„Vorhaben wie aus der Zeit gefallen“

Bürgerinitiative protestiert gegen Versieglung des Dragonerangers

Demo gegen den Bau eines Betonwerkes am Dragonerager in Weende.
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Demo gegen den Bau eines Betonwerkes am Dragonerager in Weende.

In Göttingen regt sich massiver Widerstand gegen den Bau eines Betonwerks und die damit verbundene Bodenversiegelung am Dragoneranger in der Leineaue westlich von Weende.

Göttingen – Unter dem Motto „Acker statt Beton“ zogen dafür am Samstag mehrere hundert Menschen in einem Demonstrationszug durch Weende zum betroffenen Areal im Leinetal.

„Das ganze Vorhaben wirkt wie aus der Zeit gefallen“, sagte Timo Weishaupt, Mitinitiator und Sprecher der neu gegründeten Bürgerinitiative (BI) Dragoneranger. „Menschen fordern mehr Umwelt-, Klima- und Naturschutz und hier soll Ackerfläche allerbester Güte versiegelt werden.“

Durch das geplante Betonmischwerk und weiteres Industrie- und Logistikgewerbe werde eine nachhaltige Entwicklung in Göttingen und im Leinetal einmal mehr ausgehebelt. „Zudem würde das jüngst um 34 Prozent verfehlte Klimaziel der Stadt Göttingen weiter torpediert“, so Weishaupt.

Dass außerdem in unmittelbarer Nähe zum neuen Wohnquartier ‚Am Klosterpark‘, in dem aktuell für rund 1000 Menschen Wohnraum geschaffen wird und bei dem es sich um eine ehemalige Industriebrache handelt, ein neues Industriegebiet aufgezogen werden solle, verursache mehr als nur Kopfschütteln.

„Auch wenn für den Klinik-Neubau der Universitätsmedizin viel Beton benötigt wird, müssen wir alternative, schon versiegelte Flächen finden“, betonte Weishaupt. „Wir glauben, dass diese Alternativen nicht ausreichend geprüft wurden und fordern eine Neubewertung der Situation.“

BI-Mitbegründer und -sprecher Timo Weishaupt bei seiner Ansprache vor dem Weender Freibad.

Deike Terruhn unterstrich den unmittelbaren Naherholungswert des Dragonerangers. „Der Anger ist der kurze Weg in die Natur“, sagte die BI-Mitbegründerin. Ob zum Joggen, Radfahren oder Spazierengehen an der Leine - für etliche Alt- und zunehmend viele Neu-Weender sei es die Möglichkeit zum Ausgleich.

„Zusätzliche Emissionen und Lärm betreffen alle Anwohner in Weende, in Weende-Nord und auf dem Holtenser Berg“, so Terruhn. Außerdem zerstöre dieses Projekt den Lebensraum bedrohter Arten und ein Gebiet, das bis 2017 noch als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen war. „Lasst uns dagegen angehen!“, so ihr Aufruf. Die BI werde „konstruktiv in der Kritik und bei den Alternativvorschlägen sein“, versprach sie. „Aber der Protest wird lautstark ausfallen.“

Man fordere die Orts- und Stadträte auf, sich erneut mit der Thematik auseinanderzusetzen. „Denn Entscheidungsfaktoren ändern sich und auch Beschlüsse können geändert werden“, betonte der dritte BI-Mitinitiator Dirk-Claas Ulrich.

Unterstützung bekommt die Bürgerinitiative vom Göttinger Bündnis für nachhaltige Stadtentwicklung. „Diese Art der investorgesteuerten Stadtplanung wirkt undurchdacht und genügt weder den klimaschutzpolitischen Erfordernissen noch denen einer vernünftigen Wohnbaupolitik“, sagt Bündnis-Sprecher Dr. Francisco Welter-Schultes. „Sie widerspricht allen Prinzipien von Nachhaltigkeit.“

Ein Betonwerk unmittelbar westlich eines neuen Wohngebietes neu anzusiedeln sei besonders abwegig. „Es ist bemerkenswert, dass die Parteien im Rat bei jeder Gelegenheit von Klimaschutz reden, aber in der Praxis eine Politik betreiben, die die Erderwärmung immer schneller vorantreibt.“ Diese Politik zerstöre die Lebensgrundlagen unserer Gesellschaft und habe mit Nachhaltigkeit nichts zu tun. „Vor diesem Hintergrund ist eine Versiegelung von wertvollstem, ertragreichem Ackerland umso unverständlicher“, so Lukas Flinzberger, Mitglied des Bündnis-Vorstandes.

Von Per Schröter

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