Virtuelle Brücken zu den Zuschauern

Deutsches Theater Göttingen ruft mit Stream neues digitales Format ins Leben

Sechs Personen sind in kleinen rechteckigen Kästen über einen Bildschirm verteilt zu sehen.
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Neues Format: Die Macher des Deutschen Theaters kamen mit den Zuschauern virtuell ins Gespräch.

Das Deutsche Theater in Göttingen ist trotz Lockdown auf vielfältige Weise präsent. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Stream „Alles Lüge und immer wieder wächst das Gras“.

Göttingen – Dazu gehört ein Nachgespräch mit Schauspielern und Vertretern aus dem Regieteam dieser Uraufführung. Damit hat das Theater ein neues digitales Format ins Leben gerufen.

Regieteam stand nach Liederabend für Fragen bereit

Direkt im Anschluss an den Liederabend „über zwei Hälften eines Landes, die nicht zueinander kommen können“ standen Dramaturgin Mona Rieken und der musikalische Leiter Michael Frei den Zuschauern für Fragen bereit.

Direkt von der Probe stieß Volker Muthmann dazu, scheiterte aber wie Gaia Vogel komplett, zunächst an technischen Problemen.

Roman Majewski, der bis Anfang 2020 in Halle an der Saale lebte, erzählte von seiner Idee, einen Liederabend zum 30-jährigen Jahrestag des Mauerfalls zu machen. Seit fünf Jahren wohne er in Göttingen und fühle sich in gewisser Weise heimatlos – „weder ostdeutsch noch westdeutsch“.

Früh habe er gelernt, bewusst hochdeutsch zu sprechen. Die Geschichte der zwei Brüder aus dem Osten, die nach der Wende völlig andere Lebensformen finden und sich voneinander entfremden, habe viel mit seiner Biographie zu tun.

Lieder von Gerhard Gundermann haben Majewski bewegt

Wie Sandro als Figur aus dem Stück setzt sich Majewski mit seiner Familie auseinander. Sein älterer Bruder sei wie er in der ehemaligen DDR sozialisiert und nun zum AfD-Wähler geworden.

Dem Liedermacher Gerhard Gundermann aus Weimar sei er zum ersten Mal zu Beginn seines Schauspielstudiums begegnet, erzählt Majewski.

Dessen Songs hätten ihn schon damals sehr bewegt. Bei der Kombination seiner Songs mit denen von Rio Reiser als westdeutschem Sänger und Texter habe es immer wieder Rückfragen gegeben, von wem ein Lied eigentlich stamme, berichtete der musikalische Leiter.

Ost- und Westdeutschland waren Thema im Nachgespräch

Und Roman Majewski erinnert sich: Im Herbst 2019 hätten die Proben zu dem deutsch-deutschen Liederabend begonnen. Dann kam 2020 der erste Lockdown. Nur Theaterleute konnten die Premiere live sehen. Als Stream bringt das Theater den Liederabend seither in die Wohnzimmer der Menschen.

Die Frage, inwieweit es möglich sei, dass Ost- und Westdeutschland weiter zusammenrücken, beschäftigte die Zuschauer beim Nachgespräch. Lukas Trümmer sagte, dass viele seiner Freunde in ostdeutschen Städten studierten.

Das werde inzwischen als „cool“ angesehen. Für Edith Pflaumbaum bietet der Liederabend die Möglichkeit, vielleicht doch „Wunden zu heilen“. Mit Musik spreche man eine andere Sprache.

Mit dem Hinweis auf aktuell laufende Proben, den Stream von „Alles Lüge ...“ immer freitags sowie dem neuen Format des Speed Acting, zum nächsten Mal am Mittwoch, 17. März, danach regelmäßig donnerstags, sowie für Schulen „Netboy – der Film“ endete das Nachgespräch mit begeisterten Kommentaren im Chat und der Aussicht auf Wiederholung. (Ute Lawrenz)

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