Viva! Diese Opernfassung von Agrippina begeisterte die Kinder

Internationale Händel-Festspiele 2015: Familienfassung der Festspieloper Agrippina mit Juri Tetzlaff und den Stars der Oper – auch Zuschauer durften mitmachen, als Palastwachen bei der Kaiser-Krönung. Foto: Kopietz

Göttingen. So locker kann eine Opernaufführung sein. Etwa 700 junge und jung gebliebene Besucher in der Stadthalle erlebten am Sonntagmittag eine wunderbare, allgemeinverständliche Version der Händel-Festspiele-Oper Agrippina.

Zu verdanken ist das in erster Linie dem aus dem Fernsehen als Kika-Moderator bekannten Juri Tetzlaff und natürlich den Stars der Festspiel-Oper, die sich mit spür- und sichtbarer Begeisterung der außergewöhnlichen Aufführung zur Verfügung stellten.

Denn bei dieser „Agrippina“ ist alles anders: Zunächst einmal lernen die Zuschauer Blitz, Donner, Wind und Regen zu machen – über Geräusche. Danach sind alle locker, auch die das Geschehen amüsiert beobachtenden Musiker des Festspiel-Orchesters um Laurence Cummings. Es blitzt, die Zuschauer zischen, es donnert in Form von Bumm-Rufen und es regnet – die Füße trampeln auf den Boden.

Dann erzählt Juri Tetzlaff in kurzen Sequenzen kindgerecht die Geschichte der Agrippina und deren Bemühungen, den Thron im Alten Rom mit ihrem Sohn Nero zu besetzen. Intrigen, Machenschaften, Lügen – so erzählt es die Geschichte, die vor 306 Jahren das erste Mal als Händel-Oper aufgeführt worden war und noch heute blendend beim Publikum ankommt – auch beim ganz jungen. Das nämlich geht so richtig mit: Es gibt Zurufe und immer wieder eingestreute Mitmachaktionen: Die wechselnden Kaiser auf dem Thron werden laut mit einem „Viva Nero“ oder „Viva Claudio“ begrüßt. Tetzlaff spricht die Jugendsprache, aber biedert sich nicht an, wenn er sagt: „Nero freut sich wie ein Schnitzel darüber, dass er Kaiser wird.“ Oder er ruft: „Ottone wurde vom Heroe zu Zero in Windeseile. Heute würde man sagen: Der wird ganz fies gemoppt!“ Dazu gibt es Gesang-Passagen, die mit rauschendem Beifall im Saal belohnt werden.

Nach 60 Minuten ist das ganze Geschehen um Agrippina, das in der Originalfassung mehr als drei mal so lange dauert, auf höchst kurzweilige und dennoch musikalisch hochwertige Art und Weise abgearbeitet worden.

Tosender Beifall für eine großartige Aufführung. Eine Zugabe gibt es nicht: Die Kinder im Saal hätten sie gerne erlebt. Und die begeisterten Eltern ebenfalls, die locker mitmachen, als Ottone und Poppea ihrer Liebe mit einem Kuss besiegeln: 700 Leute in der Stadthalle liefern den O-Ton dazu: Schmatz!

Die Familienfassung der Festspiel-Oper sollte auf jeden Fall in Zukunft im Programm bleiben, das haben Tetzlaff und die Opern-Stars bewiesen.

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