Göttinger Forscher werten Fotos aus

Raumsonde Rosetta liefert Bilder eines Wackelsteins auf Komet „Tschuri“

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Raumsonde Rosetta: Drei riesige Felsbrocken in einer Formation auf dem Kometen 67P.

Göttingen. Während die Landeeinheit Philae auf dem Kometen 67P ruht, kreist die Raumsonde Rosetta weiter um „Tschuri“. Göttinger Forscher haben dabei Interessantes entdeckt.

Rosetta sendet beeindruckende Fotos zur mehr als 500 Millionen Kilometer entfernten Erde – auch Bilder von einem „Wackelstein“, den es in dieser Form auch auf der Erde gibt.

So bezeichnen die Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen das Gebilde, was sie bereits im August 2014 mit Hilfe des Kamerasystems Osiris entdeckt hatten.

Im September glückten aus einer Höhe von 29 Kilometern brillante Fotos, die ausgewertet wurden: Zu sehen ist eine Formation mit drei solitären, riesigen Gesteinsblöcken. Der größte Block hat einen Durchmesser von etwa 30 Metern. Das Außergewöhnliche: Der Brocken hat nur eine geringe Auflagefläche und balanciert scheinbar an einer Abbruchkante zu einer Vertiefung an der Kometenoberfläche.

Geologische Formationen dieser Art, mit einer kleinen Auflagefläche, kommen auch auf der Erde vor. Sie lassen sich bewegen und werden als „Wackelsteine“ bezeichnet. In Deutschland sind Exemplare Bayrischen Wald und im Fichtelgebirge zu finden. Imposante Brocken, allerdings „Nichtwackler“, gibt es in Australien und im Südwesten der USA.

Oft sind die Felsbrocken im Gletschereis transportiert und an ihren heutigen, kippeligen Standorten abgeladen worden. Oder das umgebende Gestein wurde durch Wind und Wasser abgetragen, so der Wackelstein freigelegt.

Wie aber der mögliche Wackelstein auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko entstanden ist, das wissen die Forscher noch nicht, sagt Holger Sierks vom Göttinger MPS. Es sei denkbar, dass auch auf „Tschuri“ Stein-Transporte stattgefunden hätten. So könnten Brocken durch die Aktivität des Kometen, die nach und nach an die Material abträgt und ins All spuckt, auf der Oberfläche wandern.

So gibt es auf „Tschuri“ Geröllhalden und zahlreiche große Gesteinsbrocken. Einer der größten auf der Unterseite des Kometen misst etwa 45 Meter. Er wurde von den Forschern „Cheops“ getauft, in Anlehnung an die Pyramide.

Grundsätzlich sei die Interpretation und Auswertung der Osiris-Fotos schwierig, wie Holger Sierks sagt. All das sei abhängig von der Überflughöhe und der entstehenden Perspektive. Den Wackelstein wolle man aber weiter genau durch das Kamera-Auge beobachten. (mps/tko)

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