Prozess um Transplantationsskandal

Verteidigung im Transplantationsprozess: Vorwürfe sind absurd

Göttingen. Am Landgericht Göttingen hat am Morgen der Prozess gegen den ehemaligen Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin, Prof. Dr. O., begonnen.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft dem Mediziner die Manipulation von Patientendaten und einen damit verbundenen Totschlag in elf Fällen und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vor.

Der Auflauf war groß: mehr als 30 Medienvertreter im Saal, die Zuschauerplätze gefüllt. Spannung herrschte im Saal. Gespannt waren die Beobachter vor allem auf das Eingangsstatement der Verteidigung. Dieses nutzte Prof. Dr. Steffen Stern (Göttingen) zu einer generellen Kritik am Vergabesystem der Organe mit der sogenannten Meld-Liste. Sie sei unzureichend, die Daten können nur ungenügend die Situation eines Patienten wiedergeben.

Auch würden Richtlinien der Bundesärztekammer sogar gegen geltendes Recht verstoßen. Stern nannte als Beispiel die geforderte sechsmonatige Alkoholabstinenz von alkoholkranken Menschen vor einer Transplantation.

„Wer stellt solche Richtlinien auf, wo lebe ich denn?“, fragte Stern entrüstet und nannte diese Vorschriften unmenschlich.

Wenn dann Ärzte diese Lücken mit ihrem Fachwissen und aus ihrer Überzeugung handeln würden, werden sie als Verbrecher dargestellt.

Stern sieht seinen Mandanten schlicht als öffentliches Opfer in einer Angelegenheit, die viele offene Fragen und mangelhafte Bedingungen bietet.

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Die Arbeit der Staatsanwaltschaft kritisierte er heftig. Hier werde ein Exempel statuiert, zu Lasten eines Mannes. Und der werde schließlich sogar dafür verantwortlich gemacht, dass bundesweit die Bereitschaft der Organspender sinke.

Er habe bislang viel erlebt in seiner Anwaltslaufbahn. Aber das jetzige Verfahren stelle einiges auf den Kopf. „Meine Betroffenheit ist zu erkennen, und sie ist nicht gespielt“, sagte Stern. Die Vorwürfe seien absurd.

Die Staatsanwaltschaft reagierte zurückhaltend: Es sei die Aufgabe, den Indizien nachzugehen und sie in einem Verfahren zu bewerten. Die Fluchtgefahr des Angeklagten bestehe weiter, das habe das Oberlandesgericht bestätigt, sagte Andre Schmidt.

Die Verteidigung hatte noch einmal appelliert, die Haft aufzuheben. (tko)

Bilder des Prozessauftaktes

Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen

Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
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Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen
Auftakt zum Transplantationsprozess in Göttingen © Jelinek

Rubriklistenbild: © Jelinek

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