zwängen zu widersetzen, es lädt in vielen Schriften zu geradezu lustvoller Anarchie ein. Vor allem die Cauda, der Schweif des versalen Buchstabens, hat die Schriftgestalter zu unzähligen Varianten inspiriert. Diese Ausstellung zeigt das Q, in den Mittelpunkt gestellt und ganz für sich allein: Bilder eines Buchstabens.

Es ist nicht die erste Auszeichnung, die Steidl 2020 erhält: Er wurde für die Arbeit dank einer weiteren Leidenschaft geehrt: Der Macher von wunderbaren Foto-Büchern und -Ausstellungen weltweit erhielt den Preis für „Herausragende Leistungen für Fotografie“ der Sony World Photography Awards.

In Mainz wird Steidl also wieder im von ihm ungeliebten Rampenlicht stehen – aber nur kurz. Dann lässt er seinen Lieblingsbuchstaben in verschiedensten Akzenten sprechen.  (Thomas Kopietz)

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