1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Mann verletzt Mitbewohner mit Messer schwer: Gericht spricht Urteil

Erstellt:

Von: Heidi Niemann

Kommentare

Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Dort fiel das Urteil. (Symbolbild)
Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Dort fiel das Urteil. (Symbolbild) © Hubert Jelinek/dpa

Ein 23-Jähriger verletzt in Göttingen seinen schlafenden Mitbewohner mit einem Messer schwer. Nun muss der Mann mehrere Jahre ins Gefängnis.

Göttingen – Das Gericht befand den Angeklagten, der in Sierra Leone aufgewachsen ist und seit vier Jahren in Deutschland lebt, des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung für schuldig. Die Kammer habe keinen Zweifel daran, dass der Angeklagte im September vergangenen Jahres in einer Gemeinschaftsunterkunft in Göttingen morgens den Mitbewohner angegriffen habe, um ihn zu töten, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz.

Der Angeklagte teilte sich zur Tatzeit in der Gemeinschaftsunterkunft mit dem Opfer ein Zimmer. Schon frühzeitig sei es dort zu Konflikten gekommen, sagte der Vorsitzende Richter. Die Wohnsituation in der Unterbringung sei sehr belastend gewesen. Ein weiterer Faktor sei aber auch eine „gewisse Disposition“ des Angeklagten.

Göttingen: Gericht spricht nach Messerattacke von versuchtem Mord

Der 23-Jährige sei bereits mehrfach strafrechtlich aufgefallen und habe schon erhebliche Haftzeiten hinter sich. Unter anderem habe er 2019 eine siebenmonatige Jugendstrafe verbüßt. Dass er seit seiner Ankunft in Deutschland im Februar 2018 bereits neun Einträge im Strafregister angesammelt habe, deute darauf hin, dass ihm die hierzulande geltenden Gesetze gleichgültig seien.

Wie schon bei früheren Vorfällen sei auch dieser Angriff völlig unvermittelt gekommen, sagte der Vorsitzende Richter. Sein Mitbewohner sei am Vorabend nach der Arbeit ins gemeinsam genutzte Zimmer gekommen und habe sich schlafen gelegt. Um 7 Uhr morgens sei er erstmals wach geworden, zur Toilette gegangen und habe sich anschließend wieder hingelegt.

Tobias Jakubetz, Vorsitzender Richter
Tobias Jakubetz, Vorsitzender Richter © Bernd Schlegel

Messerangriff in Göttingen erfolgte unvermittelt ‒ Täter hatte Opfer Messer in die Brust gerammt

Rund zwei Stunden später sei er wach geworden und habe bemerkt, dass ein Messer in seiner Brust steckte. Der Angeklagte habe auf seinen Beinen gesessen und ihm das Messer bis zum Anschlag in den Brustkorb gedrückt. Der schwerverletzte Mitbewohner habe sich dann gewehrt und versucht, den Angeklagten wegzustoßen. Bei dem folgenden Gerangel habe er noch weitere Verletzungen an Nacken und Schulter erlitten.

Das Gericht ging mit seinem Urteil deutlich über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Diese hatte auf eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren plädiert. Die Vertreterin der Nebenklage beantragte eine höhere Freiheitsstrafe von neun Jahren. Die Verteidigung forderte dagegen einen Freispruch.

Göttingen: Achteinhalb Jahre Haft für Verurteilten ‒ Verteidigung forderte Freispruch

Der Angeklagte hatte die Tat bestritten und über seinen Verteidiger erklären lassen, dass sich sein Mitbewohner selbst das Messer in die Brust gerammt habe. Das Gericht hielt diese Version schon deshalb für unglaubwürdig, weil in einem solchen Fall nicht nachvollziehbar sei, warum er aus dem Fenster geflohen war.

Das Opfer hat laut Gericht nicht nur erhebliche körperliche Verletzungen erlitten, sondern leide bis heute auch unter den psychischen Folgen der Tat. (Heidi Niemann)

Immer wieder kommt es in der Universitätsstadt zu Messerattacken und damit verbundenen Gerichtsprozessen. So wie im Sommer 2021 als ein damals 24-Jähriger wegen einer Messerattacke in der Göttinger Innenstadt vor Gericht landete. Und im Januar 2022 hatte ein Räuber eine Kassiererin mit einem Messer überfallen und bedroht.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion