Wunderwaffe Glyphosat: Von Bauern geschätzt, aber vermutlich krebserregend

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Chemikalieneinsatz In der Diskussion: Glyphosat ist ein effektives und günstiges Mittel zur Unkrautbekämpfung. Die WHO stufte das Herbizid jüngst als wahrscheinlich krebserregend ein.

Göttingen. Glyphosat ist eine Unkraut-Allzweckwaffe, aber aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wahrscheinlich krebserregend. Es wird auf Feldern, Gärten und an Ufern versprüht.

Die Vorteile von Glyphosat: Es ist günstig und tötet schnell jegliches Unkraut ab. Die toten Pflanzen müssen nicht umgepflügt werden. „Dadurch verbessert sich die Bodenstruktur“, erklärt Dr Dirk Augustin, Leiter der Versuchswirtschaft an der Universität Göttingen. Glyphosat schützt so landwirtschaftliche Flächen indirekt vor Erosion.

Aber Glyphosat wird verstärkt auch zur Grünflächenpflege genutzt und gelangt so in Flüsse und Seen, Grenzwerte gibt es bisher keine. Nun befürchtet die WHO, dass Glyphosat krebserregend ist, diese Meinung ist aber umstritten. Das Umweltbundesamt kritisiert nur den übermäßigen Einsatz von Glyphosat, das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht keine Gefahr.

„Glyphosat war bis vor zwei Jahren ein Zaubermittel“, sagt Augustin. Doch nun wisse man, dass der Einsatz nicht ohne Risiko sei. „Zumindest in hohen Konzentrationen scheint es Folgen zu haben.“ Die Alternativen sind aber auch nicht ideal: Andere Chemikalien sind stärker konzentriert, wirken nur teilweise, zersetzen sich schlechter. Man müsse prüfen, wie gefährlich Glyphosat verglichen mit anderen Methoden sei.

Achim Hübner, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Göttingen, sagt hingegen: „Es gibt keine Alternative zu Glyphosat.“ Er verteidigt die Bauern für den Einsatz von Glyphosat, da es effektiv und ökologisch zugleich sei. „Wir haben den Einsatz über die Jahre stark reduziert, aber es bleibt ein Standardmittel.“

Bei der Ufer- und Gewässerpflege will man auf Glyphosat verzichten, sucht aber Ersatz. „Wir brauchen Herbizide zur Bekämpfung der Herkulesstaude“, stellt der Geschäftsführer des Leineverbands, Hans-Jürgen Laduch, klar.

Hintergrund: Glyphosat

Glyphosat ist Hauptbestandteil vieler Unkrautbekämpfungsmittel. Die Chemikalie kam 1974 als Bestandteil des Mittels „Roundup“ von Monsanto auf den Markt. Das Herbizid wird versprüht und von Pflanzen über die Blätter aufgenommen. Die Chemikalie stört den Stoffwechsel, sodass sie wenige Tage später abstirbt.

Laut Umweltbundesamt ist Glyphosat das am häufigsten verwendete Herbizid - 6000 Tonnen wurden im Jahr 2012 in Deutschland verkauft. Ende März hat die Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Von der EU wird aktuell geprüft, ob das Mittel für weitere zehn Jahre zugelassen wird.

Zusatzinfos: Glyphosat

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