Notizen aus Hannover

Vorweihnachtlicher Tadel für die niedersächsische GroKo

Göttingen/Hannover. Unser Korrespondent in Hannover, Peter Mlodoch, hat wieder genau hingeschaut und zugehört. Ergebnis: die Splitter aus der Landeshauptstadt.

Mit den Bürgerrechten kann man nicht früh genug anfangen. Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Helge Limburg passte in seinem Landtagsbüro auf seine jüngste Tochter auf und spielte mit ihr Polizei. Der Fußboden war übersäht mit Ordnungshüter-Figuren und deren Equipment. Sogar ein kleiner Knast war dabei. Aber: „In der Playmobil-Welt müssen alle Gefangenen am nächsten Tag freigelassen werden“, erklärte Jurist Limburg. „Es gibt hier nämlich keinen Richter.“ Auch sonst entspreche die Spielzeug-Polizei keineswegs der Realität in Niedersachsen, meinte Limburg mit Blick auf das geplante umstrittene Polizeigesetz der Regierung: „Wir haben keine Fußfesseln, keine Online-Trojaner und keine Video-Überwachung.“

Peter Mlodoch

Friesisch-herb können die Frotzeleien zwischen SPD-Fraktionschefin Johanne Modder aus Bunde und ihrem Parlamentsgeschäftsführer Wiard Siebels ausfallen. Nach der Versammlung der ostfriesischen Landschaft in Siebels Heimatstadt Aurich wollte Modder ein Geburtstagsgeschenk für die ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Petra Thiemann besorgen. „Wo kann ich hier guten Wein kaufen?“, fragte Modder per Whatsapp ihren Kollegen. „Im Weinladen“, antwortete dieser kurz und knapp. Da wäre sie zur Not noch selbst draufgekommen, grummelte die Fraktionsvorsitzende und witterte eine gezielte Boshaftigkeit von Siebels. Dieser gab sich unschuldig, er habe sich lediglich mit dem Namen vertan: „Der Weinladen heißt Weinschmecker.“ Mit dem Mitbringsel klappte es noch.

Leuchtende Kinderaugen zu Nikolaus bemühte der Deutsche Gewerkschaftsbund in Niedersachsen, um der hiesigen GroKo aus SPD und CDU die Leviten zu lesen. „Mit Geschenken hat die Landesregierung nichts am Hut“, schimpfte der DGB in seinem Newsletter. „Sie gefällt sich eher in der Rolle des Rute schwingenden Knechts Ruprecht.“ Grund für den adventlichen Vergleich: Rot-Schwarz weigere sich, das 2005 von der damaligen CDU/FDP-Regierung gestrichene Weihnachtgeld für Beamte wieder einzuführen. Diesen „Tadel“ hätten Polizisten, Lehrkräfte, Feuerwehrleute und Justizpersonal nicht verdient, so der DGB, und forderte, „die Rute der Knauserigkeit im Kamin zu entsorgen“.

Ein Präsent besonderer Art bietet in diesen vorweihnachtlichen Tagen Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Bunt leuchtet der siebte Stock seines Amtssitzes in den Nachthimmel von Hannover. Studenten der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig projizieren Videokunst auf die Fensterfronten. Die Betrachter können Schattenspiele bestaunen, Rehe vorbeiflitzen und Orka-Wale schwimmen sehen. „Wir wollen hier nicht nur Kultur verwalten, sondern mit ausgewählten Lichtinstallationen weithin sichtbar machen“, begründete Thümler sein adventliches Engagement.

Da musste der Nichtraucher einfach zuschlagen: Bei einer Auktion erwarb Hannovers FDP-Fraktionschef Patrick Döring für 550 Euro eine silberne Zigarettendose – graviert mit Bundesadler und dem Namenszug der SPD-Kanzler-Legende Helmut Schmidt. Dieser hatte das gute Stück seinem Parteifreund Egon Franke geschenkt. Sein Nachlass kam nun in seiner Heimatstadt Hannover unter den Hammer. „Die Dose ist mir sofort ins Auge gefallen“, freute sich FDP-Mann Döring über den historischen Erwerb. Parteipolitische Vorbehalte gegen den Genossen Schmidt hegte der Ex-Bundestagsabgeordnete dabei nicht. „Seine sozialliberale Koalition hat in Deutschland viele Freiheiten geschaffen.“ 

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