Lokführer im Ausstand

Pro Bahn: Streik sorgt für viel Frust - Fahrgastverband hat Tipps

Schwierige Lage für die Kunden: Gerd Aschoff vom Fahrgastverband Pro Bahn kann den Frust, der bei Reisenden aufkommt, nachvollziehen. Er informierte sich am Bahnhof Göttingen über die Lage.
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Schwierige Lage für die Kunden: Gerd Aschoff vom Fahrgastverband Pro Bahn kann den Frust, der bei Reisenden aufkommt, nachvollziehen. Er informierte sich am Bahnhof Göttingen über die Situation.

Der Lokführerstreik trifft am Mittwoch und Donnerstag (11. und 12.08.2021) trifft viele Pendler und Urlauber. Vor allem in Südniedersachsen, aber auch in Nordhessen, gibt es Alternativen.

Update vom 12.08.2021, 15.45 Uhr: Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL, der auch noch den ganzen Donnerstag andauern wird, sorgt für Frust bei Reisenden. Gerd Aschoff vom Fahrgastverband „Pro Bahn“ in Südniedersachsen kann den Ärger verstehen und hat Tipps parat. Die Bahn selbst rät, geplante Reisen – wenn möglich – zu verschieben.

„Das Riesenproblem bei diesem Streik ist die Kurzfristigkeit. Keiner konnte sich darauf einstellen“, sagt Aschoff. Hintergrund: Erst am Dienstag in den späten Vormittagsstunden war der 48-stündige Streik, der in der Nacht zum Mittwoch für den Personenverkehr begann, angekündigt worden. Bisher habe die GDL immer davon gesprochen, ausreichend Zeit zwischen der Ankündigung und dem eigentlichen Streik einzuräumen. „Die GDL will mit dem Streik beeindrucken“, vermutet Aschoff.

Lokführerstreik: Thema Stornierungen

„Man muss als Fahrgast extrem vorsichtig sein“, rät der Vertreter des Fahrgastverbandes. Das gelte insbesondere für Fahrten in den nächsten Tagen und Wochen, da man davon ausgehen müsse, dass der Streik weitergeht. Er rät dazu, Hotelbuchungen nur dann einzugehen, wenn man sie „taggenau“ zurückgeben kann. „Das Problem durch Corona ist, dass viele Anbieter kostenfreie Stornierung nur noch mit längerem Vorlauf erlauben.“

Er selbst hat in dieser Woche eine für Donnerstag geplante Reise nach Berchtesgaden storniert, weil der Hotelier nicht zu einer Kulanzlösung bereit war. „Ich wäre sonst auf 700 Euro sitzen geblieben.“ Stattdessen hat er sich für eine kurzfristige Reise am Freitag nach Berlin entschieden. „Dort waren die Stornierungskonditionen besser.“

Lokführerstreik: Nach dem Ausstand

Und: Zwar ist der der Streik laut GDL am Freitag um 2 Uhr beendet, aber Aschoff geht nach den Erfahrungen bei früheren Ausständen davon aus, dass es auch am Freitag noch einmal zu großen Problemen im Bahnverkehr kommt. „Die Züge stehen oft nicht an den Bahnhöfen, wo sie gebraucht werden. Es dürfte den ganzen Freitag über dauern, bis der Betrieb wieder normal läuft.“ Er hofft, dass der Betrieb am Wochenende wieder normal läuft, weil er dann mit dem Zug von Berlin nach Passau fahren will.

Lokführerstreik: Es gibt Fahrgastrechte

Außerdem macht Aschoff deutlich: „Die Fahrgastrechte gelten.“ Deshalb rät er dazu, diese auf alle Fälle bei der Bahn einzufordern. „Das gilt übrigens auch für abgebrochene Reisen, die wegen zu großer Verspätung erst gar nicht angetreten werden.“

Wann eine weitere Streikrunde beginnt, sei natürlich nicht absehbar. „Aber ich gehe davon aus, dass es in der kommenden Woche wieder einen Streik geben könnte“, vermutet der Vertreter des Fahrgastverbandes.

Service: Aktuelle Verkehrsmeldungen und Erstattungen

Aktuelle Verkehrsmeldungen gibt es über Apps der Bahn, die kostenlose Hotline 08000/99 66 33 oder hier im Internet. Das Erstattungsportal der Bahn ist hier zu finden.

Aschoff rät weiterhin dazu, sich vor Fahrtantritt unbedingt über elektronische Medien (Internet und App) über die aktuelle Verkehrslage zu informieren. „Die Hotlines sind in der Regel hoffnungslos überlastet.“ Der Umstieg auf Privatbahnen, die nicht bestreikt werden, ist bei kurzen und mittleren Distanzen sinnvoll, aber „auf Langstrecken“ wegen der deutlich verlängerten Reisezeiten praktisch nicht sinnvoll. (Bernd Schlegel)

Tipp: Mit Privatbahnen ans Ziel kommen

Erstmeldung vom 10.08.2021, 15.30 Uhr: Göttingen – Vor allem in Südniedersachsen, aber auch in Nordhessen, gibt es Alternativen zu Verbindungen mit der Deutschan Band. Der Grund: In der Region sind zahlreiche Strecken an private Anbieter vergeben – und die werden nicht bestreikt.

Ein Cantus-Zug am Bahnhof Bebra: Das Unternehmen bedient zahlreiche Strecken und wird nicht bestreikt. (Symbolbild)

Also können sie eine Alternative sein, um doch noch das gewünschte Reiseziel per Bahn zu erreichen. Allerdings muss man mit deutlich längeren Fahrzeiten als mit ICE oder IC rechnen. Allerdings kann es auch bei den Privatbahnen zu Auswirkungen auf den Betrieb durch den Streik kommen.

  • Metronom: Die Metronom-Züge fahren von Göttingen über Hannover bis nach Uelzen. Von dort aus besteht Anschluss Richtung Hamburg, wo Metronom-Züge in Richtung Bremen fahren. Weitere Infos zum Metronom gibt es hier.
  • Cantus: Die Bahnen des Cantus fahren von Göttingen nach Kassel Hbf beziehungsweise Eschwege/Bebra. Der Cantus bedient auch die Strecken von Kassel über Bebra nach Fulda sowie von Bebra nach Eisenach. Weitere Infos gibt es hier.
  • Hessische Landesbahn: Die Hessische Landesbahn (HLB) verbindet Kassel mit Frankfurt am Main und befährt zahlreiche Strecken in Mittel- und Südhessen. Weitere Infos gibt es hier.
  • NordWestBahn: Ab Göttingen und Kreiensen verkehren Züge dieses Anbieters Richtung Ottbergen/Paderborn Von dort aus kommt man weiter nach Bielefeld. Weitere Infos gibt es hier.

Problematisch könnte es mit Blick auf die Privatbahnen dann werden, wenn die Gewerkschaft GDL ihren Streik zum Beispiel auch auf die Stellwerke der Bahn ausgedehnt. In diesem Bereich hat die GDL offenbar zahlreiche neue Mitglieder gewinnen können. Weitere Infos zur Bahn gibt es hier. (Bernd Schlegel)

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