Bauen und Planen gegen die Kritiker

Verleger Steidl will Göttingen zu bekanntem Ausstellungsort machen

Mann mit großen Plänen für die Kulturstadt Göttingen: Verleger Gerhard Steidl baut ein Grass-Archiv, will eine Kunsthalle mit auf den Weg bringen und ist genervt von Kritikern, die das Projekt im Vorfeld madig machen. Foto: Kopietz

Göttingen. Der Göttinger Verleger Gerhard Steidl, der mit Top-Autoren, Künstlern, Musikern und Fotografen weltweit zusammenarbeitet, will Göttingen zu einem international bekannten Ausstellungsort machen.

Erster Schritt wird am 4. Juni die Eröffnung des Grass-Archivs sein, dass Steidl mit seiner privaten Grass-Sammlung bestückt. Einziehen wird es in dem Umbau eines Fachwerkhauses aus dem Jahr 1307, direkt angrenzen an den Steidl-Firmensitz. Baulich hat Steidl dort eine Symbiose zwischen einem der ältesten Häuser Göttingens und einem Anbau geschaffen, worin auch gearbeitet werden kann sowie Veranstaltungen stattfinden können – wie die Vorstellung der Neuerscheinung eines Grass-Buches am Freitag, 12. Juni. Gerhard Steidl spricht mit Begeisterung über diese Vorhaben und die Möglichkeiten, die das privat finanzierte Projekt bietet.

Weniger begeistert ist der Verleger über die Diskussionen und seiner Meinung nach unqualifizierten, teilweise dilettantischen Äußerungen, die das Projekt Kunst-Quartier begleiten. Das wird vom Bund aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ mit 4,5 Millionen Euro gefördert. Damit soll eine Kunstmeile in der südlichen Innenstadt entstehen. Kern ist der Bau einer Kunsthalle mit mehr als 1000 Quadratmetern Austellungs- und Veranstaltungsfläche. Ab 2017 soll der Betrieb starten, schwebt Steidl vor, der jetzt an die Programmplanung geht. Das Bauen und Planen, so seine Devise, soll den lauten Kritikern in der Stadt die Luft nehmen. „Es gilt, so schnell wie möglich die Galerie hochzuziehen“, stellt Steidl klar.

Verleger will Göttingen zu Ausstellungsort machen

Die Mahner – sie kommen aus vor allem aus den Reihen der CDU/FDP im Stadtparlament – stören sich vor allem an den 360 000 Euro jährlichen Betriebskosten des Kunstquartiers oder der „Kunsthalle“, wie Steidl sie nennen möchte. Diese Summe reiche nicht aus, heißt es von der CDU und FDP. „Eine durchaus realistische Summe“, entgegnet Steidl. Ein Kurator und einige wenige Mitarbeiter wie andernorts, könnten den Betrieb stemmen, glaubt der Verleger.

Generell sei die Finanzierung machbar: „Wer hochwertige Kunst anbietet, hat es auch einfacher, Sponsoren zu bekommen“, sagt Steidl, der mit Top-Kontakten ausgestattet, keinen Zweifel daran lässt, auf welchem Niveau das Kunstquartier später arbeiten soll und muss: „Göttingen soll ein Kunststandort mit internationaler Bedeutung werden.“

Das Ziel verfolgt der 64-jährige Steidl schon seit Jahrzehnten, davon abbringen lassen hat er sich nicht, trotz vieler Unkenrufe und Rückschläge: „Jahrzehntelang hat Göttingen es geschafft, zu verhindern international eine Rolle spielen zu können, damit muss Schluss sein.“

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