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Impfstoffe für alle ‒ Forscher der Uni Göttingen analysieren Verteilung der Vakzine

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Von: Thomas Kopietz

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Symbolbild einer Impf-Spritze
In Deutschland und den USA bevorzugten die Menschen eine Verteilung des Covid-Impfstoffs nach dem Prinzip der medizinischen Dringlichkeit. (Symbolbild) © Sven Hoppe/dpa

Wer bekommt wann, wo und wie seine Impfung: Forscher der Universität Göttingen analysieren globale Verteilung der Vakzine in einer Studie.

Göttingen – Die Menschen in den USA und in Deutschland sind in hohem Maße bereit, zu teilen, wenn es um die Bereitstellung von Impfstoffen geht. Das fanden Wissenschaftler der Universität Göttingen in einer repräsentativen Studie heraus, zu der sie im Jahr 2021 in beiden Staaten insgesamt 2000 Menschen befragten.

Die Produktion und verfügbare Kapazitäten des Corona-Impfstoffes sind weltweit regional höchst unterschiedlich. Wie aber wird das von den Menschen bewertet, und nach welchen Prinzipien sollte der Impfstoff verteilt werden?

Studie zur Impfstoffverteilung: Forscher der Uni Göttingen analysieren Verteilung der Vakzine

„Insbesondere die Frage, wie sich eine eigene Betroffenheit bei der Impfreihenfolge auswirkt, war uns wichtig“, erläutert Dr. Ida Monfared vom Centre for Modern Indian Studies (CeMIS) der Uni Göttingen. So wurden Verteilungsentscheidungen bewusst nochmals hinterfragt, wenn es hypothetisch auch um die eigene Impfdosis oder die Impfung von Familienangehörigen ging.

Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Frage der Verteilung zwischen Ländern der Nord- und Südhalbkugel gelegt. Das Ergebnis: Die Öffentlichkeit in Deutschland und den USA präferiert die Verteilung der Covid-19-Impfstoffe nach dem Prinzip der „medizinischen Dringlichkeit“ (Deutschland: 49,4 Prozent, USA: 37,4 Prozent) und dem Prinzip des „gleichen Zugangs für alle“ (Deutschland: 25,4, USA: 32,7 Prozent).

Experten der Uni Göttingen: Impfstoffverteilung muss weltweit fair ablaufen

Weitere mögliche Verteilprinzipien wie nach der eigenen nationalen Entwicklungs- und Produktionskapazität für Impfstoffe oder nach einer freien Marktregelung und damit nach Kaufkraft der Länder fanden kaum Anklang in Deutschland oder den USA – jeweils unter 15 Prozent der Stimmanteile.

Prof. Dr. Matthias Klumpp
Prof. Dr. Matthias Klumpp vom Lehrstuhl für Produktion und Logistik der Uni Göttingen. © Privat

„Die Bereitschaft zu teilen hat uns deutlich überrascht, insbesondere angesichts der Tatsache, dass zum Befragungszeitpunkt Mitte 2021 noch kein umfassender Beleg zu den Gefahren durch Virus-Varianten bei Covid-19 vorlagen“, sagt Prof. Dr. Matthias Klumpp vom Lehrstuhl für Produktion und Logistik der Uni Göttingen.

Versorgung mit Impfstoffen überwiegt in den Ländern der Nordhalbkugel

„Die Logistik für eine weltweit koordinierte Verteilung der Impfstoffdosen hätte deutlicher und früher ausgebaut werden müssen.“ Die Länder der Nordhalbkugel sind dabei aus Sicht der Bevölkerung in einer Bringschuld.

Prof. Dr. Sebastian Vollmer vom CeMIS ergänzt: „Die Bevölkerung in Deutschland und den USA ist bereits Mitte 2021 mehrheitlich zu der Erkenntnis gelangt, dass nur eine weltweite Impfstoffverteilung als fair und auch als zweckdienlich zur Bekämpfung der Pandemie angesehen werden kann – die Frage ist, wann dies auch politische Entscheidungsträger so verinnerlichen.“

Genutzt wurden in der Studie auch Verteilungsexperimente und die Methode „Analytical Hierarchy Process“, die einzelne Entscheidungskriterien zur Impfstoffverteilung jeweils in einem Paarvergleich gegeneinander bewertet. (Thomas Kopietz)

Die Stadt Göttingen will immer wieder mit besonderen Aktionen zum Impfen locken. Auch wenn eine Studien belegt, dass Antikörper von Genesenen und zweifach gegen Corona Geimpften die Omikron-Variante kaum hemmen.

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