Keine Nachteile für Patientenversorgung und Studierende – Einschnitt bei Forschung

Uni Göttingen: Virologie wird Ende September geschlossen

Zugewachsen: Die Abteilung Virologie ist mit der Mikrobiologie am Kreuzbergring 57 in Göttingen untergebracht und wird Ende September aufgelöst. Im gleichen Haus werden auch die Tropenmedizinische Beratung und die Impfberatung angeboten. Foto: Kopietz
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Zugewachsen: Die Abteilung Virologie ist mit der Mikrobiologie am Kreuzbergring 57 in Göttingen untergebracht und wird Ende September aufgelöst. Im gleichen Haus werden auch die Tropenmedizinische Beratung und die Impfberatung angeboten.

Göttingen. Die seit 1999 bestehende Abteilung Virologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) schließt Ende September. Patienten und Studierende hätten dadurch aber keine Nachteile, wie der UMG-Vorstand mitteilt. Das sehen Mitarbeiter anders.

Die Schließung der Virologie ist ein schleichender Tod, nachdem seit 2008 die Diagnostik von der Virologie an die Abteilung Mikrobiologie verlagert worden ist.

Mitarbeiter werden nicht entlassen, teilt die UMG mit. Unbefristet beschäftigte Mitarbeiter werden demnach im Institut für Medizinische Mikrobiologie beschäftigt oder an andere UMG-Einrichtungen vermittelt, teilt UMG-Sprecher Stefan Weller auf Anfrage mit.

Gründe für die Virologie-Schließung, die UMG-Gremien im Juli 2013 beschlossen hatten, ist eine Umstrukturierung. Dahinter steckt der Zwang zum Sparen. Denn das Betreiben der Virologie wäre teuer geworden, weil die W-3-Professur-Stelle hätte neu ausgeschrieben werden müssen. Das wollte die UMG nicht. Sie benötigt das Geld, da vom Land die Zuschüsse für Forschung und Lehre stagnieren, um andere Schwerpunkte stärken zu können. Im UMG-Sprachduktus heißt das „Umwidmung von Ressourcen“.

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Der kommissarischer Abteilungsleiter der Virologie ist seit 2010 Prof. Frank Torsten Hufert. Er war 2006 verpflichtet worden und sollte auch die Diagnostik voranbringen – ein Unterfangen, das mit der Abgabe der Diagnostik an die Mikrobiologie – und damit der lukrativen Patientenversorgung – 2008 beendet wurde.

Nach Auflösung der Virologie wird die Mikrobiologie auch die Aufgaben in Forschung und Lehre wahrnehmen. Eine grundlegende virologische Expertise werde damit weiter in Göttingen möglich sein. Die Lehre werde durch Integration von Stellen aus der Virologie (ein Wissenschaftler, ein technischer Assistent) langfristig gesichert.

Negative Folgen für die Lehre dürfte es trotzdem geben, wie der für die Ausbildung zuständige Naturwissenschaftler Dr. Martin Spiegel sagt, dessen Vertrag im Juli 2015 ausläuft. Es fehle an Fachwissen und Personal, beispielsweise bei der Betreuung von Praktika.

Grundsätzlich droht für die Bevölkerung in Südniedersachsen und bundesweit keine Unterversorgung im Bereich Virologie. Laut Prof. Hufert, gibt es an 33 von 36 deutschen Medizin-Fakultäten in Deutschland virologische Einrichtungen, darunter 27 Lehrstühle. In Niedersachsen gibt es an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ein Institut für Virologie. Die MHH hat auch einen Schwerpunkt Infektions- und Immunitätsforschung.

Dennoch: In Göttingen geht Wissen verloren, wie Hufert sagt: „Natürlich reduziert sich mit den Wissenschaftlern, die von der Auflösung der Abteilung betroffen sind, spezifisches Forschungs-Know-How in Göttingen.“

Von Thomas Kopietz

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