Interview: Komiker Ralf Schmitz über sein aktuelles Programm

Ralf Schmitz freut sich auf Göttingen und darauf, improvisieren zu können. Foto: nh

Göttingen. Ralf Schmitz ist ein tempogeladener Mann. Der Komiker kommt am Freitag, 3. Mai, mit seinem aktuellen Solo-Programm „Schmitzpiepe“ in die Göttinger Stadthalle. Im HNA-Interview nahm sich Schmitz aber durchaus Zeit und erzählte offen über sein Leben, seine Arbeit und das Schnellsprechen.

Herr Schmitz, was ist das Geheimnis ihrer Geschwindigkeit – sind da Drogen im Spiel?
Ralf Schmitz:

Nee, überhaupt nicht. Ich bin, was so etwas angeht, total langweilig. Ich spreche einfach schnell, das ist so und war schon immer so.

Stimmt, es ist ihr Markenzeichen. Ist das Schnellsprechen ein bewusstes Stilmittel?
Schmitz:

Nein. Es ist wie es ist. Ich achte aber manchmal darauf, bei Auftritten oder Dreharbeiten, das Tempo herauszunehmen, wenn es nötig ist.

Hilft Ihnen denn ihre breite Ausbildung mit Schauspiel, Gesang und Tanz dabei?
Schmitz:

Natürlich. Ich habe gelernt klar zu sprechen. Könnte ich das nicht, dann würde ja das Schlimmste eintreten was passieren kann: Das Publikum würde mich nicht verstehen.

Wie kommen Sie denn im Alltag runter?
Schmitz:

Durch Sport. Ich laufe – manchmal aber zu schnell...

Das Publikum darf bei Ihren Shows ja durchaus mitwirken...
Schmitz:

Die Leute sind aufgefordert mitzumachen, das ist so eingeplant. Sie können Rufen oder auch mit auf die Bühne kommen. Aber keine Angst: Keiner muss auf die Bühne und keiner wird bloßgestellt.

Sie kommen ja auch aus dem Impro-Theater, haben in der „Springmaus“ in Bonn gearbeitet und bei der „Schillerstraße“ auf SAT 1 mitgemacht. Passt das zu Ihnen?
Schmitz:

Ja, das passt. Ich habe keine Angst vor dem, was das auf mich zukommen könnte, mich zu blamieren Und wenn Du Impro machst, dann verlierst Du auch die Angst, dass etwas Unvorhergesehenes passieren könnte, schließlich weißt Du ja wirklich nicht, was auf Dich zukommen wird.

Dennoch: Comedy und Komödien im Theater erfordern viel Disziplin, viel Übung. Ist das kein Widerspruch zum Impro-Theater?
Schmitz:

Das Improvisieren braucht ja auch eine Basis. Mir macht diese Spontanität einfach Spaß. Und im Solo-Programm ist das möglich. Das Improvisieren gibt einem Auftritt erst die besondere Note, macht ihn außergewöhnlich. Ich möchte nicht jeden Abend immer das Gleiche machen. Deshalb ist der Anteil am Programm etwa die Hälfte Improvisation und die Hälfte eingeprobte Inhalte.

Auf Ihrer Homepage steht, dass Sie schon im Alter von drei Monaten wussten, einmal Schauspieler werden zu wollen – das ist leicht übertrieben, oder?
Schmitz:

Ein wenig. Nein, ich wollte wirklich schon ganz früh Schauspieler werden. Ich wollte auf die Bühne. Schon im Kindergarten habe ich einen Zirkusdirektor gespielt, das fand ich ganz toll. Und auch später, bei einem Praktikum in einer Bank, habe ich dort Witze erzählt und den Laden unterhalten.

Die Banker wollten Sie bestimmt nicht wieder gehen lassen...
Schmitz:

Richtig! Ich sollte wiederkommen und mich bewerben. Aber das war nix für mich, ich habe das für meinen Vater gemacht – das Praktikum.

Sie haben sich ihren Berufstraum erfüllt...
Schmitz:

Ja. Es ist ein Traum. Obwohl es auch auf Kante genäht war, ich alles riskiert und auch Glück gehabt habe (klopft auf Holz).

Woher holen Sie sich die Ideen für ihre Sketche, das Programm?
Schmitz:

Vieles kommt aus dem Alltag. Über Alltägliches lachen wir doch alle am liebsten. Es muss nur leicht erhöht werden. Loriot ist doch das beste Beispiel dafür. Oder Louis de Funes, der ist der Gegenpol, teilweise völlig überdreht. Aber beide haben doch glaubhafte Dinge abgeliefert. Heinz Erhard steht natürlich auch dafür. Er war übrigens ein akribischer Arbeiter.

In Göttingen gibt es ein Heinz-Erhard-Denkmal...
Schmitz:

Wirklich? Da muss ich hin.

Verraten Sie uns etwas aus dem neuen Programm?
Schmitz:

Es gibt da ein Wartezimmer-Orchester: Dort läuft Musik, eine Frau niest im Takt und dann hustet noch ein Mann dazu – sauber abgestimmt. Das habe ich wirklich erlebt, alle haben sich kaputtgelacht und ich habe gedacht: Das muss ich im Programm machen! Mehr wird aber nicht verraten. Der Besucher soll ja überrascht sein.

Von Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.