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Göttinger Verkehrsbetriebe stellen neue Fahrzeuge und neuen Fahrplan vor

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Von: Per Schröter

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An dieser Ladestation auf dem Holtenser Berg an der Haltestelle Europallee können die neuen Elektrobusse bei kurzen Zwischenstopps zumindest teilweise wieder aufgeladen werden.
An dieser Ladestation auf dem Holtenser Berg an der Haltestelle Europallee können die neuen Elektrobusse bei kurzen Zwischenstopps zumindest teilweise wieder aufgeladen werden. © Per Schröter

Mit dem neuen Fahrplan, der am kommenden Montag in Kraft tritt, nehmen die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) die ersten von zehn neuangeschafften, vollelektrischen Busse in Betrieb. Am Freitag wurde einer der eCitaro-Gelenkbusse vorgestellt.

Göttingen - „Mit dem Einsatz dieser Elektrobusse im Linienverkehr machen wir den nächsten Schritt in die E-Mobilität“, betonte GöVB-Geschäftsführer Michael Neugebauer. Bislang fuhren zwölf der insgesamt 96 Busse in der GöVB-Flotte mit Hybridtechnologie (ein Mix aus Elektro- und Verbrennungsmotor), der Rest wurde mit Diesel angetrieben. „Zehn dieser Dieselbusse hatten jetzt das Alter erreicht, in dem sie ausgewechselt werden mussten, und wurde durch die ersten vollektrischen Busse ersetzt“, so Neugebauer.

Die Anschaffungskosten für einen der von Mercedes Benz gebauten eCitaro-Gelenkbusse liegt bei 735.000 Euro (netto, also ohne Mehrwertsteuer). Zum Vergleich: Einer der bisherigen Diesel-Gelenkbusse kostete „nur“ 350.000 Euro, also nicht einmal die Hälfte. „Die Anschaffungskosten wurden allerdings vom Land Niedersachsen und von der Europäischen Union großzügig gefördert“, sagte Michael Neugebauer. 4,4 Millionen der insgesamt 7,35 Millionen Euro stammten demnach aus Fördermitteln, so dass die Kosten für die GöVB in einem vergleichbaren Rahmen blieben wie bei der Anschaffung von herkömmlichen Dieselbussen.

185.500 Euro pro E-Bus

„Einer der Faktoren, warum die neuen Busse so teuer sind, ist der hohe Preis für die Batterien“, sagte GöVB-Betriebsleiter Thomas Zimmermann. Sage und schreibe 185.000 Euro kostet der in einem Bus verbaute Batteriesatz. „Glücklicherweise gewährt der Hersteller eine siebenjährige Garantie“, so Zimmermann.

Im Unterschied zu herkömmlichen Bussen verfügen die neuen Elektrobusse nicht nur über eine, sondern über zwei angetriebene Achsen. Und haben mit 685 PS knapp 300 mehr als ein Dieselbus. „Damit haben die Busse eine deutlich bessere Traktion und sind auch für den Winter bestens gerüstet“, so Zimmermann. Mit einer Batterieladung soll der Bus, etwa 100 Kilometer weit fahren können. Um immer auf der sicheren Seite zu sein, wurden an drei Haltestellen (am ZOB, auf dem Holtenser Berg und in Nikolausberg) Ladestationen mit jeweils 320 Kilowatt Leistung aufgestellt, an denen die Busse mit einem auf dem Dach ausfahrbaren Abnehmer ähnlich wie eine Straßenbahn „andocken“ und die Batterie innerhalb von nur zwölf Minuten um 13 bis 14 Prozent aufladen können.

Freuen sich über die neuen Fahrzeuge: GöVB-Elektrotechnikleiter Marco Gescher (von links), Betriebsleiter Thomas Zimmermann und Geschäftsführer Michael Neugebauer präsentierten den neuen vollektrischen Gelenkbus.
Freuen sich über die neuen Fahrzeuge: GöVB-Elektrotechnikleiter Marco Gescher (von links), Betriebsleiter Thomas Zimmermann und Geschäftsführer Michael Neugebauer präsentierten den neuen vollektrischen Gelenkbus. © Per Schröter

Auch im Innern gibt es für die Passagiere Neuerungen. „Die Busse verfügen über ein antivirales Lüftungssystem, mit dem die Luft nach spätestens vier Minuten einmal komplett umgewälzt wird“, sagte Thomas Zimmermann. Das sei gerade in Pandemiezeiten wie gerade jetzt ein unschätzbarer Vorteil. Der Gelenkbus bietet Platz für 144 Passagiere, verfügt über kostenloses W-Lan und Ladebuchsen für Handys oder Laptops und hat in den Einstiegsbereichen geriffelte Haltestangen, durch die sich Menschen mit Sehbehinderungen besser orientieren können“, so der Betriebsleiter.

„Nachdem die ersten Busse bereits im November geliefert wurden, konnten in den vergangenen Wochen erste Probefahrten durchgeführt werden, um sowohl das Personal zu schulen als auch die Fahreigenschaften und die Batterieleistung der Busse zu testen und so den Alltag im Linienverkehr vorzubereiten“, sagte Thomas Zimmermann.

Eingesetzt werden die neuen Busse zunächst auf den Linien 11/12 und 21/22. Ziel der GöVB ist es, die gesamte Flotte nach und nach durch Elektrobusse zu ersetzen. „Den letzten Dieselbus haben wir 2018 beschafft“, sagte Michael Neugebauer. Da die Lebensdauer eines Busses maximal 14 Jahre betrage, sei davon auszugehen, dass die Umstellung spätestens 2032 beendet sei und dann nur noch Elektrobusse im Stadtverkehr eingesetzt werden. (Per Schröter)

Kleine Fahrplanänderung

Im Zusammenhang mit dem Einsatz der neuen Elektrobusse kommt es ab dem kommenden Montag zu kleineren Änderungen im Fahrplan. Auf der Linie 11/12 wird die Haltestelle Europallee in verschiedene Haltepositionen aufgeteilt, die dann Europallee Ost, Süd und West heißen werden. Außerdem verschieben sich die Taktfahrten in Richtung Süden in der Hauptverkehrszeit um wenige Minuten und die Linie 12 fährt nicht mehr nach Holtensen, sondern endet wie die Linie 11 auf dem Holtenser Berg.

Bei den Linien 71/72 verschieden sich die Taktfahrten in Richtung Süden in der Hauptverkehrszeit ebenso um wenige Minuten wie bei der Linie 33 nach 8 Uhr, um Anschlüsse aus und nach Holtensen an den Haltestellen „Europallee Süd und West herzustellen.

Die Linie 73 schließlich wird als Ersatz für Linie 12 ab Haltestelle „Pfalz-Grona-Breite“ verlängert über Holtensen bis „Europallee West“. Der Linienweg über Maschmühlenweg, Industriegebiet und Holtensen bis Holtenser Berg wird ganztägig bedient.

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