Ein Unfall, den er nie vergaß

Der verstorbene Schauspieler Volker Lechtenbrink stand in den 80ern in Göttingen vor Gericht

Geschockt und fast unverletzt: Volker Lechtenbrink in seinem Mercedes, mit dem er in andere Autos fuhr, steht am 21. September 1983 auf der A 7. Zwei Menschen starben an den Folgen des Unfalls. Lechtenbrink stand vor Gericht, wurde freigesprochen.
+
Geschockt und fast unverletzt: Volker Lechtenbrink in seinem Mercedes, mit dem er in andere Autos fuhr, steht am 21. September 1983 auf der A 7. Zwei Menschen starben an den Folgen des Unfalls. Lechtenbrink stand vor Gericht, wurde freigesprochen.

Der Schauspieler Volker Lechtenbrink ist im Alter von 77 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Wegen eines mitverursachten Autounfalls musste er 1985 vor Gericht. 

Göttingen – Er war ein Multi-Talent, war Schauspieler, Regisseur, Intendant und Sänger. Und Lechtenbrink war überaus lebensfroh, und einer, der wagte – gewann, aber auch verlor. In Göttingen war er angeklagt, gewann Anfang März 1985 einen Prozess.

Lechtenbrink war im September 1983 mit seinem Mercedes in einen Auffahrunfall mit mehreren Autos auf der A 7 an der damaligen Anschlussstelle „Friedland“ in Richtung Göttingen verwickelt gewesen. Er war mit seinem Mercedes in einen nach einem Unfall quer auf der Fahrbahn stehenden Pkw, einen Mercedes 190, geprallt. Ein weiteres Auto, ein VW Scirocco, fuhr in die Autos hinein.

Medieninteresse: Volker Lechtenbrink stand 1985 in Göttingen vor Gericht, wurde freigesprochen – nach einem Unfall auf der A 7 im Herbst 1983.

Volker Lechtenbrink drohte die Höchststrafe: fünf Jahre Haft

Die beiden Fahrer wurden schwer verletzt, erlagen später ihren Verletzungen. Lechtenbrink kam mit einer leichten Schulterverletzung und einem Schock davon – die Fotos vom Göttinger Karl-Heinz Otto zeigen am Unfallort einen paralysiert wirkenden Lechtenbrink, der danach in der Uni-Klinik ambulant behandelt wurde und sagte: Es tue ihm alles so entsetzlich leid.

Es folgte – mit einem weiteren Autofahrer – die Anklage wegen zweifacher fahrlässiger Tötung. Höchststrafe: fünf Jahre. Der Fall erregte mediales Aufsehen. Zig Fotografen erwarteten ihn, als der am 6. März 1985 sein Auto auf einer Tankstelle nahe dem Amtsgericht parkte und mit seinem Hamburger Anwalt Beling vor das Gebäude trat.

Nach dem Unfall: Volker Lechtenbrink geht mit Notfallsanitätern von der Unfallstelle auf der A 7.

Volker Lechtenbrink vor Gericht: „Für mich ist das hier kein Happening.“

„Für mich ist das hier kein Happening“, sagte er den Journalisten, berichtete die „Neue Presse“. So fühlte sich Lechtenbrink an jenem März-Tag nach dem Freispruch auch nicht als Gewinner. Richter Heinz Schmitz hatte ihm ein „Fehlverhalten“ vorgehalten, das aber „subjektiv verständlich sei“.

Lechtenbrink wurde freigesprochen, der Mitangeklagte Dietmar M. wegen Unachtsamkeit zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und 3000 Mark Geldbuße verurteilt. Volker Lechtenbrink sagte: „Ich werde trotzdem mit diesem Urteil weiterleben müssen.“ Von dem Unfall hatte er nur „Bruchstücke, einzelne Bilder im Kopf“ – wohl noch lange in seinem Leben, das nun zu Ende gegangen ist. (Thomas Kopietz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.