Landesregierung schließt Vertrag

Vorsorge gegen die Schweinepest in Niedersachsen

Wildschweine sind Überträger der Afrikanischen Schweinepest.
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Wildschweine sind Überträger der Afrikanischen Schweinepest.

Die Ereignisse überholten sich. Noch bevor Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast am Freitag ein neues Präventionskonzept gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) in ihrem Land präsentieren konnte, platzte die Nachricht von einem neuen Ausbruch im Bundesland Brandenburg dazwischen.

Hannover/Göttingen – Damit nicht genug: Erstmals hat die hochansteckende Krankheit Hausschwein-Bestände ergriffen. Labore hätten das für Menschen ungefährliche Virus nachgewiesen, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium mit. Vermutet wird, dass sich die Hausschweine im Freien aufgehalten und sich dort die gefährliche Krankheit eingefangen haben.

Die Seuche grassiert seit vergangenem September in Deutschland, bislang allerdings nur bei Wildschweinen und weitgehend im Osten. Allein in Brandenburg zählten die Behörden fast 1270 Fälle. Ein 670 Kilometer langer Zaun an der polnischen Grenze soll ein weiteres Übergreifen der Krankheit verhindern. Niedersachsen blieb davon noch ganz verschont.

Damit dies so bleibt, verstärkt das Land seine Vorsorge. Agrarministerin Otte-Kinast unterzeichnete mit dem Privatunternehmen AN Vorsorge GmbH aus Großenkneten (Landkreis Oldenburg) einen Vier-Stufen-Vertrag. Danach hält die Firma ausreichend Personal und Material vor, um bei einem Ausbruch sofort gewappnet zu sein.

Dafür zahlt das Land eine jährliche Pauschale von 435.000 Euro. Sollte ein Infektionsfall eintreten, heißt es „suchen, bergen, Zäune aufbauen“: Die Mitarbeiter sollen tote Wildschweine aufspüren, diese in Spezialwannen sicher abtransportieren und die Fundstellen weiträumig absperren. „Wir müssen alles dafür tun, die Seuche im Ausbruchsfall schnell und umfassend zu bewältigen“, betonte die Ressortchefin. „Mit der Vereinbarung können wir den Landkreisen eine wertvolle Unterstützung ermöglichen.“ Die kommunalen Veterinärbehörden können die Hilfsleistungen auf eigene Rechnung bei der AN Vorsorge abrufen.

Mit zehn Millionen Schweinen ist Niedersachsen der bundesweit größte Erzeuger. 37 Prozent des deutschen Schweinefleisches stammen von hier. Ein ASP-Ausbruch mit der zwangsläufigen Keulung der Bestände hätte gravierende wirtschaftliche Schäden für die hiesige Landwirtschaft zur Folge. Die ASP kann direkt von Tier zu Tier, aber auch über kontaminierte Gegenstände wie Kleidung, Fahrzeuge und Futter übertragen werden.

„Die Eintragsquelle ist ganz häufig auf zwei Beinen unterwegs“, sagte eine Ministeriumssprecherin in Hannover mit Blick auf den menschlichen Faktor. Die Betriebe und ihre Mitarbeiter müssten daher strikt auf die „Bio-Sicherheit“ achten: Ställe schließen, Kleidung und Autoreifen desinfizieren sowie Futter sicher und verschlossen lagern.

Die Sprecherin appellierte auch an Touristen und Brummi-Fahrer, keine Essensreste achtlos wegzuwerfen. „Das berüchtigte Wurstbrot auf der Autobahn A 2 kann schnell zum Problem werden.“ Denn das Virus übertrage sich auch durch Fleisch. (Peter Mlodoch)

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