Antifaschistisches Bildungszentrum Göttingen

Untersuchung zeigt: Viele Corona-Leugner in Südniedersachsen

Eine Demonstration gegen Corona-Maßnahmen vor dem Thüringer Landtag Mitte November.
+
Eine Demonstration gegen Corona-Maßnahmen vor dem Thüringer Landtag Mitte November.

In Südniedersachsen und dem Eichsfeld wird eine verstärkte Mobilisierung von Corona-Leugnern festgestellt. Einher geht sie mit Antisemitismus und Hetze.

Göttingen – Das Antifaschistische Bildungszentrum und Archiv Göttingen (ABAG) verzeichnet in Südniedersachsen und dem thüringischen Eichsfeld eine verstärkte Mobilisierung von Corona-Leugnern. In den vergangenen Wochen hätten verschwörungsideologische Aufmärsche und Aktionen in der Region stark zugenommen, teilte das Recherche-Netzwerk mit.

Die Aktivitäten gingen in der Regel mit antisemitischen beziehungsweise den Nationalsozialismus relativierenden Aussagen einher. Staatliche Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie Pandemie würden mit dem historischen Nationalsozialismus gleichgesetzt.

Göttingen: Corona-Regel 2G mit Hakenkreuz gleichgesetzt

Bei einer Schmiererei auf dem Göttinger Zentralcampus sei beispielsweise das für die 2G-Regel stehende „2G“ mit einem Hakenkreuz gleichgesetzt worden. Auf einer Veranstaltung in Herzberg hätten Teilnehmer den SPD-Politiker Karl Lauterbach mit Adolf Hitler und ungeimpfte Personen mit den von den Nationalsozialisten verfolgten Juden gleichgesetzt.

Im Südharz kam es zuletzt oft zu Protesten von Kritikern der Corona-Maßnahmen, zuletzt versammelten sich dort am Donnerstagabend rund 100 Personen zu einer Kundgebung. Die Proteste in Herzberg werden maßgeblich von den früheren AfD-Politikern Dana Guth und Jens Krause organisiert, die inzwischen der Partei Liberal-Konservative Reformer (LKR) beigetreten sind. Krause ist deren niedersächsischer Landesvorsitzender.

Göttingen: Impfgegner setzen Corona-Schutzimpfung mit Nationalsozialismus gleich

„Es ist schlicht unerträglich, wie radikalisierte Impfgegner die Corona-Schutzimpfung mit der Vernichtungspraxis der NationalsozialistInnen gleichsetzen“, heißt es in der Mitteilung des ABAG. „Gleichzeitig sehen sich viele der selbst erklärten ‚Corona-Rebellen‘ in einem Endkampf gegen globalisierte Eliten und bedienen damit antisemitische Codes.“

Neben diesen verschwörungsideologischen und den Nationalsozialismus verharmlosenden Inhalten konstatiert das ABAG bei den Aufmärschen eine zunehmende Gewaltbereitschaft und Angriffe auf Journalisten: „Pressevertreter wurden bereits mehrmals mit dem Tod bedroht oder es wurde ihnen aggressiv in die Kamera gegriffen.“

Mobilisierung über Telegram-Kanäle „Freie Niedersachsen“ und „Freies Thüringen“

Die aktuelle Mobilisierungswelle wird nach ABAG-Recherchen insbesondere durch die Telegram-Kanäle „Freie Niedersachsen“ und „Freies Thüringen“ befeuert. Diese Chatgruppen seien nach dem Vorbild der extrem rechten „Freien Sachsen“ gegründet worden. Sie wirkten als „ein Organisationskatalysator, unter dessen Dach verschiedene lokale Organisationen und Initiativen zusammentreffen und eine gemeinsame Mobilisierungsplattform finden“.

Das Antifaschistische Bildungszentrum und Archiv Göttingen ist ein eingetragener Verein. Er dokumentiert seit mehreren Jahren rechtsextreme Aktivitäten in der Region. Und er vermittelt Referenten an Bildungsträger, Gewerkschaften, Parteien und Bürgerinitiativen. Das Archiv kann auch von Journalisten und Wissenschaftlern genutzt werden. (Bernd Schlegel mit epd)

In Niedersachsen ermittelt die Ärztekammer gegen rund 50 Mitglieder, die mutmaßlich die Corona-Pandemie leugnen. Die Staatsanwaltschaft hat derweil zwei Anklagen gegen eine Ärztin aus dem Kreis Göttingen wegen des Ausstellens falscher Corona-Gesundheitszeugnisse erhoben.

Mit dem Göttingen-Newsletter der HNA immer auf dem Laufenden bleiben!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.