Geschichtsverein wittert Skandal

Vorzugsvariante für Städtisches Museum in Göttingen lässt auf sich warten

Dringend sanierungsbedürftig: Das Städtische Museum am Ritterplan in der Göttinger Innenstadt.
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Dringend sanierungsbedürftig: Das Städtische Museum am Ritterplan in der Göttinger Innenstadt.

Der Geschichtsverein wirft der Stadtverwaltung Göttingen vor, in Sachen Sanierung des Städtischen Museums nicht voranzukommen und diese „gezielt zu verschleppen“, bis nach den Wahlen im September, wie Vorsitzender Dr. Peter Aufgebauer nach der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses sagte.

Göttingen – Die Baudezernentin Claudia Baumgartner, die laut Aufgebauer, in jener Sitzung einen „Offenbarungseid“ geleistet habe, ist über die öffentlich geäußerte Kritik verärgert.

Von einem gezielten Verschleppen könne keine Rede sein, das sei nicht zutreffend, sagte Baumgartner in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Sie nannte mehrere Faktoren dafür, dass aus den zunächst drei Architektenentwürfen bis heute noch keine Variante ausgewählt worden sei, was ursprünglich laut Verwaltung bis zum Sommer geschehen sollte.

Ein Grund: In der Bauverwaltung herrscht Personalmangel. Baumgartners Stellvertretinnenstelle konnte erst mit Verzögerung besetzt werden. Auch seien Mitarbeiter, vor allem im Planungsbereich, längerfristig krank, wie die Dezernentin schilderte. Für weiteren Druck habe die Corona-Krise gesorgt, denn zusätzliche Arbeit sei hinzugekommen. So mussten auch die gesamten, aufwändigen Vorarbeiten für den Kauf von Luftreinigern für Schulen geleistet werden. „Es ist klar, dass solche Aufgaben Vorrang haben“, sagt Baumgartner.

Die Verzögerung im Fall Sanierung des Städtischen Museum sei nicht in ihrem Sinne, sagt Baumgartner. „Es ist aber kein Skandal“, wie der Geschichtsverein schreibe.

Göttingens Bauderzernentin Claudia Baumgartner

Auch der Vorwurf der Wahlkampftaktik, festgemacht am Schweigen der Oberbürgermeister-Kandidatin und Kulturdezernentin Petra Broistedt zu der Sanierung, sei haltlos, so Claudia Baumgartner, die sich grundsätzlich von den Verantwortlichen des Geschichtsvereins wünscht, dass derartige Vermutungen und Kritik in Zukunft „im direkten Gespräch“, geäußert und geklärt wird – und nicht über den Weg der Öffentlichkeit und Presse.

Nachzuhaken, Kritik zu äußern, das ist für die Verantwortlichen des Geschichtsvereins notwendeig, wie Austermann betont: Der Geschichtsverein sei der Förderverein des Museums. Es sei seine Pflicht, die Öffentlichkeit über „diesen Skandal“ aufzuklären, ebenso von der Verwaltung zu fordern, dass noch vor der Wahl die Vorzugsvariante der Politik zur Beschlussfassung vorgelegt wird, „damit wenigstens Planungsmittel für die weitere Sanierung in den Haushalt der Stadt für 2022 eingestellt werden können“, heißt es der Pressmitteilung des Geschichtsvereins.

In die Kerbe der Kritik schlägt auch der CDU-Bundestagsabgeorndente Fritz Güntzler, auch er vermutet eine Verzögerungstaktik seitens der Stadt und ist enttäuscht: Und schon wieder werden wir alle von der Stadtverwaltung enttäuscht. Denn nichts ist geschehen“, so der Bundestagsabgeordnete.

Güntzler kritisiert zudem, dass die Stadt nicht beim Thema Bundesfördermittel nachgesetzt habe. „Die Stadt kann das Projekt nicht allein stemmen. 2018 hatte man sich auf Bundesmittel von 5,5 Millionen Euro aus dem Förderprogramm für die Sanierung kommunaler Einrichtungen beworben. Thomas Oppermann und ich haben die Förderungsanfrage unterstützt.“ Leider habe die Stadt damals keinen Zuschlag erhalten.“ Ich verstehe jedoch nicht, warum kein Nachsetzen bei der Bewerbung um Fördermittel stattfindet“, sagt Güntzler, der eine Verschleppungstaktik vermutet. (Thomas Kopietz)

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