1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Verwaltungsgericht Göttingen: Kommune darf schwarze Dachziegel verbieten

Erstellt:

Von: Heidi Niemann

Kommentare

Gebäude des Verwaltungsgerichts Göttingen.
Um die Farbe der Dachziegeln eines Hauses ging es bei einem Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht in Göttingen. (Archivbild) © Bernd Schlegel

Kommunen dürfen in Bebauungsplänen vorschreiben, welche Farben die Dachziegel der Wohnhäuser haben dürfen. Ein Eigentümer hatte dagegen geklagt.

Göttingen – Kommunen dürfen in Bebauungsplänen vorschreiben, welche Farben die Dachziegel der Wohnhäuser haben dürfen. Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden.

Das Gericht wies damit die Klage eines Grundstücksbesitzers gegen den Landkreis Göttingen ab. Der Kläger hatte sein Wohnhaus in einem Ort im südniedersächsischen Eichsfeld mit schwarzen Ziegeln eingedeckt, obwohl laut Bebauungsplan in dem Gebiet nur rote bis braune Farbtöne zulässig waren.

Grundstückbesitzer klagt gegen Kommune wegen Farbe der Dachziegel - und verliert

Der Landkreis hatte ihn daraufhin in einem Bescheid aufgefordert, die Dacheindeckung an die örtliche Bauvorschrift anzupassen. Der Kläger weigerte sich und zog vor Gericht – allerdings ohne Erfolg: Nach Ansicht der Richter ist die Bauaufsichtsverfügung rechtmäßig (Aktenzeichen 2 A 251/19).

Ursprünglich sah der Bebauungsplan für das Neubaugebiet ausschließlich rote Dachpfannen oder Ziegel vor. Die neue Bebauung sollte so der gewachsenen Ortsstruktur in Form und Farbe anpasst werden, um ein harmonisches Ortsbild zu erhalten. 2003 beschloss der Rat, den aus dem Jahr 1998 stammenden Bebauungsplan dahingehend abzuändern, dass auch Brauntöne sowie glasierte Ziegel zulässig sein sollten.

Damit wollte man den Wünschen der Bauwilligen nachkommen. Insgesamt waren nun acht Farbtöne zulässig: Rotorange, blutorange, feuerrot, karminrot, rubinrot, kupferbraun, lehmbraun und rotbraun, außerdem deren Zwischentöne.

Der genehmigungsfreie Neubau des Klägers sollte laut den von ihm vorgelegten Baubeschreibungen mit roten Ziegeln eingedeckt werden. Ende 2015 wurde der Landkreis jedoch darauf aufmerksam, dass dieser sein Dach stattdessen mit anthrazitfarbenen oder schwarzen Ziegeln eindecken ließ.

Eigentümer nahm beim Decken seines Dachs andersfarbige Ziegel als ursprünglich genehmigt

Die Gemeinde lehnte es ab, die Bauvorschrift zu den Dachfarben abzuändern und so den Verstoß zu legalisieren. Sie wollte auch keine Ausnahme zulassen, zumal alle anderen Dächer in dem Geltungsbereich des Bebauungsplans den Farbvorgaben entsprachen.

Der Landkreis forderte daraufhin den Kläger auf, die Eindeckung den Vorgaben entsprechend anzupassen, da das schwarze Dach einen krassen Gegensatz zu den anderen Dächern darstelle. Die Farbe sei sowohl formell als auch materiell illegal, daher müsse die Bauaufsicht einschreiten.

Auf welche Weise er die Dachfarbe verändere, ob durch Umdecken, Umspritzen oder sonstige Techniken, bleibe dem Kläger selbst überlassen. Der finanzielle Aufwand sei ihm jedenfalls zumutbar.

Der Kläger machte dagegen geltend, dass sich in der unmittelbaren Umgebung eine Vielzahl von dunklen und möglicherweise schwarzen Dächern befinde. Es treffe nicht zu, dass die historische ortstypische Dachfarbe ein rotes Ziegeldach sei. Somit verfehle die örtliche Bauvorschrift ihr Ziel und sei rechtswidrig.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtsfrage hat das Gericht die Berufung zugelassen. (Heidi Niemann)

Auch interessant

Kommentare