Aktueller Bildungsbericht

Viele Kinder in Südniedersachsen betroffen: Schulstart mit Sprachproblemen

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Bildungsbericht Südniedersachsen: (von links) Dransfelds Samtgemeindebürgermeister Mathias Eilers, die Dezernenten Maria Schmidt (Göttingen), Uljana Grube (Landkreis Northeim) und Marcel Riethig (Landkreis Göttingen) sowie Nils Pagels vom Team Zoom stellten das Zahlenwerk vor.

Göttingen/Northeim – Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ist für viele Mädchen und Jungen in Südniedersachsen eine hohe Hürde. Das Problem: Sie kommen gar nicht oder nur unzureichend mit der deutschen Sprache zurecht.

Das geht aus dem zweiten Bericht der Bildungsregion Südniedersachsen hervor, der in Göttingen vorgestellt wurde. Konkret: Im Landkreis Northeim hatte im vergangenen Jahr mehr als jeder fünfte Schulanfänger Probleme mit der Sprache, wie die Schuleingangsuntersuchungen ergaben. Im Altkreis Göttingen ist es jeder sechste Schuleinsteiger.

Das könnte möglicherweise eine Folge der Verteilung von Flüchtlingen auf die Kommunen. Durch das Grenzdurchgangslager Friedland bleiben weniger Flüchtlingsfamilien im Landkreis. Deshalb werden auch weniger Kinder aus diesen Familien im Bereich Göttingen eingeschult, wurde bei der Vorstellung mit den Dezernenten Uljana Grube (Landkreis Northeim), Marcel Riethig (Landkreis Göttingen) und Maria Schmidt (Stadt Göttingen) deutlich.

Der Bildungsbericht lobt: „Der Kita-Besuch ist schon eine gute Förderung der Kinder. Aber er reicht bei weitem nicht aus, um die Nachteile ausgleichen.“

Um das Problem anzugehen, soll in beiden Landkreisen die frühkindliche Sprachförderung verbessert werden, so die Empfehlung der Experten. Außerdem werden zahlreiche Kinder vor der Einschulung nochmals zurückgestellt. Die Stadt Göttingen hat dazu ein spezielles Konzept aus der Taufe gehoben, um beispielsweise in der Weststadt sowie in Grone möglichst viele Familien zu erreichen. Auch im Landkreis Northeim sollen die Bemühungen deutlich intensiviert werden. Doch alle Bereiche müssen mit dem Problem kämpfen, dass der Markt der Fachkräfte für den Vorschulbereich leer gefegt ist.

Eine weitere Empfehlung: Genauso kann der Ausbau der Ganztagsangebote im Grundschulbereich ein Weg zur Förderung der Kinder sein. Sie sollten aus Sicht der Macher der Studie auch qualitativ deutlich verbessert werden.

Jeder Vierte bricht seine Lehre ab

Beim Bildungsweg von Jugendlichen gibt es oft Probleme beim Übergang von der Schule in den Beruf. Das zeigt auch der aktuelle Bildungsbericht für Südniedersachsen.

Mehr als jedes vierte Ausbildungsverhältnis wird vor dem Ende der Lehre gekündigt – oft bereits im ersten Lehrjahr. Und: Obwohl es seit zwei Jahren in Südniedersachsen mehr Ausbildungsplätze als Bewerber gibt, bleiben immer noch einige Interessenten ohne Lehrstelle.

Um die Situation zu verbessern, gibt es in Südniedersachsen inzwischen Initiativen, die jungen Leute zu unterstützen. So können Jugendliche im Landkreis Göttingen die Berufseinstiegsbegleitung in Anspruch nehmen. Die Mitarbeiter kümmern sich dabei intensiv um die Auszubildenden – schon vor dem Start in die Lehre. Start des fünfjährigen Projekts war im November 2015. Zur Zielgruppe gehören Jugendliche an allen Haupt-, Ober- und Gesamtschulen sowie den Förderschulen Lernen in Stadt und Altkreis Göttingen. Die Begleiter arbeiten dabei eng mit den Schulen, der Berufsberatung und natürlich mit den Eltern zusammen.

Ein Erfolgsfaktor dabei ist der Betreuungsschlüssel, denn ein Einstiegsbegleiter betreut nur bis zu 20 Schüler. Die einzelnen Schritte im jeweiligen Förderplan werden jeweils mit den Beteiligten abgesprochen.

Im Landkreis Northeim gibt es die „Jugendberufsangentur“, bei der die Arbeitsagentur, das Jobcenter und der Landkreis kooperieren. Dieses Angebot läuft bislang in Uslar und Einbeck. Ende des Jahres kommt Northeim hinzu. Dabei werden die unterschiedlichen Beratungs- und Förderangebote für Jugendliche unter einem Dach gebündelt.

Im Bildungsbericht gibt es dazu eine wichtige Anmerkung: „Grundsätzlich muss sich die Region weiterhin über eine weitere qualitative Verbesserung der Berufsorientierungsanstrengungen der Schulen verständigen.“ Die aktuellen Initiativen und Aktivitäten scheinen noch nicht zu genügen. Ein konkreter Vorschlag ist, ähnlich wie bei Projekten mit Langzeitarbeitslosen erprobt, Jobcoaches für Auszubildende einzusetzen.

Auswertung der Ergebnisse in Workshops

In Workshops sollen die Ergebnisse des Bildungsberichts, der imInternet abrufbar ist, intensiver ausgewertet werden. Dazu sollen auch externe Partner, wie das Handwerk sowie die Industrie- und Handelskammer, ins Boot geholt werden. Der Verein Bildungsregion Südniedersachsen ging 2017 aus dem Regionalverband hervor. Mit dabei sind Stadt und Landkreis Göttingen, der Landkreis Northeim und das Kultusministerium.

Weitere Infos gibt es hier.

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