Verletzte weiterhin in Lebensgefahr

Verpuffung in Göttingen: Bruch in Gasleitung ist Ursache

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Verpuffung beim Blutspendedienst: Polizeibeamten sicherten am Freitag vor dem Gebäude am Weender Tor Spuren.

Göttingen. Ein Bruch in einer Niederdruckgasleitung ist laut Polizei die Ursache für die Verpuffung am Freitag in Göttingen. Die Schwerverletzten schweben weiter in Lebensgefahr.

Göttingen. Ein Bruch in einer Niederdruckgasleitung ist laut Polizei die Ursache für die Verpuffung am vergangenen Freitag am Weender Tor in Göttingen. Die beiden Schwerverletzten schweben weiterhin in Lebensgefahr.

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Nach Angaben der Beamten ist die Gasleitung in 1,50 Meter Tiefe vor dem Gebäude verlegt. Sie liegt dort seit etwa 50 Jahren. Über der Bruchstelle steht seit vielen Jahren eine Straßenlaterne mit einem Betonsockel. Das aus dem Bruch ausströmende Erdgas ist leichter als Luft. Vermutlich durch Kanäle, Schächte und Leerrohre strömte das Gas in den etwa 20 Meter entfernten Innenbereich des Seiteneingangs des Gebäudes. Dort sammelte sich das Gas unter der Decke.

Als am Freitag eine 55-jährige Ärztin und ein 30-jähriger Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes das Gebäude betraten, betätigten sie den Lichtschalter. Nach Angaben der Beamten kam es dadurch zur heftigen Verpuffung des hochentzündlichen Gas-Luft-Gemischs. Das Leck in dem Rohr wurde unterdessen fachkundig abgedichtet. Nach wiederholten Messungen durch die Stadtwerke Göttingen wurde der Bereich bereits am Sonntag wieder freigegeben. Bei den Ermittlungen zur Ursache arbeitet die Polizei eng mit den Stadtwerken Göttingen und einem Sachverständigen des Kieler Institutes für Schadenverhütung und Schadenforschung zusammen.

Mit den Ermittlungen in dem Fall sind seit dem Wochenende das erste und fünfte Fachkommissariat der Polizeiinspektion Northeim beauftragt. Hintergrund: Die Göttinger Polizei arbeitet mit über 20 Kräften an der weiteren Aufklärung des gewaltsamen Todes eines 27-Jährigen aus Reiffenhausen.

Stadtwerke überprüfen Leitungen ständig

Nach Angaben der Stadtwerke Göttingen ist die betroffene Niederdruckleitung aus Metall mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern im Jahr 1965 verlegt worden. Eine solche Leitung hat nach Angaben von Dr. Gerd Rappenecker, Technischer Vorstand der Stadtwerke, eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren. Von dieser Leitung aus werden die Kunden mit Gas versorgt. Laut Dr. Rappenecker ist bislang unklar, warum die Leitung genau unter der Laterne gebrochen ist. Zur Klärung hoffen die Stadtwerke auf das Gutachten des Kieler Sachverständigen. Ansonsten sei die betroffene Leitung in gutem Zustand. Dr. Rappenecker machte zudem deutlich, dass das gesamte 500 Kilometer lange Gasnetz der Stadtwerke Göttingen ständig und regelmäßig überprüft werde. Den größten Ausbau gab es in den 1970er- und 1980er-Jahren. Seit den 1990er-Jahren werden Leitungen aus Kunststoff verlegt. Größere Leckagen gibt es laut Dr. Rappenecker selten, eine solche Verpuffung gab es in Göttingen noch nicht. Das Unglück habe bei den Stadtwerken große Betroffenheit ausgelöst.

Blutspende am Campus nicht möglich

Nach der Verpuffung ist die Blutspende am Weender Tor bis auf Weiteres nicht möglich. Das sagte das Montag ein Sprecher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Im Obergeschoss des Gebäudes ist der Außenstandort des Blutspendedienstes der Abteilung Transfusionsmedizin der UMG untergebracht. Wenn die Blutspende dort wieder ihre Pforten öffnet, will die Universitätsmedizin informieren.

Aktualisiert um 15.10 Uhr.

In der Zwischenzeit sind Vollblutspenden im Klinikum an der Robert-Koch-Straße möglich. Die Blutspende ist montags und freitags von 8 bis 11 Uhr, dienstags von 16 bis 20 Uhr sowie mittwochs und donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Bei der Verpuffung erlitten zwei Mitarbeiter der Universitätsmedizin schwerste Verletzungen. Ihr Zustand ist weiterhin kritisch „Für die medizinische Versorgung wird in den Spezialkliniken alles unternommen“, sagte der Sprecher. „Die UMG ist tief betroffen von dem Unglücksfall und ist mit ihren Gedanken bei den Verletzten und deren Angehörigen.“

Archivbilder und Video vom Unglücksort:

Verpuffung bei Göttinger Blutspendedienst am Weender Tor

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