Neue Kundgebung am 1. April angemeldet

Viel Aufwand um wenig: Hundertschaften bei rechter Kundgebung

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Gegenwind: Spontane Demonstration am Samstag vor dem Bahnhof gegen die Kundgebung des Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen. Mehrere hundert Polizisten verhinderten Gewaltaktionen.

Göttingen. Große Polizeipräsenz für drei Personen: Der rechte Freundeskreis Thüringen demonstrierte am Bahnhof. 100 Demonstranten stellten sich dagegen.

Das war die Situation am Samstag auf dem Bahnhofsvorplatz und in der Stadt.

Ein hundert Quadratmeter großes, mit Gittern abgesperrtes Areal vor dem Bahnhof, darin ein goldfarbener Lautsprecherwagen französischer Marke, drei – in Zahlen 3 – Mitglieder des rechten Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen inklusive Rädelsführer Jens Wilke – auf der Gegenseite etwa 100 Demonstranten, abgetrennt durch Polizisten, eine Freifläche und weitere Gitter. Dazu jede Menge Polizeifahrzeuge auf und um den abgesperrten Bahnhofsparkplatz.

Das ist die Szenerie am Samstag, wo ab 9 Uhr eine Kundgebung des rechten Freundeskreises stattfindet. Die Polizei betreibt einen Riesenaufwand, um die Kundgebung zu sichern, das Zusammentreffen von Freundeskreislern und Gegendemonstranten zu verhindern. Das gelingt: Bis 10.45 Uhr, als sich die Szenerie auflöst, passiert nichts, es gibt keine gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Die Kundgebung hat der rechte Freundeskreis angemeldet, die Ordnungsbehörde, also die Stadt, hatte sie genehmigt. Wortführer des überschaubaren Freundeskreis-Aufgebotes ist wieder einmal Jens Wilke, der für die NPD 2016 auch als Landratskandidat angetreten war. Die Mahnwache steht unter „Gemeinsam für Deutschland“.

Trillerpfeifen zur Gegendemo

Gegendemonstranten– auch aus der linken Szene in Göttingen – stören die Reden von Wilke durch Sprechchöre wie „Nazis, haut ab! Wilke halt’s Maul!“. Trillerpfeifen und andere Lärminstrumente aus den Reihen der Spontandemonstrierer sorgen für weiteren Lärm. Am Denkmal für die Göttinger Sieben – 50 Meter von Redner Wilke entfernt – kommt nichts Verständliches mehr an.

Die Polizei ist gerade einmal zwei Tage nach dem Großeinsatz gegen die Göttinger Salafistenszene schon wieder gefordert – mit mehreren Hundertschaften ist sie vor Ort, wie Sprecherin Jasmin Kaatz sagt. Die Polizeieinsatzkräfte mussten früh aus den Federn, kommen aus Göttingen, Hannover und Lüneburg. Einsatzfahrzeuge und Besatzungen sind aber nicht nur rund um den Bahnhof zu sehen, sie beobachten das Geschehen über das Stadtgebiet verteilt. Die Beamten sichern für Passanten auch den Zugang zum Bahnhofsgebäude und halten Rechte und Gegendemonstranten auseinander.

Die Veranstaltung löst sich gegen 10.45 Uhr auf, Gegendemonstranten räumen den Platz, den die drei Freundeskreisler bereits – unter dem Schutz der Polizei – verlassen hatten. Die Beamten bauen die Schutzgitter ab, die Sonne kommt heraus. Drei Rechtsnationale haben einen Riesenaufwand produziert. Vielleicht hätte Missachtung ebenso viel bewirkt.

Für den 1. April erwartet die Polizei, wie Jasmin Kaatz sagt, weitaus mehr Teilnehmer, dann hat der Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen erneut eine Kundgebung angemeldet – auch die Gegner werden dann wohl weitaus mehr Menschen mobilisieren. Und die Polizei wird mit noch mehr Beamten dabei sein.

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