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Verwaltungsgericht Göttingen: Veterinäramt darf Halter die Pferde wegnehmen

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Von: Heidi Niemann

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Wer ein Tier hält, muss sich entsprechend darum kümmern: Diesem Credo sind Pferdehalter aus dem Südharz nicht nachgekommen.
Wer ein Tier hält, muss sich entsprechend darum kümmern: Diesem Credo sind Pferdehalter aus dem Südharz nicht nachgekommen. (Symbolbild) © Manfred Schaake/nh

Tierhalter müssen sich um ihre Schützlinge kümmern, zum Beispiel wenn sie krank sind. Mit einem Fall, bei dem dies möglicherweise nicht geschah, musste sich das Verwaltungsgericht befassen.

Göttingen – Tierhalter müssen sich rechtzeitig und konsequent um erkrankte Tiere kümmern und diese, wenn erforderlich, vom Tierarzt behandeln lassen. Tun sie dies nicht, dürfen Amtsärzte ihnen die Tiere wegnehmen. Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden.

Veterinäramt darf Pferde wegnehmen: Schlechter Ernährungs- und Pflegezustand

Das Gericht lehnte damit den Antrag von drei Pferdehaltern und -betreuern aus dem Südharz auf einstweiligen Rechtsschutz gegen eine Verfügung des Landkreises Göttingen ab. Das Veterinäramt hatte ihnen im Frühsommer zwei Stuten und einen Hengst weggenommen, weil diese erheblich vernachlässigt waren und sich teilweise in einem sehr schlechten Ernährungs- und Pflegezustand befanden.

Nach Ansicht des Gerichts durfte die Behörde die Haltung und Betreuung der Pferde verbieten, um weitere Leiden der Tiere zu verhindern (Aktenzeichen 1 B 118/22).

Veterinäramt darf Pferde wegnehmen: Hinweise aus der Bevölkerung

Die Veterinärbehörde war durch einen Hinweis aus der Bevölkerung auf die Missstände aufmerksam geworden. Bei einer ersten Kontrolle im Mai habe sich herausgestellt, dass sich eine Stute in einem sehr schlechten Ernährungs- und Pflegezustand befand, heißt es in dem Gerichtsbeschluss. Die Stute habe aufgrund einer massiven Fehlstellung der Schneidezähne das Futter auf der Weide nicht aufnehmen können und sei hochgradig abgemagert.

Veterinäramt darf Pferde wegnehmen: Stute eingeschläfert

Als eine Nachkontrolle ergab, dass sich der Zustand weiter verschlechtert hatte, ließ die Behörde die Stute und die beiden anderen Pferde wegnehmen. Bei weiteren Untersuchungen zeigte sich, dass die Stute auch einen schwankenden Gang hatte, an einem starken eitrigen Augen- und Nasenausfluss litt und zudem von Nissen und Parasiten übersät war. Ihr Gesundheitszustand war so katastrophal, dass sie eingeschläfert werden musste.

Die Obduktion ergab, dass neben dem Zustand des Gebisses auch ein bösartiger Tumor und ein Befall mit Endoparasiten zur vollständigen Auszehrung beigetragen haben könnten, wodurch dem Tier erhebliche und langanhaltende Schmerzen und Leiden entstanden seien. Eine weitere auf der Weide gehaltene Stute wies dagegen einen extrem fetten Ernährungszustand auf. Dadurch sei die Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt gewesen, heißt es in dem Beschluss. Die Hufe hätten sich in einem mäßigen Pflegezustand befunden, zudem habe es auf der Weide keinen ausreichenden Witterungsschutz gegeben.

Veterinäramt darf Pferde wegnehmen: Untypische Fettdepots

Das dritte Pferd – ein Hengst – sei isoliert auf einem anderen Grundstück gehalten worden, das sei nicht artgerecht. Zudem seien neben einem sehr schlechten Pflegezustand der Hufe auch untypische Fettdepots und Verhaltensauffälligkeiten festgestellt worden. Der Unterstand sei so marode gewesen, dass für das Pferd Verletzungsgefahr bestanden habe.

Die Behörde begründete die Wegnahme der Tiere auch damit, dass die Antragsteller offenkundig nicht die erforderliche Sachkunde hätten, die für eine Pferdehaltung notwendig sei. So hätten diese keinen Zusammenhang zwischen den bei ihnen herrschenden Haltungsbedingungen und dem festgestellten Parasitenbefall erkennen wollen.

Veterinäramt darf Pferde wegnehmen: Fehlende Einsicht

Stattdessen hätten sie fortwährend ihre eigene Verantwortlichkeit relativiert und die Notwendigkeit grundlegender Veränderungen bestritten. Dies lasse auf eine fehlende Einsicht schließen. Außerdem ergäben sich Hinweise darauf, dass sie die dringend angezeigte tierärztliche Versorgung aus finanziellen Erwägungen unterlassen hätten.

So hätten sie gleich zu Beginn deutlich gemacht, dass sie die Stute lieber der Schlachtung als dem Tierarzt zuführen würden, weil dies kostengünstiger sei.

Veterinäramt darf Pferde wegnehmen: Vorgehen nicht zu beanstanden

Nach Ansicht des Verwaltungsgerichts ist das Vorgehen der Behörde nicht zu beanstanden. Die vorgefundenen Missstände hätten dringlich beendet werden müssen. Daher habe ein besonderes Vollzugsinteresse bestanden, das keinen Aufschub geduldet habe. (Heidi Niemann)

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