Viele Handwerksberufe unverändert von Männern dominiert

Seit 30 Jahren im Handwerk: Susanne Pauli aus Klein Lengden bei Gleichen hat sich vor neun Jahren als Tischlermeisterin selbstständig gemacht: Sie hat sich auf den Möbelbau spezialisiert. Foto: Dittrich

Göttingen. Frauen sind im Handwerk nach wie vor unterrepräsentiert. Zu diesem Schluss kommen Göttinger Forscher in einer jüngst veröffentlichten Studie.

Die Studie stammt vom Volkswirtschaftlichen Institut der Universität Göttingen. Den Forschern zufolge wird nur jeder fünfte Handwerksbetrieb in Niedersachsen von einer Frau geführt, bundesweit gibt es nur 22 Prozent weibliche Auszubildende. Außerdem streben Frauen vorrangig drei bereits weiblich dominierte Handwerksberufe an: Friseurin, Lebensmittelverkäuferin und Bürokauffrau.

„Bei den Installateuren geht die Quote gegen null“, sagt Sabine Heuer, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen. Bau- und Kraftfahrzeuggewerbe seien nach wie vor in Männerhand. Laut Arbeitsagentur Göttingen arbeiteten rund 21.000 in den Landkreisen Göttingen, Osterode und Northeim im September 2014 im Handwerk. Nur 3200 davon waren Frauen, 2000 von ihnen arbeiteten in den Bereichen Körperpflege, Reinigung und Medizintechnik.

Aber es gibt inzwischen auch weibliche Fotografen und Raumgestalter, meint Heuer: „Alles was mit Kunst oder gestalten zu tun hat, scheint beliebt zu sein.“

Tischlermeisterin Susanne Pauli aus Klein Lengden sieht die Probleme in den Betrieben: „Als Frau einen Ausbildungsplatz zu finden geht, aber eine Anstellung gibt es fast nie.“ Angst vor einem anderen Betriebsklima oder einer Schwangerschaft seien Probleme in den kleinen Betrieben, meint die 49-Jährige, die seit neun Jahren selbstständig ist.

Heuer möchte allerdings nicht gezielt junge Frauen ansprechen, sondern alle Jugendlichen erreichen - zum Beispiel mit Zukunftstagen oder einer neuen Imagekampagne. Sie hofft auch, dass Eltern ihre Kinder auf die vielen Handwerksberufe aufmerksam machen.

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